Zugegeben, im Vergleich zu ihren Nachbarinnen ist sie bescheiden bemessen. Trotzdem ist ihr Grundriss fast so gross wie ein Fussballfeld, markant und von weither sichtbar – nicht zuletzt, weil sie das Gewerbegebiet im Moos hinter der «Alu Menziken» gegen Norden hin begrenzt. Die Rede ist von der neuen Lagerhalle an der Mattenstrasse, erbaut durch die Firma Bertschi Mulden. Rund eine Million Franken hat das Reinacher Familienunternehmen in den Neubau investiert. Jetzt ist er fertig – und steht praktisch leer. «Wir sind nicht glücklich über diese Situation», sagt Monika Bertschi, Geschäftsführerin von Bertschi AG.

Dass das Gebäude unmittelbar hinter den Produktionshallen der Alu Menziken Extrusion AG steht, ist kein Zufall. Eigentlich hatte die Firma Bertschi die Halle in der Absicht gebaut, darin ein modernes Hochregallager für den grossen Nachbarn einzurichten und die Schneideanlage, mit der bis anhin die Reste aus dem Stanzwerk nebenan zerkleinert wurden, unterzubringen. Eigentlich. Denn während der Bauphase hat das Management der «Alu Menziken» gewechselt – und damit wohl auch die Zukunftspläne, wie Monika Bertschi vermutet.

Reduzierter Lagerbedarf

Dem widerspricht Ingolf Planer, neuer Geschäftsleiter/CEO der Alu Menziken Extrusion AG, auf Anfrage nicht ganz. Trotzdem, ein Sinneswandel habe nicht stattgefunden. Vielmehr hätten neue Prozesse mit schnelleren Durchlaufzeiten in den vergangenen zwei Jahren zu einer Reduktion des Lagerbedarfs geführt. «Von daher sind wir mit unserem eigenen, automatisierten Regallager nicht mehr an der oberen Kapazitätsgrenze», so Planer.

Es hätten aber weder Verträge noch konkrete Absichten bestanden, in der Halle der Firma Bertschi nebenan ein Hochregallager zu bauen.
«Es ist auch nicht so, dass wir die Halle aus Spargründen nicht nutzen», sagt Ingolf Planer. Zwar macht der neue CEO keinen Hehl daraus, dass auch die «Alu Menziken» als Unternehmen, das drei Viertel der Umsätze im Ausland macht, mit dem starken Schweizer Franken zu kämpfen hat. Dennoch betont er: «Ich verbringe einen Grossteil meiner Zeit hier, ich schätze die Menschen und das Tal. Dieser Standort ist mit allen Mitteln zu erhalten.» Total beschäftigt die Alu Menziken Extrusion AG 235 Mitarbeitende, 195 davon in Reinach, 40 in Menziken.

Langjährige Zusammenarbeit

Lagerhalle hin oder her – beide Unternehmen betonen die gute Zusammenarbeit und die Absicht, diese auch in Zukunft weiterführen zu wollen. «Wir haben ein gutes Verhältnis», sagt Ingolf Planer, «wir nutzen die Dienstleistungen der Firma Bertschi gerne.» Seit rund dreissig Jahren nimmt das Reinacher Familienunternehmen, das neben eines Mulden- und Transportservices auch die Recycling-Paradiese in Reinach und Hunzenschwil betreibt, die Abfälle des Aluwerks ab und schneidet die Stanzabschnitte ofengerecht zu, damit sie anschliessend wieder eingeschmolzen werden können.

«Dies alles ohne feste Verträge», wie Monika Bertschi sagt. Die Schneideanlage, die unterdessen in die neue Halle gezügelt hat, schafft mehrere Tonnen Material am Tag. Derzeit kommt aber praktisch nichts rein – wahrscheinlich weil mehr bei der «Alu» selber verarbeitet werde, so die Vermutung von Monika Bertschi.

Eine neue Situation für das Familienunternehmen. Die Geschäftsführerin will aber weder schwarz malen noch Schuldzuweisung betreiben: «Die Zeichen stehen nicht so gut, viele Firmen sind am Kämpfen.» Sie habe ein gewisses Verständnis, sagt Bertschi. «Die Zusammenarbeit geht glücklicherweise weiter, einfach in einem anderen Rahmen als erwartet.»

Alternativen sind in Planung

Die Halle aber darf nicht leer bleiben. Die Familie Bertschi muss nach Alternativen suchen: «Wir haben eine feste Belegschaft, keine temporären Angestellten», so Bertschi. «Unser Ziel ist es, diese Leute zu behalten.» Das bedeutet harte Arbeit. Das Familienunternehmen beschäftigt total 38 Mitarbeitende.

Neue Kooperationen müssen gefunden werden. Kein leichtes Unterfangen «in einem zunehmend rauen Umfeld», wie Monika Bertschi sagt. «Wir sind jetzt dabei, ein neues Nutzungskonzept auszuarbeiten, um unseren eigenen Betrieb mit der Metallzerlegung hochzufahren.» Die Halle müsse dafür umgestaltet werden, bauliche Massnahmen würden nötig. Ein entsprechendes Baugesuch soll noch im ersten Halbjahr 2016 bei der Gemeinde eingereicht werden.