Das Bezirksgericht Kulm hat es sich nicht leicht gemacht mit dem Urteil in Sachen Drita gegen Arben (Namen geändert). Aussage stand gegen Aussage. Hat Arben seine 10 Jahre jüngere Cousine Drita in den Jahren 1996 und 1997 mehrfach vergewaltigt? Zeugen gibt es keine. Ein Geständnis ebensowenig. Dennoch ist das Gericht einstimmig zum Schluss gekommen, dass die Aussagen von Drita, zur Tatzeit 9-jährig, glaubwürdiger sind als jene ihres Cousins. Der habe tendenziell versucht, das Opfer in ein schlechtes Licht zu rücken. Auch habe er frühere Aussagen abgeschwächt, was die Zahl der Aufenthalte Dritas in Arbens Zimmer betrifft.

Ganze Familie betroffen

Demgegenüber habe Drita die Vorkommnisse der Jahre 96/97 «im Wesentlichen immer gleich geschildert». Zwar gebe es auch da Fragezeichen. Warum hat sie nicht 2004, als Drita erstmals die Vorwürfe erhoben hat, Anzeige gemacht? Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny erklärt dies mit dem kulturellen Hintergrund: «Die ganze Familie ist betroffen, bis in ihre Heimat.» Eine Erklärung für die fehlende Jungfräulichkeit bei der Eheschliessung mit 18 – für Arben ein mögliches Motiv, ihn zu beschuldigen – hätte Drita gemäss Gericht einfacher haben können als dadurch, den Cousin vor Gericht zu ziehen und den Familienfrieden zu riskieren.

Gute Prognose

Das Gericht sprach Arben der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und der mehrfachen Vergewaltigung schuldig. Zwar habe er vor 20 Jahren über längere Zeit ein Vertrauensverhältnis ausgenützt zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, doch es gebe auch strafmildernde Faktoren: keine Vorstrafen, guter Leumund, zuverlässiger Arbeitnehmer, intakte Familie. Das Gericht stellt Arben eine gute Prognose.

Das Urteil: Drei Jahre Gefängnis, ein Jahr unbedingt, zwei Jahre bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren. Im Vollzug der unbedingten Gefängnisstrafe könne eine erleichtere Form der Haft – Halbgefangenschaft – geprüft werden. «Das Urteil soll die Familie nicht in den Abgrund stossen», sagte Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs gestern bei der Urteilsverkündung. Arben muss seiner Cousine eine Genugtuungssumme von 25 000 Franken mit 5 Prozent Zins ab dem 1. Januar 1998 bezahlen. Er wird nicht in Sicherheitshaft genommen: Die Familie mit den drei Kindern sei hier verwurzelt. Die Aufenthaltsbewilligung werde aber vom Migrationsamt geprüft. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.