Schöftland
Kissenschlacht mitten auf der Wiese: Kunst nutzt Natur für Performance

Beim 2. Internationalen Performanceartfestival bekamen die Besucher schon auf dem Weg zum Gelände einen Vorgeschmack auf die Künstler. Acht Künstler präsentierteder mobile Kunstraum FWD im Königreich Noseland.

Sibylle Haltiner
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Kunst nutzt Natur für Performance
11 Bilder
Nicht als Baum, sondern als Geschichte werden die Dinge wachsen, die Dipyaman Kar vergraben hat
Nesa Gschwend liess in ihrer Performance Farbe zirkulieren
Mit viel Kraft nahm Aleks Wojtulewicz seine Performance in Angriff
Nach Nesa Gschwends Performance blieben leere Kübel und Farbe auf dem Tuch übrig
Mit kräftigen Bewegungen schaufelte Dipyaman Kar Löcher für die vergrabene Geschichte
Manuela Macco aus Italien zog einen Faden über die Wiese
Manchmal wird auch etwas verschüttet
Manuela Macco aus Italien ass im zusammengesteckten Kleid den Faden
Aleks Wojtulewicz in Konzentration vor dem nächsten Schlag
König Bruno von Noseland beobachtet eine Performance

Kunst nutzt Natur für Performance

AZ

Bereits beim Anmarsch zum Königreich Noseland, einer Wiese in einem Seitentälchen bei Schöftland, bekamen die Besucher des 2. Internationalen Performanceartfestivals einen Vorgeschmack auf die Vorführungen der Künstler: Eine schwarz gekleidete Frau lag neben einem grossen Tuch und vier Kübeln auf dem Boden, am Waldrand stand bewegungslos eine weitere Frau mit einem weissen Kleid.

Auf der Wiese statt in der Fabrik

Der mobile Kunstraum FWD präsentiert regelmässig Künstler an unterschiedlichen Orten. Bruno Schlatter, «König Bruno der Erste und Letzte von Noseland» meinte: «Performances finden ja sonst eher in Fabrikhallen statt. Die Auseinandersetzung mit der Wiese und der Naturkulisse ist deshalb ganz speziell.»

Als Besonderheit von Noseland sieht er die Einfachheit. «Auch ohne Tribüne kann man ein Festival durchführen.» Auf kulinarische Köstlichkeiten mussten die Künstler und Zuschauer dennoch nicht verzichten. Neben dem obligaten Käse gab es Salat und Wähen.

Dominik Lipp, Mitinitiator von FWD und selbst auch Performancekünstler, erklärte: «Es ist toll für die Künstler, wenn sie draussen auftreten können.» Der mobile Kunstraum FWD – für forward – spule sich immer wieder an andere Orte hin, ergänzte er.

Den Anfang des 2. Performanceartfestivals machte Manuela Macco aus Turin. Unbeweglich stand sie in der Wiese, ein weisses Kleid vor sich, ein Faden spannte sich vom Gras in ihren Mund. Vor den Zuschauern lag eine Kette aus Zetteln im Gras.

«Thread piece» – Fadenstück – stand auf jedem von ihnen. Danach steckte sich die Künstlerin das Kleid, das aus zwei einzelnen Stücken bestand, zusammen. Mit aufreizender Langsamkeit befestigte sie Nadel um Nadel, die sie aus dem Stoff zog, und fügte so die Einzelteile zu einem Kleid zusammen.

Anschliessend ass sie den Faden auf und zog zum Schluss einen neuen über die Wiese. Die Vorstellung beeindruckte durch ihre absolute Ruhe.

Zirkulation und Kissenschlacht

Anders die Performance von Nesa Gschwend aus Niederlenz. Zuerst lag die Künstlerin ganz entspannt neben einer Plache und vier Kübeln.

Danach begann sie, rote Farbe von einem Kessel in den andern zu schütten. Manchmal sorgfältig, manchmal hektisch, so dass die Farbe auch auf das Tuch floss. Am Schluss war alle Farbe verschüttet, es blieben leere Kübel auf einem farbigen Untergrund. «Circulation», Zirkulation, hiess die Performance. «Es ist ein Eintritt in einen Prozess», erklärte die Künstlerin.

«Sie lässt den Schluss offen, jeder hat die Möglichkeit, sich eigene Bilder zu machen.»

Viel Action bot der Auftritt von Eveline Blum und Martina Maurer. Sie nutzten die Lokalität von Noseland besonders gut. Aus gegenüberliegenden Waldstücken verständigten sie sich zuerst mit Klopfzeichen, anschliessend trafen sie sich, mit Kissen bewaffnet, auf der Wiese und es flogen die Federn.

«Frau Holle passt ins Königreich», erklärte die Luzernerin Eveline Blum. «Wir nehmen das Land ein und schütteln alles ab. Am Schluss gewinnt niemand, aber das Federvieh stirbt.»

Auch der Inder Dipyaman Kar, der zurzeit in Aarau im Gastatelier Krone lebt, trat in Noseland auf. Er vergrub verschiedene Gegenstände, Bierflaschen, Scherben, Briefe, die hernach nicht als Baum, sondern als Geschichte wachsen und aus der Erde treten sollen.