Muhen

Karton und Papier AG baut ihr eigenes Reservoir: «Mit der neuen Anlage können wir neue Produkte anbieten»

Die Karton und Papier AG in Muhen plant eine neue Halle – und hat für die Zukunft grössere Entwicklungspläne für ihr Areal.

Das Schächtelchen des Gesichtspuders, der Saftkarton oder die Schachtel, in der man die Wodkaflasche kauft: Sie sind Produkte der sogenannten Kartonveredlung. Und alle könnten sie in der Müheler Firma Karton und Papier AG (KAPAG) hergestellt worden sein.

Über eine Fläche von neun Fussballfeldern (50 000 Quadratmeter) erstreckt sich das Areal im Dreieck von A1 und Suhre. Die 1852 gegründete Firma ist heute eine der führenden Herstellerinnen von Papier- und Kartonkaschierung in Europa. Die Technologie für ihre Maschinen entwickelt sie selber.

Ein Dutzend Produktions- und Verarbeitungsmaschinen stehen in den KAPAG-Hallen. Bald soll die 13. hinzukommen. Da es sich bei einer Beschichtungs- und Kaschieranlage aber um eine Maschine von 45 Metern Länge handelt, muss die Firma zuerst die Halle für ihre Neuanschaffung bauen. Der 2600-Quadratmeter-Anbau soll westlich an die heutigen Hallen anschliessen. Das Baugesuch liegt momentan öffentlich auf.

Reinigung mit Regenwasser

Vier Millionen Franken steckt das KMU, das aktuell 50 Mitarbeitende beschäftigt, in sein jüngstes Projekt. Darin enthalten sind eine Photovoltaikanlage und ein unterirdischer Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 400 Kubikmeter.

«Für die täglich teils mehrfache Reinigung unserer Hauptmaschinen benötigen wir mehrere tausend Kubikmeter Wasser pro Jahr», sagt Alexander Meyer (56), Inhaber und Geschäftsführer der KAPAG. Künftig würde das im Tank gesammelte und anschliessend gefilterte Regenwasser als Reinigungswasser dienen. Schon jetzt verbraucht seine Firma zu 90 Prozent CO2-neutrale Energie.

Branche unter Druck

Die digitalen Medien haben der Papier- und Kartonbranche arg zugesetzt in den letzten Jahren. Der Markt ist am Schrumpfen, frühere Abnehmer von beschichtetem Papier stellen auf digitale Lösungen um. Weshalb investiert die KAPAG in diesen Zeiten in die Produktion? «Mit der neuen Anlage können wir neue Produkte anbieten», so Meyer. Seine Firma rechne nicht damit, dass für bestehende Geschäftsfelder mehr produziert werden könne. Der Ausweg besteht folglich in der Verbreiterung der Produktepalette.

Die neue Anlage sei zum Beispiel fähig, noch leichtere Papiere als bisher zu beschichten und zu kaschieren oder Lebensmittel-Verpackungen mit Spezialbeschichtungen zu versehen. Zudem seien mit einer zusätzlichen Anlage kürzere Lieferzeiten möglich. «Die Abnehmer müssen so nicht mehr aus Liefertermingründen bei der Konkurrenz einkaufen», sagt Meyer.

Neue, innovative Produkte sorgten schon in der Vergangenheit dafür, dass die KAPAG ihre Stellung im Markt sichern konnte. Während der Schweizer Heimmarkt in den letzten Jahren drastisch gesunken ist, gelang es dem Müheler Traditionsunternehmen, seinen Export auszubauen.

Verkehrssituation unbefriedigend

Auch für die Gemeinde Muhen hat die KAPAG hohen Stellenwert. So hat sie im Vorfeld zur Nutzungsplanungsrevision 2016 dem Wunsch der KAPAG nach einem direkten Anschluss an die Suhrentalstrasse Priorität eingeräumt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten KAPAG-Hallen erbaut wurden, haben sich östlich des Areals Wohnsiedlungen gebildet, durch die sich nun täglich Sattelschlepper der Fabrik zwängen.

Die Verbindung zur Suhrentalstrasse scheiterte jedoch an Verhandlungen mit dem Kanton. Als Folge wird diesen Sommer auf Anregung der KAPAG die Kreuzung Grittengasse/Fabrikstrasse gleich vor dem Fabrikareal ausgebaut. Kreuzen sich heute zwei Lastwagen am Knoten, muss einer auf den Fussgängerbereich ausweichen.

Als «Trostpflästerli» bezeichnet Meyer, der nach dem Nein des Kantons gar den Standort Muhen infrage stellte, diese Lösung: «Ein möglichst direkter Anschluss zur Autobahn, um die Befahrung von Wohnquartieren und Schulwegen zu vermeiden, hätte unbedingt angestrebt werden müssen.»

Denn die Firma hat grosse Pläne für die Arealentwicklung, die gemäss Meyer zu Mehrverkehr und möglicherweise auch zu neuen Firmen führen wird. Um welche es sich handelt, ist noch geheim. «Zurzeit laufen die Verhandlungen», sagt Meyer. In die Arealentwicklung will er über die nächsten fünf bis zehn Jahre einen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

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