Schmiedrued
Kommt auf der Nütziweid kein zweites Windrad wegen Fledermäusen?

Auf der Nütziweid soll ein zweites, grösseres Windrad gebaut werden. Für Fledermäuse bedeutet das den sicheren Tod. Doch git es überhaupt welch auf der Nütziweid? Der Ultraschall-Detektor hat jetzt erste aufgezeichnet.

Sabine Kuster
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Windräder sind für Fledermäuse gefährlich

Windräder sind für Fledermäuse gefährlich

Es gibt nur wenige Orte im Aargau, wo sich die Nutzung von Windkraft lohnt. Zum Beispiel auf dem Heitersberg in Remetschwil, wo ein Windrad mit einer Flügellänge von 50 Metern geplant ist. Auch über die Nütziweid auf dem Hügel oberhalb von Schmiedrued pfeift der Wind genug stark, sodass klimafreundlicher Strom produziert werden kann: Im Dezember vor einem Jahr wurde hier ein kleines Windrad eingeweiht. Das erste im Kanton. Nun soll ein grösseres hinzukommen. «Ob es je verwirklicht wird, steht in den Sternen», sagt der Initiant des Projektes. Als erste Hürde muss der Grosse Rat im nächsten Frühling die Anpassungen des kantonalen Richtplans verabschieden, in dem ein Abschnitt auch die Nutzung der Windenergie regelt.

Tödlicher Unterdruck

Ein grösseres Windrad mit Rotorenblättern von 50 Metern wie das in Remetschwil geplante dreht am äussersten Punkt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h – eine Gefahr nicht nur für träge Segler wie Mäusebussard oder Rotmilan, sondern auch für Fledermäuse auf ihrer nächtlichen Jagd nach Insekten.

«Natürlich orten die Fledermäuse das Windrad übers Echo der ausgesendeten Ultraschalllaute und werden von den Rotorenblättern nur selten erfasst», sagt Andres Beck, der Fledermaus-Experte des Kantons. «Das Problem ist der Unterdruck, der im Bereich der Windkraftanlage entsteht.» Dieser zerfetzt den Tieren die Lunge. Tote Fledermäuse werden deshalb oft äusserlich unversehrt unter den Windrädern aufgefunden.

Wie viele sind unterwegs?

Die Frage ist nun, ob auf der Nütziweid in Schmiedrued nur selten Fledermäuse unterwegs sind, sodass die Windanlage gebaut werden könnte – oder ob der Hügel ein beliebtes Jagdgebiet ist, was eine Bewilligung verunmöglichen würde. Die Vogelwarte Sempach hat bezüglich Vögel schon grünes Licht für die Anlage gegeben, das Gebiet sei unproblematisch. Ob das auch für Fledermäuse gilt, wird Andres Beck bis im nächsten Sommer für den Windkraft-Projektführer herausfinden. Dass Fledermäuse hier unterwegs sind, sieht Beck bereits jetzt: Der Ultraschall-Detektor, den er hoch oben an einem Mast auf der Wiese festgebunden hat, hat in den letzten Wochen Signale erhalten. Wie viele Tiere es sind, kann Beck erst im nächsten Sommer sagen, wenn er auch aus der Zeit Messdaten hat, in der Fledermausjunge aufgezogen werden.

Rotoren in heikler Zeit ausschalten

Falls das Gebiet vor allem im Herbst zur Paarungszeit viel genutzt wird, bestünde die Möglichkeit, die Rotoren in den heiklen Wochen auszuschalten – oder nur dann laufen zu lassen, wenn der Wind stark bläst. Dann nämlich rentiert die Stromproduktion am meisten und Fledermäuse wie Vögel fliegen kaum.

In Remetschwil wurden ebenfalls Fledermausrufe aufgezeichnet. Da keine grosse Aktivität zu verzeichnen war, könnte diese Anlage – zumindest aus Sicht des Fledermausschutzes – gebaut werden.