Es war sicher nicht der wichtigste Tag in seinem Leben, aber einer, der Max Eichenberger nachhaltig beeinflusste. Bis heute. Er war zu Besuch bei einem Freund in Paris. Von einem Hochhausdach des Büroviertels «La Defense» entdeckte der Oberwynentaler inmitten all jener futuristischen Bauten, die ihn ungemein faszinierten, einen Friedhof. «Ob dieses Gegensatzes zwischen dem Grössenwahnsinn, dem Streben des Menschen nach Macht und seiner Vergänglichkeit bin ich andächtig geworden», erinnert sich Max Eichenberger. Das war vor zwanzig Jahren.

Die Friedhöfe der «Defense» liessen ihn nicht los. Es folgte ein zweiter Besuch in Paris. Diesmal mit Kamera. In der Folge ist ein Zyklus von 14 Schwarzweiss-Aufnahmen entstanden, die er jetzt – zwanzig Jahre später – in einer Installation im Kulturraum Burg der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bilder zeigen allesamt Friedhof- respektive Grabelemente, fotografisch dem menschlichen Grössenwahnsinn, der sich in den exzessiven Bürobauten widerspiegelt, entgegengestellt – ein gestalterischer und inhaltlicher Kontrast, der zum Nachdenken anregt.

Ausstellung im Dunkeln

Genauso wenig wie Max Eichenberger sich als Künstler versteht, passt seine Präsentation in ein gängiges Ausstellungsschema. Denn wer grossformatige Bilder an weissen Wänden erwartet, liegt falsch. Max Eichenberger zeigt seine Fotos im Dunkeln. Kerzenschein und Taschenlampe sind die einzigen Lichtquellen. Der Betrachter macht sich mit der Taschenlampe selber auf die Suche nach den Bildern, die sich in 14 Holzkästen verbergen.

«Ich bin kein Kirchengänger», sagt Max Eichenberger. Religiöse Botschaften wollten seine Bilder nicht vermitteln. Im Gegenteil, mit Religionen könne er wenig anfangen. Aber er interessiere sich für den Menschen, für seine Individualität. Dennoch bedient sich Eichenberger für die Inszenierung seiner Installation im Kulturraum sakraler Bilder: An der Vernissage von morgen Freitagabend gibt es Wein und gebrochenes Brot. Es spricht die Theologin Fabienne Steiner aus Schlossrued. Umrahmt wird der Anlass mit erdigen Posaunenklängen von Ruedi Lehnherr.

Vernissage: Freitag, 30. Oktober, 18 Uhr. Weitere Öffnungszeiten der Ausstellung: Samstag, 31. Oktober, ab 18 Uhr und Sonntag, 1. November, ab 17 Uhr.