Paris

Kurt Hediger nach 58 Jahren an der Seine zurück

Kurt Hediger skizziert in Paris.

Kurt Hediger skizziert in Paris.

Mit dem Reinacher Kunstmaler Kurt Hediger per TGV auf einer viertägigen Kunst- und Erinnerungsreise in der französischen Metropole. Seine erste Reise nach Paris brachte er noch unbequem auf dem Sozius einer Vespa hinter sich.

Das Bild mit Blick auf den Pont des Arts und im Hintergrund die Île de la Cité von Paris hat mich in der Ausstellung sofort angesprochen. Es gibt die Stimmung an der Seine perfekt wieder und weckt Erinnerungen an mein Studiensemester in Paris 1976/77. Nur, das Bild ist älter, Kurt Hediger hat es 1958 gemalt, 2006 aufgefrischt. Jetzt, wo ich den Blick auf den Pont des Arts zu Hause jeden Tag vor Augen habe, war es an der Zeit, mit dem Künstler auf den Platz zu gehen, wo 1958 seine Staffelei stand.

«Meine erste Reise nach Paris war nicht so komfortabel», sagt Hediger Ende Januar im TGV, der zwischen Strassburg und Paris mit 300 Stundenkilometern dahinfliegt, «ich sass auf dem Sozius der Vespa von Schulfreund Bernhard Karrer.» Kurt Hediger, 78, ergeht es vielen andern auch, man steigt am Gare de l’Est aus dem Zug und man ist ein wenig zurückgekehrt. «Wir halten uns da nicht an die Maxime von Peters Bichsels Parisreise», schmunzelt Hediger. «Wir verlassen im Gegensatz zum Schriftsteller die Gare de l’Est.»

Paris im Januar: C’est la bise

Flanieren an der Seine, ausruhen auf den Sitzbänken im Jardin des Tuileries liegt im Januar nicht drin. Es ist bitterkalt in der Stadt und die Bise bläst durch die Gassen. Allerdings, Wind hin oder her, der Malplatz von 1958, den suchen wir auf. Kaum auf der linken Seite der Pont du Carrousel angekommen, sagt Kurt Hediger: «Genau hier stand meine Staffelei». Vor uns die Seine, der Pont des Arts, dahinter, leicht verdeckt der Pont Neuf und die Île de la Cité. Der Blick sei noch der gleiche, sagt Hediger, die Gebäudesilhouette im Hintergrund ist geblieben. «Aber die Fassaden sind viel heller», dies fällt Hediger auf. In den 1950er Jahren sei alles grau, fast schwarz gewesen.

Der gelbe Begleiter ist dabei

Kurt Hediger nimmt sein gelbes Skizzenbuch hervor, öffnet den kleinen Aquarellkasten, die Filmbüchse mit dem Wasser und greift mit klammen Fingern nach dem kleinen Pinsel. So entsteht im Heft Strich um Strich die Brücke mit dem bekannten Hintergrund neu. Die Farbe trocknet schlecht, droht auf dem Papier zu gefrieren. Aber Hediger setzt Fläche neben Fläche, die Skizze erhält Tiefe, nimmt die Stimmung auf. Auch der Besuch im Louvre, im Musée d’Orsay wird mit Kurt Hediger zum Erlebnis. Er kennt die Bilder und deren Geschichte, er erzählt von den Schicksalen der Maler, die zum Teil längere Zeit in Paris gelebt und gearbeitet haben.

Skizzieren und kopieren

Im Louvre sitzen wir lange vor dem monumentalen Gemälde von Napoleons Krönung von Jacques-Louis David (1805–1807). Inmitten der vielen Besucher – die Mona Lisa lächelt im Nebenraum – greift Hediger zum Skizzenblock. Hier hat er als junger Maler einst mehrere Gemälde der grossen Meister kopiert. «Tagelang arbeitete ich im Louvre, hier war es im Gegensatz zu meinem kleinen Atelier geheizt», erinnert er sich.

Über Mittag seien sie häufig in ein Bistro zum Essen gegangen, erzählt Hediger. «Die Tische waren weiss gedeckt, und der Kellner hat jeweils das Konsumierte aufs Tischtuch geschrieben und zusammengezählt.»

Das Licht wechselt schnell in der Stadt, und Kurt Hediger nimmt das mit dem Auge des Malers wahr, weist wiederholt daraufhin. Die Grautöne der Gebäude, das Farbenspiel im Wasser der Seine, das fasziniert ihn.

Kunst und Erinnerungen, dazu Gespräche an der Wärme in einem der vielen Bistros, so vergehen vier Tage wie im Fluge.

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