Ein 44-jähriger Aargauer soll vor rund vier Jahren nach Deutschland gereist sein und dort einen 15-jährigen Jungen missbraucht haben. Der Jugendliche wurde von einem Pädophilenring mit Nacktbildern erpresst und auf Internetseiten feilgeboten. Im Sommer 2015 hoben deutsche Ermittler den Ring aus und kamen so auch dem Mann aus dem Aargau auf die Spur (AZ vom Montag). Inzwischen hat die Aargauer Staatsanwaltschaft den Fall übernommen. Bei der Hausdurchsuchung, welche die Aargauer rechtshilfeweise durchgeführt hatten, «erhärtete sich der Verdacht, dass sich der Beschuldigte auch in der Schweiz strafbar gemacht haben könnte», sagt Sprecherin Fiona Strebel.

Wie Recherchen zeigen, war der Beschuldigte 2015 Schulsozialarbeiter an der Kreisschule Mittleres Wynental, dem Schulverband der Gemeinden Teufenthal, Unterkulm und Oberkulm. Seinen ersten Arbeitstag hatte er im Mai 2013. Christine Hächler, Präsidentin der Kreisschulpflege, sagt, man habe sich damals für ihn entschieden, «weil er für die Stelle gut geeignet war». Sie habe ihn als «souveränen, korrekten und engagierten Mitarbeiter» erlebt. Die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleitung hätten ihn geschätzt. «Es gab keinen Hinweis auf ein Doppelleben.» Deshalb sei sie schon «sehr überrascht» gewesen, als sie von den Vorwürfen erfuhr. Den sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen, der dem ehemaligen Mitarbeiter vorgeworfen wird, verurteilen Schulpflege und Schulleitung «aufs Härteste», sagt Hächler.

Den Verantwortlichen der Schule sind die Vorwürfe seit Herbst 2016 bekannt. «Die Staatsanwaltschaft hat uns damals kontaktiert», sagt Christine Hächler. «Wir haben dann die verlangten Akten und Unterlagen eingereicht.» Zudem habe es ein Gespräch zwischen Staatsanwaltschaft und Schulpflege gegeben. Im Herbst 2016 war der Beschuldigte bereits nicht mehr als Schulsozialarbeiter tätig. Er hatte gekündigt. Seine Nachfolgerin trat die Stelle im Oktober 2015 an.

Schule musste schweigen

Die Eltern sowie die Schülerinnen und Schüler haben vom laufenden Verfahren gegen den ehemaligen Schulsozialarbeiter nie erfahren. «Wir haben damals von der Staatsanwaltschaft Stillschweigen auferlegt bekommen», sagt Christine Hächler. Nun, da der Fall öffentlich und in der Presse sei, würden sie sich aber überlegen, wie sie die Eltern informieren können.
Das Untersuchungsverfahren der Aargauer Staatsanwaltschaft ist noch hängig. Sie ermittelt unter anderem wegen sexueller Handlungen mit einem Kind, wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt und wegen Pornografie, wie Sprecherin Fiona Strebel sagt. Das Verfahren sei weit fortgeschritten und sollte demnächst zum Abschluss kommen. Für den 44-jährigen Aargauer hatte es bereits Konsequenzen. Sein aktueller Arbeitgeber, die Aargauer Caritas, hat ihn nach den Medienberichten per sofort freigestellt.

Aargauer Sozialarbeiter missbraucht 15-Jährigen

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Ein 44- Jähriger bezahlte in Deutschland einen minderjährigen Teenager für Sex. Der Aargauer arbeitete bei der Caritas im Bezirk Bremgarten.