Seit April 2009 ist Schöftland ein Must-go für Aargauer Gourmets: Im damals eröffneten «Schlossgarten», den die Ortsbürger für über 4 Millionen gebaut hatten, steht der österreichische Spitzenkoch Christian Mitterbacher am Herd. Anno 2000 wurde er im «Gault Millau» als Entdeckung des Jahres gefeiert, 15 Punkte verleiht ihm der Gastroführer noch heute.

Heute Morgen überraschte der Gemeinderat Schöftland mit der Mitteilung, das Gerichtspräsidium Kulm habe über die Kollektivgesellschaft Siebörger & Mitterbacher am 14. Juli den Konkurs eröffnet. «Trotz gutem Geschäftsgang ist es den Pächtern leider nicht gelungen, alle Forderungen der Gastrosocial rechtzeitig zu erfüllen», steht im Communiqué. Gastrosocial in Aarau ist die Ausgleichs- und Pensionskasse im Gastgewerbe. Will sagen, Mitterbacher und seine Partnerin Andrea Siebörger zahlten gewisse Lohnnebenleistungen nicht.

«Es wird niemand verzichten müssen»

Mit wie viel das gefeierte Wirtepaar bei seinen Angestellten in der Kreide steht, wissen nur die Gläubiger. Es handle sich um einen grossen Betrag, heisst es beim Bezirksgericht Kulm auf Anfrage, das den Fall bereits an kantonale Konkursamt in Oberentfelden weitergeleitet hat. Übermorgen Freitag werde der Schuldenruf publiziert, sagt die zuständige Konkursbeamtin lediglich.

Auch Christian Mitterbacher will den geschuldeten Betrag nicht nennen. Aber: «Es wird niemand auch auf nur einen Franken verzichten müssen.» 2010 seien sie wegen vieler Abgänge aufgrund von personellen Fehlentscheiden administrativ ins Hintertreffen geraten, erklärt Mitterbacher: «Es gab 50 Wechsel und 900 Krankheitstage.» Deshalb habe Gastrosocial die Notbremse gezogen.

Es geht nahtlos weiter

Die Verpächterin lässt den Pächter nicht fallen. «Weil die Pachtzinse bisher immer fristgerecht an die Ortsbürgergemeinde überwiesen wurden, hat der Gemeinderat beschlossen, mit der zu gründenden Nachfolgefirma unter derselben Führung und unter verschiedenen Bedingungen einen neuen Pachtvertrag abzuschliessen», schreibt der Gemeinderat

«Für den Gast ändert sich nichts», verspricht auch Mitterbacher. Der Betrieb läuft als GmbH nahtlos weiter, die Reservationen bleiben gültig, ebenso die Gutscheine. Und auch die vier neuen Lehrlinge können ihre Stelle nach den Sommerferien wie geplant antreten.