Zetzwil

Kawasakis und Hondas wo eben noch Weizen reifte

Wer sich von der Ideallinie abdrängen lässt, hat verloren: 200 Rennfahrer unterhielten die Zuschauer mit spannenden Positionskämpfen.

Wer sich von der Ideallinie abdrängen lässt, hat verloren: 200 Rennfahrer unterhielten die Zuschauer mit spannenden Positionskämpfen.

Rund 2500 Motorsportinteressierte besuchten die Läufe der MXRS-Motocross-Meisterschaft. Die beiden Organisatoren hatten alle Hände voll zu tun und waren froh um die zahlreichen Helfer und Helferinnen. 200 «Biker» reisten an.

Ruedi Kasper stellt den Platz zur Verfügung und führt die Festwirtschaft, Christian Chanton verantwortet den sportlichen Teil. Doch ohne zahlreiche Helferinnen und Helfer kämen 200 Rennfahrer nicht zu einem regulären Rennen und die Besucher nicht zu Schweinssteak und Hörnlisalat.

Die MXRS-Meisterschaft ist ein Kind des Christian Chanton aus Luterbach im Kanton Solothurn. Auf seinem roten Quad ist er stets auf Achse, und eben ist er in den Trax gestiegen und hat die «Schanze» vor der Festwirtschaft wieder präpariert. Seit einem Töff-Unfall sitzt er im Rollstuhl. Oder eben im Quad, jenem vierrädrigen Gefährt mit guter Federung und ohne Dach. Diese Kategorie eröffnete die Rennen am Samstag. Chantons Töchter Amelie und Laura machen die Eintrittskontrolle, derweil Ehefrau Brigitte im Rennbüro am Laptop Buch führt und Ranglisten ausdruckt. Ein Familienunternehmen also. Und Christian Chanton macht von de

Keiner zu klein

Es geht um etwas in Zetzwil. Dem 11-jährigen Jan Achermann aus Willisau ist das Training nicht nach Wunsch geglückt. Er verdrückt Tränen unter seinem Helm, ist enttäuscht. Vater Bruno redet ihm zu, versucht ihn aufzubauen. «Er fuhr etwas zu vorsichtig», sagt er, «was ja nicht immer schlecht ist.» Jan fährt das erste Jahr Motocross.

Da ist der gleichaltrige Oliver Mähr aus Feldkirch schon etwas weiter. «Das Töfffahren macht Spass», sagt der junge Österreicher. Kunststück: An der Weltmeisterschaft hat er den 8. Platz geholt. Mit seinen Grosseltern reist er durch halb Europa an die Rennen. Seine Leistung im ersten Training? «Ich weiss nicht so recht.»

Mit dem Elektrovelo gekommen

Martin Gautschi, 76, aus Oberkulm, ist mit dem Elektrovelo nach Zetzwil gefahren. «Wenn in der Nähe etwas los ist, gehe ich hin, echli go luege», sagt der Rentner. Um die 2500 Personen locken die Motocrossrennen jeweils nach Zetzwil. Seit sechs Jahren führt Ruedi Kasper Regie: Er sorgt für das Land, den Festbetrieb, die Werbung. Er war selber Töff-Fahrer; nun macht sein Sohn mit. Wo eben noch der Weizen reifte, kämpfen nun Rennfahrer erbittert um Positionen.

Talseits, in der «Chräbsmatt», wird auch nächstes Jahr gefahren, und nicht im «Wuest» wie die letzten Jahre. «Das Problem ist der Platz», sagt Kasper. Es geht nicht bloss um die Piste. Die Fahrzeuge der Fahrer und die Zuschauer brauchen vier Hektaren Platz. Dazu kommt die Fruchtfolge: Nächstes Jahr baut er hier Gerste und Eiweisserbsen an, bevor wieder Suzuki, Honda und Co. dem Bratwurstduft aus der Festwirtschaft Konkurrenz machen werden.

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