Eine grosse Schiebetüre ist es, die den Kooperativen Kindergarten ermöglicht. Arbeitet die Abteilung des Regelkindergartens mit dem Heilpädagogischen Kindergarten der Stiftung Schürmatt zusammen, steht die Tür offen. Dann sind beide Räume des Doppelkindergartens miteinander verbunden.

Werden die Abteilungen alleine unterrichtet, ist die Tür geschlossen. So gibt es Spielraum für mehr oder weniger gemeinsamen Unterricht. «Genau diese Möglichkeit, je nach Situation zusammenzuarbeiten, macht den Kooperativen Kindergarten aus», sagt der Holziker Schulleiter Richard Suter. So könne der Unterricht auf die Kinder abgestimmt werden, rund die Hälfte finde gemeinsam statt.

Zuerst überwog die Skepsis

Der heilpädagogische Kindergarten der Stiftung Schürmatt wird von einer Heilpädagogin geführt. Er richtet sich an vier- bis achtjährige Kinder, bei denen eine Entwicklungsauffälligkeit oder eine Behinderung vorliegt.

Vor fast elf Jahren wurden in Gontenschwil und in Holziken jeweils ein Kooperativer Kindergarten eröffnet – gestern wurde das 10-Jahr-Jubiläum in Holziken gefeiert.

«Vonseiten der Bevölkerung war am Anfang eine gewisse Skepsis da», sagt Suter. Viele Eltern hätten befürchtet, dass sich der Kooperative Kindergarten negativ auf das Vorwärtskommen ihres Kindes auswirken könnte. «Wir mussten sie vom Gegenteil überzeugen, was aber relativ rasch gelang», sagt Richard Suter.

Für Suter gibt es ganz klar nur Vorteile: «Die Kinder lernen, auf Kindergartenstufe mit Kindern mit speziellen Bedürfnissen umzugehen. Das stärkt sie in ihrer Sozialkompetenz für die Zukunft.»

Auch Werner Sprenger, der Direktor der Stiftung Schürmatt sagt: «Der Kooperative Kindergarten ermöglicht es Kindern mit einer Behinderung, an einer möglichst normalen Welt teilzunehmen.» Die Kinder des Regelkindergartens können von diesem Kontakt ebenfalls profitieren.

Suter hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Kooperation auch auf das spätere Schulleben positiv auswirke. Er habe das Gefühl, dass das Konfliktpotenzial auf dem Schulhausplatz geringer sei. Ob das eine Auswirkung des Kooperativen Kindergartens sei, lasse sich nicht beweisen. Dank der Kooperation könne in Holziken ein Mittagstisch angeboten werden, den auch die Holziker Schüler benutzen könnten.

Vor zehn Jahren hatte es in Holziken beinahe zu wenig Kinder für den Regelkindergarten, mittlerweile sind es so viele, dass ein neuer Regelkindergarten geschaffen werden musste. Und auch die Plätze im Kooperativen Kindergarten sind begehrt. «Viele Eltern wünschen, dass ihr Kind in den Kooperativen Kindergarten kommt – alle Wünsche können wir aber nicht erfüllen», sagt Suter.

Der Kooperative Kindergarten sei ein Modell, das sich in der Praxis bewährt und bei externen Beurteilungen jeweils sehr gute Noten erhalten habe, heisst es beim kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS).

«Das Departement unterstützt die Weiterführung und -entwicklung des Konzepts ‹Kooperativer Kindergarten› und sieht auch für andere Trägerschaften und Gemeinden durchaus Potenzial für dieses eigentliche Erfolgsmodell.»

Neue Räume sind geplant

Neben Gontenschwil und Holziken gibt es auch in Aarau Rohr einen Kooperativen Kindergarten. «Im Raum Aarau klären wir ab, ob ein vierter Kooperativer Kindergarten möglich ist. Momentan sind es aber erst Vorabklärungen», sagt Sprenger.

Die Gemeinde arbeitet nun ein Projekt für einen Schulhausneubau aus, auch die drei Kindergartenräume sollen dort untergebracht werden. Vorgesehen ist, dass sich die Schürmatt in einem Raum einmietet, damit so der Kooperative Kindergarten weitergeführt werden kann.

«Wir sind gewillt, dass die Zusammenarbeit weitergeht», sagt Suter. Eine Absichtserklärung von der Schürmatt sei unterschrieben. Das bestätigt auch Werner Sprenger. Man wolle ganz klar am Standort Holziken festhalten.