Eine fünfköpfige Bande soll in der Rösli-Bar in Menziken Kokain für weit über 100 000 Franken verkauft haben. Am Dienstag und gestern Mittwoch standen vier Personen vor dem Bezirksgericht Kulm, gegen die fünfte wird andernorts ein Verfahren geführt.

Als Kopf der Drogenbande angeklagt war der 27-jährige Luan (Name geändert). Er ist im Kosovo geboren und kam im Kindesalter als Kriegsflüchtling in die Schweiz. Mittlerweile ist er eingebürgert. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm wirft ihm Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerhandlung gegen das Waffengesetz vor – man hatte bei ihm Pistolen gefunden.

Verkäufe in der ganzen Region

Luan soll den Kokainverkauf im oberen Wynental von Ende 2015 bis Anfang 2017 organisiert haben. Laut Anklage fanden Verkäufe in Gontenschwil statt, am Bahnhof Beinwil am See oder in der Eie in Reinach. Hauptumschlagplatz war aber die Rösli-Bar an der Kirchstrasse in Menziken. Täglich seien dort etwa ein Dutzend Portionen Kokain verkauft worden.

Dass in der Rösli-Bar mit Drogen gehandelt wurde, blieb auch Anwohnern nicht verborgen. «Man hat gemerkt, dass Geschäfte gehen», sagte am Dienstag eine Menzikerin, die neben der Bar wohnt, gegenüber dem Regionalsender Tele M1. Hinter dem Haus sei vermehrt geraucht worden. «Ist man dazugekommen, sind sie gleich weggegangen.»

Über 100 000 Franken Gewinn

Laut Staatsanwaltschaft nahm Luan die Bestellungen von Drogensüchtigen entgegen. Zwei Mitangeklagte – ein Albaner und ein Kosovare – haben in seinem Auftrag Kokain portioniert und verkauft, wie TeleM1 berichtet. Dazu hatte Luan sie extra rekrutiert. «Bei der Festnahme hat man rund ein Kilo Kokain und mehrere tausend Franken Bargeld sichergestellt», sagt Simon Burger, leitender Staatsanwalt Zofingen-Kulm, gegenüber Tele M1.

Zudem hätten die Angeklagten zwei Monate vor der Festnahme zwei weitere Kilogramm Kokain verkauft. Insgesamt hätten sie – mit teilweise gestrecktem Kokain – Gewinne von über 100 000 Franken eingenommen.

Für Nachschub aus dem Ausland soll das vierte Bandenmitglied zuständig gewesen sein. Der Mann wird verdächtigt, insgesamt neun Kilo Kokain besorgt zu haben. Laut Anklageschrift kamen Lieferungen in Autos versteckt; in einer Garage in der Region seien die Kokain-Pakete dann aus dem Hyundai und dem BMW wieder ausgebaut worden.

Laut Staatsanwalt Simon Burger habe der Lieferant bei abgehörten Telefongesprächen nur verschlüsselt kommuniziert: «Die Rede war von ‹ich brauche vier Mädchen, aber ohne Flöhe›. Das haben wir interpretiert als ‹vier Kilogramm möglichst reines Kokain›», so Burger.

Die Angeklagten waren zum Teil geständig. Nach ihren Angaben handelte es sich jedoch nur um ein paar hundert Gramm Kokain. Die Staatsanwaltschaft forderte für alle Angeklagten Gefängnisstrafen von bis zu acht Jahren. Luan erhielt als Haupttäter 7 Jahre, die Mitangeklagten drei bis sechs Jahre Freiheitsstrafe aufgebrummt, ausserdem eine zehnjährige Einreisesperre in den Schengen-Raum.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Obergericht weitergezogen werden. Luan ist schon einmal bis vors Bundesgericht gegangen: Er sass seit seiner Festnahme im März 2017 wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr anderthalb Jahre lang in Untersuchungs- und später in Sicherheitshaft. Das Bundesgericht hatte auf Luans Beschwerde hin zu beurteilen, ob diese Haft gerechtfertigt ist. Es wies seine Beschwerde klar ab.