Es waren weder die farbigen Scheiben noch das auffällige Spitzdach, das Eduard Maurer dazu bewog, eine Kirche zu kaufen. Nein, der Grund war ein anderer, ein geradezu profaner: «Es war schlicht die gute Lage», sagt der Oberkulmer, der die ehemalige Neuapostolische Kirche in Unterkulm zu seinem neuen Daheim machen will. Hinzu komme, dass das Grundstück über interessante Baulandreserven verfüge. Diese will er respektive die Firma Alvar Architektur AG, die von Sohn Marcel Maurer geführt wird, später überbauen. In welcher Form ist noch unklar.

Ein solides Gebäude

Doch zurück in die Kirche. An der Ostwand des Sakralraums ist noch schemenhaft zu erkennen, wo einst das Kreuz mit den Strahlen und den Wellen hing. Die Vorgänger hatten ihr Emblem vor dem Verkauf abgehängt, doch das Zeichen hat in all den Jahren Spuren auf dem weissen Putz hinterlassen. Der Altar steht noch irgendwo zwischen Leitern und Gerüst, sein Schicksal ist ungewiss. An Wänden und Decke klaffen Löcher, Isoliermaterial guckt hervor. Die Fachleute haben hinter Brettern und Verputz die Bausubstanz untersucht. «Ein solides Gebäude», sagt Marcel Maurer, der den Umbau leitet. Das Baugesuch dazu liegt derzeit öffentlich auf. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1969, seit gut einem Jahr steht sie leer. Der letzte Gottesdienst wurde Ende Juni 2015 gefeiert, die Neuapostolische Kirchgemeinde in Unterkulm geschlossen.

Nach den Umbauarbeiten wird nicht mehr viel an die einstige Kirche erinnern. Einzig die Grundmauern und das Kellergeschoss bleiben bestehen. Das Spitzdach kommt weg, über dem Saal ist ein zweites Geschoss mit einer 4,5-Zimmer-Wohnung geplant. Auch die farbigen Fenster werden verschwinden. Sie sind, weil aus einschichtigem Kunststoff, für eine Wohnbaute nach heutigem Standard «schlicht unbrauchbar», wie Marcel Maurer sagt. Vielleicht finden sie später irgendwo inwendig «eine Verwendung als Trennwand oder so», denkt Vater Eduard Maurer laut. Auch das stählerne Tor, das vorgibt aus Kupfer zu sein, wird er nicht in sein neues Haus integrieren.

Saal wird zur Töffliwerkstatt

Der grosse Sakralraum eignet sich hervorragend als künftiger Hobbyraum. Vater Eduard Maurer ist nämlich ein passionierter Bastler. Er liebt es, alte motorisierte Zweiräder auf Vordermann zu bringen. Velotöffli ecken wohl nicht an.

Aber nicht jede Aktivität ist dem neuen Eigentümer der einstigen Kirche gestattet. Er darf das Gebäude nämlich weder anderen religiösen Vereinigungen zur Verfügung stellen, noch verkaufen und auch nicht für irgendwelche unmoralisch Zwecke nutzen. So ist es im Kaufvertrag festgehalten.

Aber das hat Eduard Maurer auch nicht vor. Das Haus soll, mit seiner guten Lage neben Bahnhof und Einkaufsmöglichkeiten, Alterswohnsitz für ihn und seine Frau werden. Und es bietet wohl genug Platz für die fünf Enkelkinder, um sich auszutoben und mit dem Grossvater an den Mofas herumzuschrauben.