Kölliken
Streit um Erschliessung «Wallenmatt»: Referendumskomitee und Gemeinderat uneinig über Folgen der Abstimmung

Am 25. April stimmen die Kölliker und Köllikerinnen über den Kredit der Erschliessung zur geplanten Überbauung «Wallenmatt »ab. Für die Mitglieder des Referendumskomitee geht es um viel.

Flurina Dünki
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Die Erschliessungsstrasse für die geplante Überbauung "Wallenmatt" in Kölliken ist umstritten. Sie würde auf die Wallenmattstrasse raus, was Anwohner ungünstig finden.

Die Erschliessungsstrasse für die geplante Überbauung "Wallenmatt" in Kölliken ist umstritten. Sie würde auf die Wallenmattstrasse raus, was Anwohner ungünstig finden.

Flurina Dünki / Aargauer Zeitung

Claudia Sommerhalder und Patrick Frei sind erstaunt. Die beiden sind Mitglieder des sechsköpfigen Referendumskomitees, das es geschafft hat, den Gemeindeversammlungsbeschluss über den Kredit zur Erschliessung des Gebiets Wallenmatt an die Urne zu bringen. Falls der Kredit bachab geschickt wird, so hoffen sie, könnte ihr Wunsch einer Erschliessung via Wolfgrubenstrasse (nördlicher Arealabschluss) wieder eine Chance haben. Der Kredit bezieht sich auf die Erschliessung über die Wallenmattstrasse (westlich des Areals). Und sie haben den Bericht eines Ingenieurbüros vor Augen, der vom Gemeinderat in Auftrag gegeben worden war und die Erschliessung zur geplanten Wohnüberbauung mit sieben Wohnhäusern mit Blick auf die Argumentation des Referendumskomitees überprüft hat. Er ist mit den restlichen Abstimmungsunterlagen auf der Gemeindewebseite aufgeschaltet.

Wie viele Erschliessungen sieht der Erschliessungsplan vor?

Die Ingenieure beurteilen darin die verkehrstechnische Erschliessung, wie sie im Erschliessungsplan vorgesehen ist. Dieser existiert bereits seit über 20 Jahren, seit er im November 1999 rechtskräftig wurde. Basis ist ein Sondernutzungsplan früheren Datums. Die ursprüngliche Bauherrin, die Pensionskasse der Jura-Cement-Fabriken AG, verkaufte aber nach mehreren Jahren das Grundstück, statt zu bauen. Neue Eigentümerin ist die Neugut Immobilien und Verwaltungs AG in Dübendorf, die noch zusätzliche Parzellen angrenzend an die Wolfgrubenstrasse kaufte. Und deren Pläne lassen Sommerhalder und Frei ins Staunen kommen: Denn wie der Beurteilungsbericht erwähnt, sieht der Erschliessungsplan zwei Erschliessungen aus der künftigen Tiefgarage mit 125 Parkplätzen vor. Eine auf die Wallenmatt- und eine auf die Wolfgrubenstrasse. Ebenfalls aus dem Bericht ersichtlich: Der aktuelle Bauherr möchte auf die Wolfrubenstrassen-Erschliessung verzichten. So heisst es:

«Die Planung der Wohnüberbauung ‹Wallenmatte› sieht nun statt zwei nur noch einen Anschlusspunkt vor.»

Der Bericht zieht das Fazit, dass die verkehrstechnische Erschliessung der Wohnüberbauung «Wallenmatte» auf die Wallenmattstrasse sinnvoll ist.

Die geplante Erschliessungsstrasse geht von der Tiefgarage auf die Wallenmattstrasse hinaus.

Die geplante Erschliessungsstrasse geht von der Tiefgarage auf die Wallenmattstrasse hinaus.

Zvg / Aargauer Zeitung

Patrick Frei erinnert sich, dass der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung im November einzig über eine einzige Erschliessung sprach: Die über die Wallenmattstrasse. Die Möglichkeit, dass die Überbauung von beiden Seiten erschlossen wird, macht ihn nur halb zufrieden. Er möchte die Wallenmatt-Ausfahrt am liebsten ganz vom Tisch haben. Frei, der einst Anwohner war und jetzt an der Schönenwerderstrasse wohnt, kämpft seit längerem gegen eine Garagenausfahrt auf die Wallenmattstrasse an. Bereits im Jahr 2015 eine Petition lanciert hatte, um eine Erschliessung über die Wolfgrubenstrasse zu erreichen.

Die Gründe, warum sie die Erschliessung nicht auf die Wallenmattstrasse hinaus wollen, sind bekannt. Sie werden, seit es den Sondernutzungsplan gibt, von Anwohnern regelmässig an die Öffentlichkeit gebracht:

«Die Wallenmattstrasse ist der Schulweg vieler Kinder und mit der Überbauung könnten es 100 mehr sein. Wenn dereinst auch 125 Autos mehr über diese Strasse Richtung Schönenwerderstrasse fahren, wird das sehr gefährlich»,

sagt Claudia Sommerhalder. Die Einmündung in die Schönenwerderstrasse sei sehr unübersichtlich. Bei einer Ausfahrt über die Wolfgrubenstrasse, fährt sie fort, würde kein Schulweg tangiert und der Weg zur Hauptstrasse sei ohnehin viel kürzer. Deshalb, sind sich die Mitglieder des Referendumskomitees einig, würden Autofahrer ohnehin den Weg Wallenmattstrasse-Wolfgrubenstrasse-Hauptstrasse nehmen und nicht die Route über die Schönenwerderstrasse, wie es der Gemeinderat vorhersage.

Breiter, aber mit Parkfeldern

Das Komitee gibt jedoch zu, dass es auch in der Wolfgrubenstrasse, die nicht durchgehend über ein Trottoir verfügt, Fussgänger gibt. Und sie ist schmal, während sich in der Wallenmattstrasse die Autos besser kreuzen können. Letzteres jedoch nur, «wenn sämtliche Parkfelder in der Strasse eliminiert würden», sagt Patrick Frei.

Auch der Gemeinderat schreibt in den Abstimmungsunterlagen: «Die Wallenmattstrasse weist die erforderlichen Strassenbreiten für die Erschliessungsfunktion aus. Der Ausbaustandard der Wolfgrubenstrassen ist 0.5 bis 1 Meter schmäler.» Gemäss dem Gemeinderat berücksichtigt die Erschliessung auf die Wallenmattstrasse zukunftsgerichtete Projekte wie Schul- und Fusswegsicherheit. Zur Distanz zur Hauptstrasse sagt Ammann Mario Schegner: «Es stimmt, dass man von einer Erschliessung Wolfgrubenstrasse gen Osten schnell in der Hauptstrasse ist. Dafür ist die Fahrt Richtung Schönenwerderstrasse aber länger.»

Darüber, welche Konsequenzen eine Ablehnung des Kredits am 25. April hätte, gehen die Meinungen auseinander. Der Gemeinderat weist in den Abstimmungsunterlagen darauf hin, dass der Bauherr die Erschliessungskosten von 505'000 Franken einfach selber zahlen könnte, also auch den Gemeindeanteil von etwa 100'000 Franken. Den Paragraphen im Baugesetz, der besagt, dass ein Bauherr im Rahmen eines Sondernutzungsplanes mit Bewilligung des Gemeinderates eine Erschliessung auf eigene Kosten erstellen kann, kennt auch Patrick Frei.

«Dort steht aber auch, dass der Bewilligung keine überwiegenden Interessen entgegenstehen dürfen. Ein Nein an der Urne müsste doch als überwiegendes Interesse gelten.»

Die Abstimmung vom 25. April ist nicht das einzige Hindernis, das die 77 geplanten Wohnungen noch nehmen müssen. Gegen die Baubewilligung wurde Beschwerde erhoben, nun ist der Gemeinderat Partei in einem Gerichtsverfahren. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, äussert er sich nicht dazu.