Attelwil
Kreuzkröten leben unter Hochspannung

Eine Exkursion im Raum Attelwil und Reitnau zeigte an konkreten Beispielen, was im Suhrental kriecht, fliegt und wächst. Das liess sich auch Regierungsrätin Susanne Hochuli nicht entgehen

Peter Weingartner
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Attelwil Exkursion mit Susanne Hochuli
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Attelwil Exkursion mit Susanne Hochuli

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«Jetzt tut sie wieder!», sagt Niklaus Huber von der Regionalen Landschaftskommission Suhrental. Er meint die Feldlerche und deren charakteristischen Gesang. Leider ist das Konzert von kurzer Dauer. Daniel Hauri vom Natur- und Vogelschutzverein Reitnau-Attelwil gelingt es dennoch, den Anwesenden diesen Vogel näher zu bringen. Gut 50 Personen, Gemeinderäte, Kommissions- und Vereinsmitglieder, Grundbesitzer und interessierte Privatpersonen, sind dabei.

Bodenbrüter im Rübenfeld

Zuckerrüben- oder Kartoffelfelder haben es der Feldlerche, die am Boden brütet, angetan. Auch Getreidefelder, Buntbrachen mag sie, nicht aber Fettwiesen. Kleine Strukturen mit vielen Grenzen und Feldrändern kommen ihr entgegen. Trotzdem ist der Bestand von 30 Brutpaaren 2004 auf 12 im letzten Jahr zurückgegangen. Was sind die Gründe? Der Milan?

«Bis dreimal pro Jahr machen wir vom Kanton an verschiedenen Orten solche Tagungen und Exkursionen», sagt Sebastian Meyer, Projektleiter Arten und Lebensräume bei der Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Dabei können die Landschaftskommissionen vor Ort zeigen, was sie zustande bringen. Der Kanton bietet Gemeinden, Vereinen und Einzelpersonen externe Beratungen an, wenn es um Fragen der Aufwertung oder die Realisierung von Projekten geht.

Kröten unter dem Masten

Ein kleines, aber nachhaltiges Projekt befindet sich unter einem Hochspannungsmasten: ein Weiher, wo die Kreuzkröte ihren Lebensraum findet. Mio Cattaneo vom lokalen Natur- und Vogelschutzverein zeigt die Kröte mit den kurzen Hinterbeinen. Genetische Untersuchungen hätten gezeigt, dass es Verbindungen zwischen der Kiesgrube in Staffelbach und der Grube in Triengen gebe. Mehr noch: Man habe Kreuzkröten «besendert», um herauszufinden, wie die Tiere mit der Landwirtschaft zu Schlage kommen. Das Fazit: Sie fühlen sich wohl im Kulturland, mögen kleine Ackerflächen und da besonders die Ränder, wo über 90 Prozent der Tiere leben. Und als Versteckmöglichkeit schätzten sie, im Gegensatz zu den Landwirten, Mauselöcher.

Werner Wölfli, dem das Land gehört, hat diese Fläche, «wo nichts anderes machbar» ist, für den Weiher zur Verfügung gestellt: «Da können die Spaziergänger, die Kinder etwas sehen.» Unter einem zweiten Masten steht ein Biotop aus Sträuchern.

Steine sparen Geld

Förster Martin Leu führt – nach einem Exkurs in die Geologie des Tales – die Gesellschaft der Suhre entlang Richtung Kantonsgrenze. Er weist dabei auf einen Verpackungskünstler hin: die Traubenkirschen-Gespinstmotte. Sein Thema ist aber die Silberweide, ein typischer Baum der Auen-und Wasserlandschaften.
Hanspeter Lüem von der Abteilung Landschaft und Gewässer erinnert daran, dass bis vor elf Jahren in der Suhre alljährlich das Laichkraut gemäht werden musste. Störsteine, Ausbaggern von Material und eine andere Ufergestaltung vor zehn Jahren zeigten positive Folgen: Das Laichkraut kann sich dank anderen Strömungsverhältnissen nicht mehr ansetzen, und seither sparen die Gemeinden jährlich 50 000 Franken. Erfreulich sei auch die Libellenvielfalt an der Suhre. Die Verlegung der Einmündung des Gründelbachs ermöglicht nun das Aufsteigen der Fische.