Reitnau/Staffelbach

Keine Drogen und Zigaretten? Die heile Welt auf dem Lande täuscht

Die 200 Schüler der Oberstufe Reitnau/Staffelbach mussten am Referat über Suchtmittel teilnehmen und machten sich eifrig Notizen.ZH

Die 200 Schüler der Oberstufe Reitnau/Staffelbach mussten am Referat über Suchtmittel teilnehmen und machten sich eifrig Notizen.ZH

Auch auf dem Lande gibt es Probleme. Am Themenapéro zu Suchtmitteln in der Schule Reitnau lernten Schüler, warum sie weder Zigaretten noch Drogen brauchen.

Die Schulleiterin Susan Hedinger redete Klartext am ersten Themenapéro über Suchtmittel an der Schule Reitnau: «Man möchte gerne glauben, dass in ländlichen Gemeinden wie Staffelbach und Reitnau eine heile Welt vorherrsche», sagte sie und schob gleich nach, «aber auch hier bei uns werden Suchtmittel konsumiert, Gewalt über andere ausgeübt und Schulden gemacht.» Man könne die Augen nicht vor der Wahrheit verschliessen. «Es ist eine Tatsache, dass das obere Suhrental die gleichen Probleme hat wie andere Schulen anderswo auch.»

Experimentieren ist gut

Ihre Zuhörer waren nicht bloss interessierte Eltern. Alle Schüler nahmen an der Veranstaltung am Mittwochnachmittag teil – sie mussten. Als Schulleiterin stellt Susan Hedinger fest, dass Themen wie Suchtmittel, Gewalt, Schulden oder Umgang mit neuen Medien bei den Jugendlichen aktuell sind. In klasseninternen Projektarbeiten konnten in den letzten Monaten diverse Themen detailliert aufgegriffen werden. Betroffen erzählte sie: «Erschreckend ist, was die Jugendlichen erzählen oder teilweise bereits selbst erlebt haben.»

Mit Gastreferent Mark Bachofen von der Suchtprävention Aargau erarbeitet Susan Hedinger den ersten Themenapéro «Suchtmittel». Zum Trinken gab es keinen Wein, dafür Eistee. Mit kurzen Filmsequenzen über den Zigaretten-, Alkohol- und Cannabiskonsum wurden die Schüler in die Problematik eingeführt. Die beiden Referenten diskutierten lebhaft über die drei Suchtmittel und auch darüber, warum man überhaupt zu Suchtmitteln greift und wie man Sucht vorbeugt.

Sie taten das keineswegs mit erhobenem Zeigefinger. «Heute möchte ich nicht darüber sprechen, wie gefährlich Suchtmittel sein können, denn Angstmacherei hat noch niemanden vor Dummheiten abgehalten», sagt Mark Bachofen zur jungen Zuhörerschaft. Lieber erklärt er, warum man zu Suchtmitteln greift und wie man Gegensteuer geben kann. Er erzählte deshalb, dass Menschen oft aus Unsicherheiten, Abgrenzung und dem Wunsch nach Zugehörigkeit Zigaretten, Alkohol oder Drogen konsumieren. «Experimentieren ist eine wichtige Aufgabe von Jugendlichen», hielt Bachofen fest, «aber muss dies auf Kosten der Gesundheit sein?» Jeder soll sich die Fragen stellen «Wer bin ich?», «Wer will ich sein?» und «Was macht mich speziell?».

Mit Rauchen bluffen

Nach der Veranstaltung vertieften die Schüler das gehörte in kleinen Gruppen von maximal zehn Schülern und einem Erwachsenen. Dabei sprachen sie auch über ihre eigenen Erfahrungen, über Risiken und Gefahren.

Mit Suchtmitteln experimentiert haben bereits einige der Oberstufenschüler. Regelmässigen Konsum von Tabak, Alkohol oder Cannabis heisst aber der Grossteil der Jugendlichen nicht gut. Interessant waren auch die wenigen Stimmen, von vorwiegend männlichen Schülern, die sich mit ihren Tabak-, Wasserpfeifen- und Alkoholerfahrungen schon fast brüsteten. Die Sekundarschülerin Svenja erzählte, dass auch sie mit dem Rauchen experimentiert habe. «In der Zwischenzeit habe ich aber wieder aufgehört. Ich kaufe mir von dem Geld viel lieber neue Schuhe.» Schulleiterin Susan Hedinger war zufrieden mit der Veranstaltung. Sie freut sich bereits auf den nächsten Themenapéro. Der wird sich mit Schulden auseinandersetzen und im Mai stattfinden.

Mehr Informationen www.sucht-info.ch und ww.tschau.ch

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