Reinach AG
Kündigung für 40 Mieter, weil der Hausbesitzer alle Wohnungen renoviert

In zwei Wohnsiedlungen in Reinach herrscht unter den Mietern grosse Unruhe: Sie müssen innerhalb von drei Monaten ihre Wohnungen räumen. Der Grund: Die Wohnungen werden renoviert. 40 Parteien sind davon betroffen.

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Hier an der Griensammlerstrasse in Reinach müssen auf einen Schlag 40 Parteien ihre Wohnungen verlassen.

Hier an der Griensammlerstrasse in Reinach müssen auf einen Schlag 40 Parteien ihre Wohnungen verlassen.

Tele M1

Dicke Post für die Bewohner zweier Wohnblöcke an der Griensammlerstrasse in Reinach: Anfang Juni erhielten sie einen Brief der Hausverwaltung, dass ihre Wohnungen renoviert werden. Für die Komplettsanierung müssen alle die Wohnungen innerhalb von drei Monaten verlassen, wie Tele M1 berichtet.

Pikant: Die in die Jahre gekommen Häuser wurden per 1. Juni verkauft; der neue Besitzer kündigte nur drei Tage darauf den 40 Mietern. Diese sind schockiert, die Sanierung ab Oktober kam ohne Vorwarnung, wie die Verwaltung Gribi AG gegenüber der az bestätigt.

Mieterin Sonja Föhn weiss nicht mehr weiter. Sie nervt sich insbesondere über die Art der Kündigung: «Ich hätte mir ein persönliches Gespräch gewünscht. Die Vermieter hätten frühzeitig einen Info-Abend veranstalten können», klagt sie gegenüber Tele M1. So hätten sie alle mehr Zeit zur Verfügung, um sich eine neue Wohnung zu suchen.

Korrekt, aber unfreundlich

Die ordentliche Massenkündigung – unter Einhaltung der vertraglichen Frist und der gesetzlichen Termine – ist aber rechtmässig. Grundsätzlich ist es Sache des Vermieters, ob und wann er sanieren will. Die feine Art ist es jedoch nicht, wie man auch beim Hauseigentümerverband Aargau (HEV) einräumt. «Wir empfehlen, frühzeitig zu informieren», sagt Sonia Rueff, Leiterin der Rechtsabteilung. Zudem könnte der Vermieter die Kündigungsfristen verlängern oder bereits im Vorfeld einige Wohnungen nicht mehr neu vergeben.

«Hätte man die Wohnungen nicht renovieren können, ohne dass die Leute raus müssen?», klagt Mieterin Martha Gautschi. Das gäbe es doch oft. «Ich kann das nicht verstehen.» Die Sanierungsarbeiten beinhalten gemäss dem Kündigungsschreiben unter anderem alle Sanitäranlagen, Leitungen, Bodenbeläge sowie sämtliche Elektroanlagen, für welche «kein Sicherheitsnachweis gegeben werden kann». Gemäss Bundesgerichtsentscheid von 2008 berechtigen diese Arbeiten zur Kündigung wegen Unbenutzbarkeit. Nicht der Fall wäre dies beim Wändestreichen, Aussenrenovation oder Balkonanbauten.

Bewohner klagen auch, der Mietzins steige massiv, gemäss ihren Ausagen von rund 400 Franken netto für eine 3,5-Zimmer-Wohnung. Ein durchaus realistischer Betrag, da bei umfassenden Sanierungen der Mehrwert zwischen 50 bis 70 Prozent aufgerechnet werden kann, wie auch der HEV bestätigt.

Das Klagen kommt zu spät

Kann der Mieter also nichts tun, was sagt der Mieterverband Aargau? Die zuständige Geschäftsleiterin war krankheitshalber nicht erreichbar. Die Mieter können aber eine Erstreckung des Mietverhältnisses verlangen. Nach einer Interessenabwägung durch die Schlichtungsbehörde kann die Verlängerung bei Wohnräumen bis zu vier Jahre betragen. Die Kündigung muss innert 30 Tagen seit Erhalt angefochten werden. Laut der Verwaltung der Reinacher Wohnblöcke sind allerdings keine Beschwerden eingegangen. Den Mietern bleibt nichts anders übrig, als ihre Wohnungen fristgerecht zu verlassen. Beim neuen Besitzer – eine Zentralschweizer Immobilienfirma – konnte wegen Ferienabwesenheit der verantwortlichen Person niemand zu den Fragen und Klagen der Mieter Stellung nehmen.

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