Schrieb der Gemeinderat Ende Februar noch davon, die Option eines Verkaufs näher zu prüfen, so hat er sich nun zusammen mit dem EWK-Verwaltungsrat zur Veräusserung entschieden. Dies teilt Christoph Müller, FDP-Gemeinderat und Verwaltungsratsmitglied der EWK Energie AG, auf Anfrage mit. Anfang März hat die Gemeinde ausgewählte Energieversorger zwecks Offerteneingabe angeschrieben.

Energiewende als Kostenfaktor

Hauptgrund der Verkaufsstimmung sind die administrativen und technischen Herausforderungen, die die Gemeinde mit der Energiewende und künftigen Regelungen auf Betreiber von Stromversorgungsnetzen zukommen sieht. «Wir erwarten, dass die Produktion und die Stromversorgung komplexer werden, wodurch die technischen und administrativen Kosten deutlich ansteigen würden», sagt Müller.

Unter diesen Umständen werde es schwieriger, die Ertragserwartungen der Einwohnergemeinde als Eigentümerin des EWK zu erfüllen. Dass die Anforderungen an Stromversorgungsnetze und dadurch deren Betreiber mit der Energiewende steigen werden, bestätigt Sandro Pfammatter vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE).

Durch den Ausbau erneuerbarer Energien würde in Zukunft mehr dezentral produzierter Strom in die Netze eingespeist. Da der Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet sei, den Strom ohne Einspeisevergütung ins Netzgebiet aufzunehmen, würden Vergütungskosten wie auch administrativer Aufwand steigen.

Umwandlung in Aktiengesellschaft

Seit Oktober 2009 ist das gemeindeeigene Elektrizitätswerk als Aktiengesellschaft organisiert, deren Aktionäre zu 100 Prozent die Einwohner Köllikens sind. Ziel der Umwandlung sei nicht ein Verkauf des EWK, liess die Gemeinde damals verlauten.

Man habe damals gewusst, dass neue Prozesse und Kosten auf das EWK zukommen würden, sagt Christoph Müller heute. Nur habe man den Umfang der Kosten und deren Einfluss auf die Berechnung der Strompreise 2009 mangels Vergleiche nicht abschätzen können. «Die ganze Branche stand am Anfang eines neuen Stromzeitalters. Heute kennt man die Auswirkungen und kann die Entwicklung besser abschätzen.»

Erst 2015 wurde gemäss Geschäftsbericht die Aktionärs- und Unternehmensstrategie verabschiedet, die Gemeinde Kölliken langfristig als alleinige Aktionärin vorsah. Wie kam es zu diesem raschen Gesinnungswandel? Der Entscheid sei zum damaligen Zeitpunkt wichtig und richtig gewesen, sagt Müller.

Seither hätten aber Diskussionen zwischen Gemeinderat und EMK-Verwaltungsrat, unter anderem über unternehmerische Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten, zu einer neuen Lagebeurteilung geführt. Längerfristig nütze ein Verkauf dem Dorf mehr. «Das Elektrizitätswerk steht nach wie vor wirtschaftlich gut da. Ein Verkauf ist aktuell nicht dringend», so Müller. Verkauft werden solle aber zu einem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen gesund und für einen Käufer interessant sei.

Die ersten Reaktionen von potenziellen Käufern des EWK sind gemäss Müller positiv. Gesucht werde ein Käufer, der zum EWK und der Gemeinde passt und mit dem sich die Kölliker identifizieren können, indem er die bisherige Strategie und Philosophie mittrage. Ansonsten – und hier seien sich alle Beteiligten einig – werde das Geschäft einen schweren Stand haben.