Was die Reinacher Erowa AG herstellt, bekommt der normale Konsument kaum je zu sehen. Die Produkte und das Knowhow der 1971 von Hans Hediger (75) gegründeten Firma stecken in Produktionsmaschinen vieler Grossunternehmen, deren Waren jedermann kennt. Mit Erowa-Technik (der Ausdruck «Erowa-System», eine 1984 erfundene Technik für Erodiermaschinen, ist heute ein fester Begriff in der Branche) arbeiten etwa Maschinen, die Spielzeug, Autos, medizinische Apparate und Smartphones herstellen. Insofern begleitet die Reinacher Firma mit ihren weltweit 550 Angestellten (davon 280 in der Schweiz) manchen von uns von der Kindheit bis ins Alter. 

Grund genug für Landammann Urs Hofmann (SP), den Betrieb zu besuchen. Ein gemeinsames Thema gefunden hatten Hans Hediger und der Wirtschaftsminister gestern Vormittag schnell. Mit seiner Frage, ob der Erowa wie anderen Betrieben der aktuelle Lehrlingsmangel zu schaffen mache, schnitt Hofmann ein brennendes Thema an. Schon von mancher Firma habe er gehört, wie schwer die Rekrutierung der Lernenden geworden sei. Gemäss dem Landammann ist der gesellschaftliche Druck verantwortlich, dass sich heutzutage viele Jugendliche auf den akademischen Weg versteifen, die früher eine Berufslehre angesteuert hätten. Tatsächlich macht sich der Trend auch in der Erowa bemerkbar. Statt wie üblich drei hätten sie derzeit nur zwei Lernende der Mechanik, so Hediger. Seine Firma bildet Mechaniker, Polymechaniker, Informatiker und kaufmännische Angestellte aus. «Es gilt heute als weniger cool, Mechaniker zu lernen», sagte Hediger, der die Abwertung der Berufslehre als gesellschaftliches Problem unserer Zeit sieht. Als Unternehmen die Situation zum Besseren zu wenden, sei sehr schwierig. 

Chinesische Erowa-Kopien 

Diagnostiziert scheint das Reinacher Unternehmen alle Bedrohungen der Branche zu haben, auch wenn die Lösung nicht immer in seiner Macht liegt. So ist man sich bewusst, dass die Produkte in Windeseile von chinesischen Anbietern kopiert und günstiger angeboten werden. Juristisch dagegen anzugehen sei derart aufwendig, so CEO Stephan Neeser, dass man es meist nicht in Betracht ziehe. «Im Markt halten können wir uns nur, indem wir uns weiterentwickeln und innovativ sind», sagte Neeser, der den Firmenbesitzer Hans Hediger auf einer Messe in Japan kennen lernte, wo er einen damaligen Arbeitgeber vertrat. Eine weite Reise für den Schlossrueder, um auf den Reinacher Hediger zu treffen. Eine, die sich gelohnt hatte für Neeser, der bei der Schmiedrueder Adrian Michel AG seine Lehre gemacht hatte. 

Im Nachbartal ist die Erowa zusätzlich als Besitzerin des Schlosses Rued bekannt. Das frisch renovierte und 2018 als Seminarzentrum neu eröffnete Schloss, in dem auch der Regierungsrat dieses Jahr eine Veranstaltung durchführen will, wird seither fleissig gebucht. Im Sommer praktisch durchgehend. Mit dem Ausbau des ehemaligen Knappenhauses nebenan sollen Gäste auch bald dort übernachten können.