Extremsportler
Kurt Hess: «Ich muss den Göttern des Monte Rosa ihren Willen lassen»

Kurz vor dem Ziel hat der Extremsportler Kurt Hess aus Unterkulm seine besondere Expedition aufgeben müssen, aus eigener Kraft nonstop vom tiefsten zum höchsten Punkt in der Schweiz zu kommen. Im Interview erklärt er, wieso es nicht geklappt hat.

Jörg Greb
Drucken
Teilen
Kurt Hess wollte aus eigener Kraft vom tiefsten zum höchsten Punkt der Schweiz – seine Expedition musste er aber aufgeben.

Kurt Hess wollte aus eigener Kraft vom tiefsten zum höchsten Punkt der Schweiz – seine Expedition musste er aber aufgeben.

zvg

Der Extremsportler Kurt Hess scheiterte bei seinem Zweitversuch aus eigener Körperkraft nonstop vom tiefsten zum höchsten Punkt der Schweiz zu gelangen.

Kurt Hess, Ihr Optimismus und die minuziöse Vorbereitung wurden nicht belohnt. Es misslang Ihnen, in den veranschlagten 15 Stunden von Brissago auf 193 m mit Velo und zu Fuss auf die Dufourspitze auf 4634 m zu gelangen. Wieso?

Kurt Hess: Die Geschichte hat sich leider wiederholt. Wie vor sieben Jahren stand ich nach einer perfekt verlaufenen Nacht am frühen Morgen auf der Zumsteinspitze auf 4564 m und nur 70 Höhenmeter tiefer als die Dufourspitze. Hier fegten Sturmböen über den Grat. Ein Durchziehen wäre nur unter Todesgefahr möglich gewesen. Auch andere Alpinisten, die von der Margherita Hütte hochgestiegen waren und dasselbe Ziel ansteuerten wie wir, mussten kapitulieren und umkehren.

Wie gehen Sie mit diesem Verdikt um?

Zuerst spielte ich mit dem Gedanken, es in den nächsten Tagen noch einmal zu versuchen. Rasch sah ich aber ein, dass dies nicht möglich sein wird. Die ganze Spannung ist in sich zusammengefallen. Diese müsste ich wieder aufbauen, und bis dann ist der Sommer vorüber. So bleibt mir nichts anderes, als den Göttern des Monte Rosa ihren Willen zu lassen. Rasch habe ich aber das Positive erkannt: Die Zeit hier im Gebiet hat mir ermöglicht, die tollen Berge zu besteigen, und das ganze Training brachte mich weiter. Schade nur: Der krönende Abschluss fehlt.

Wie war’s denn gelaufen bis zu diesem bitteren Ende?

Perfekt, genau nach Plan. Ich startete am Montagabend punkt 20 Uhr in Brissago. Nach viereinhalb Stunden erreichte ich wie geplant Alagna. Ich warf mich in die Laufausrüstung und lief hoch zu meinem Zeltbiwak. Dort wartete mein Guide auf mich. Immer noch exakt nach Plan stiegen wir bei idealen Bedingungen über den Gletscher bis zur Zumsteinspitze. Völlig unverhofft kam das abrupte und bittere Ende.

Aktuelle Nachrichten