Schöftland
Kritikeressen: Die Ochsenküche besteht den ersten Härtetest

20 kritische Genussmenschen testeten im neuen «Ochsen» Küche und Service. Ab dem 3. Juni ist das Traditionshaus wieder offen.

Peter Weingartner
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Sie haben den «Ochsen» getestet: Manfred Mauch, Daniel Brunner und Elisabeth Müller (v.l.n.r.).

Sie haben den «Ochsen» getestet: Manfred Mauch, Daniel Brunner und Elisabeth Müller (v.l.n.r.).

wpo

Rund 20 «ausgewählte, kritische Genussmenschen» sind eingeladen zum «Kritikeressen im Ochsen». Lobhudelei ist nicht das Ziel, vielmehr wird ein «ehrliches Feedback» erwartet. Im Keller gibts den Apéro, und Mitbesitzer Daniel Frey freut sich über die Komplimente, die das Ambiente ebenso betreffen wie den Wein. Heute werden Küche und Serviceablauf getestet. Betriebsleiterin Lea Rampini muss in die Küche, denn bald beginnt das Testessen. Daniel Frey verlässt den «Ochsen»; er will sein Team nicht zusätzlich stressen.

Kurt Leuenberger, Weinkenner und Feinschmecker, studiert die Weinkarte. Und schon steht die Serviceangestellte am Tisch. Wenn schon, denn schon: Man bestellt den Fünfgänger, vielleicht ohne Suppe oder bloss mit halbem Dessert. Das «Radiesliallerlei» kommt farbig daher. Erdbeeren und Radiesli kombiniert. «Speziell», meint Elisabeth Müller, die einmal Koch gelernt hat und nun Bücher verkauft. «Hat mir ganz gut gefallen», sagt Claudia Brunner, die ehemalige «Resi»-Wirtin. Sie leitet auch überbetriebliche Kurse für angehende Restaurationsfachleute. Der Wein scheint den Gästen zu munden. Die zweite Flasche jedoch hat einen Fehler, weniger deutlich in der Nase, klar im Gaumen. Sie wird anstandslos ausgetauscht.

Daniel Brunner, Claudias Gatte, unterstützt Kurt: Der Spinat unter dem ausgezeichneten Lachsfilet ist «etwas fad». Der Hauptgang provoziert ein paar «servicetechnische» Kritikpunkte, auch wenn alle auf die Frage «Isch es rächt bi Ihne?» nicken. Für Kritik hat man ja den Fragebogen. Das Essen sei zu wenig heiss, wird moniert. Hat das mit dem weiten Weg von der Küche zur Gaststube zu tun? Grossen Anklang finden der Rindschmorbraten und das Filet. Die Fachleute wissen, was die Zubereitung für die Küche bedeutet.

Die Erdbeervariation zum Abschluss überzeugt vollends. Selber schuld, wer darauf verzichtete. «Wunderbar, das Sorbet und die Panna Cotta», schwärmt Kurt. Ihm gefällt auch die «schöne Weinkarte». Nur der Whiskey fehlt dem Schottlandfan. Und wie hat Lea Rampini den ersten Abend erlebt? «Sportlich», meint sie vielsagend.

Man ist sich einig am Tisch: Es war ein gelungener Abend. Doch nun, beim Kaffee, kommt noch die Arbeit, denn dafür sind diese Genussmenschen eingeladen worden. Kompetenz, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit sind Kriterien bei der Beurteilung des Teams. Im Zentrum steht das Essen, aber auch die Räumlichkeiten und die Atmosphäre sollen bewertet werden.

Unbestritten: Man fühlt sich wohl im Gasthof Ochsen. Dazu trägt die gegenüber früher deutlich verbesserte Akustik bei: Man muss einander nicht anschreien. «Eine gute, konstruktive Kritik will überlegt sein», sagt Daniel Brunner. Neben ausführlicher Kritik und konkreten Anregungen schreiben viele auch ein Dankeswort auf den dreiseitigen Fragebogen und wünschen viel Erfolg.

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