Muhen

Kräftige Investition in die Schule

Visualisierung des Neubaus auf dem bestehenden Schulareal.

Visualisierung des Neubaus auf dem bestehenden Schulareal.

Die geplante Asylunterkunft in der «Waldeck» bewegt die Gemeinde mehr als der 23-Millionen-Kredit für die neue Schule.

Da staunte Gemeindeammann Andreas Urech und mit ihm der ganze Gemeinderat: Eine überwältigende Mehrheit der 312 anwesenden Stimmberechtigten (von 2711) sagte ohne Diskussion Ja zu einem Kredit von 23 Millionen Franken. Eine einzige Wortmeldung gabs. Namens der SVP monierte Hansueli Lüscher, die Kosten für den Doppelkindergarten, 2,3 Millionen Franken, seien arg hoch. Ob da nicht noch zu sparen wäre? Urech versprach harte Verhandlungen bei den Arbeitsvergaben: «Es ist unser aller Anliegen, den Kostenrahmen einzuhalten.»

An den 23 Millionen beteiligt sich auch die Ortsbürgergemeinde. Dieser traktandierte Beitrag von 62 000 Franken kam glatt durch, derweil ein von Hans Hunziker beantragter höherer Beitrag von 250 000 Franken nach kurzer Diskussion – der einzigen des Abends – abgelehnt wurde.

«Mehr als ein Schulhaus»

Verschiedene Informationsveranstaltungen, an denen die Stimmberechtigten ihre Vorstellungen einbringen konnten, entlasteten offensichtlich die Entscheidung: Man war sich bewusst, dass das «Jahrhundertprojekt» eine höhere Verschuldung mit höherem Steuerfuss nach sich zieht, sah anderseits den Nutzen und die Notwendigkeit des Schulhausneubaus samt neuer Doppelturnhalle für Schule, Vereine, die Bevölkerung. Nicht zuletzt wertet das Projekt das Dorfzentrum auf. Andreas Urech: «Das ist mehr als ein Schulhaus.»

Die Doppelturnhalle mit Bühne und Küche bietet bis zu 750 Personen Platz. Eine Chance für Muhen, grössere Veranstaltungen ins Dorf zu holen. Schulreformen (Zweijahres-Kindergarten, die Umstellung auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe) und das Bevölkerungswachstum rechtfertigen neue Kindergärten und neun neue Klassenzimmer (Platz für 225 Kinder) über der Doppelturnhalle. Der Beitrag der Ortsbürger soll vor allem für die Fassaden des Betonbaus verwendet werden: Holz aus dem eigenen Wald. Im Sommer 2019 soll das Werk nach zweijähriger Bauzeit bezugsbereit sein.

Steuerfuss und Schulden steigen

Diskussionslos passierte auch das Budget 2017 mit einem Steuerfuss von 115 Prozent (bisher 110). Die Steuererhöhung ist wegen der 23-Millionen-Investition nötig. Urech zeigte im Finanzplan, dass dank dieser Erhöhung die Pro-Kopf-Verschuldung ab 2019 bereits wieder zurückgehe, was ohne höheren Steuerbezug nicht der Fall wäre. 2016 hatte Muhen ein Pro-Kopf-Guthaben von 280 Franken. Nun steigt die Verschuldung bis maximal 4838 Franken pro Kopf im Jahr 2019. Die Abschreibungen belasten die Rechnung in den nächsten Jahren mit über 800 000 Franken pro Jahr. Anderseits kann die Gemeinde von «extrem günstigem Geld» profitieren: 0,86 Prozent Zins über 20 Jahre.

Ein Raunen ging durch die Reihen, als Gemeinderat Rafael Levy unter «Verschiedenes» über die Lage im Asylwesen orientierte. Muhen beherbergt zur Zeit 19 Asylsuchende. Nach dem Verkauf der «Waldeck» habe die Gerüchteküche gebrodelt: Neueröffnung? Abriss und Neubau eines Mehrfamilienhauses? Umnutzung als Asylunterkunft? Was ist Sache? Der Gemeinderat sei beim Kanton vorstellig geworden, und in der Tat: Der neue Besitzer der «Waldeck» habe sein Haus als Asylunterkunft angeboten.

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