AHV-Vorlage
Karin Bertschis Rede vor der SVP Schweiz – und ihrem 95-jährigen Grossvater

Die Wynentalerin sprach von ihrem 95-jährigen Grossvater und referierte über die AHV-Vorlage.

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Karin Bertschi bei ihrer Rede vor 355 SVP-Delegierten.

Karin Bertschi bei ihrer Rede vor 355 SVP-Delegierten.

Keystone
Karin Bertschi sprich vor SVP Schweiz

Karin Bertschi sprich vor SVP Schweiz

Romeo Basler/ZVG

Vor einem Jahr war sie eine vergleichsweise unbekannte Wynentaler Grossratskandidatin. Im Oktober 2016 schaffte sie die Wahl und hat seither verschiedene Stürme überstanden – ohne, dass sie dabei an Strahlkraft verloren hätte. Im Gegenteil. Am Wochenende erlebte Karin Bertschi (27, SVP) einen weiteren Höhepunkt ihrer politischen Karriere: Sie durfte als einfache Aargauer Kantonsparlamentarierin in Thun an der Delegiertenversammlung der nationalen SVP sprechen. Vor den Bundesräten Ueli Maurer und Guy Parmelin. Ihr Thema: «Das Renten-Schneeball-Prinzip auf Kosten der Jungen – nein Danke!».

«Er bedankt sich regelmässig»

Die Recycling-Unternehmerin ist eine engagierte Gegnerin der Vorlage: Sie sagt, sie wäre bereit, höhere AHV-Beiträge zu zahlen und eine Anhebung der Mehrwertsteuer hinzunehmen, aber nur, wenn «die Reform finanziell nachhaltig ist, dem Generationenvertrag sowie der Gleichbehandlung Nachachtung verschafft». Ein Nein am 24. September schaffe die Voraussetzungen dafür, dass AHV und BVG getrennt und in kleineren, übersichtlicheren Paketen saniert werden könnten.

An der SVP-Delegiertenversammlung sprach Karin Bertschi von ihrem Grossvater Robert. Er wurde im Juli 95 Jahre alt. «Regelmässig bedankt er sich mit einem breiten Schmunzeln bei uns Enkeln, dass wir ihm dank der AHV ein so ‹sorgenfreies und genüssliches Leben› ermöglichen würden», erzählte Bertschi. Als Vertreterin der Jungen beteilige sie sich gerne am Lebensunterhalt der Pensionierten. Sie sei sich sehr wohl bewusst, dass «wir unserer älteren Generation sehr viel zu verdanken haben». Dank ihnen sei die Schweiz, was sie heute ist.

Karin Bertschi
14 Bilder
Bertschi und Sigi Ladenbauer haben im Stadthaus Baden zivil geheiratet.
Die Recycling-Unternehmerin will in Spreitenbach zwei Hallen für ein neues Recycling-Paradies.
Bertschi leitet das «Recycling-Paradies» mit den beiden bisherigen Standorten in Hunzenschwil und Reinach AG – und dies offenbar erfolgreich.
Karin Bertschi erzielte bei den Aargauer Grossratswahlen im Oktober 2016 im Bezirk Kulm das beste Wahlergebnis und zog für die SVP in den Grossen Rat ein.
Vor den Wahlen bezeichnete sie sich selbst als «politisches Greenhorn».
Karin Bertschi erzählte: «Die Idee für eine Kandidatur hatte meine kleine Schwester Olivia – im Beisein von Toni Brunner.»
Ihr Wahlkampf bestand vor allem aus dem Besuch verschiedener Podien...
...und grossen Wahlplakaten.
Karin Bertschi steht als Militärangehörige auch für die Schweizer Armee im Einsatz. (Archivbild von 2013)
Sie leistet ihren Dienst bei der Luftwaffe in Dübendorf, wo sie mithilft, dass die Übermittlungs- und Radarsysteme funktionieren. (Archivbild 2013)
Bertschi absolvierte als Pilotenanwärterin die Sommer-Rekrutenschule 2009 bei den Fliegertruppen in Dübendorf, gab aus gesundheitlichen Gründen ihren Traum als Militärpilotin nach der Unteroffiziersschule jedoch auf. (Archivbild 2013)
Nach den Grossratswahlen musste Karin Bertschi zu einem klärenden Gespräch mit der SVP-Leitung antraben. Denn für Gesprächsstoff sorgte, dass ihr Freund Siegfried Ladenbauer (43) in Wettingen ein Haus baut und dass sie womöglich zu ihm zieht – und dass sie das womöglich schon vor den Wahlen im Auge hatte.
Ein Bertschi-Foto von ihrer Facebook-Seite.

Karin Bertschi

ZVG

Kritik an Alain Berset

In den Diskussionen über die Abstimmungsvorlage seien die 70 Franken ein wichtiges Thema. «Manchmal macht es fast den Anschein, als würden wir, die Jungen, den Pensionierten diese 70 Franken nicht gönnen», so Bertschi. Doch die Jungen hätten ganz andere Probleme: Sie müssten von ihrem Lohn ab dem 18. Lebensjahr zusätzliche 0,3 Prozent Sozial-Beiträge zahlen. Parallel dazu werde die Mehrwertsteuer um 0,6 Prozentpunkte erhöht. «Die Gegenleistung: Wir wissen heute nicht, ob es für uns jemals noch Geld geben wird», erklärte die Müll-Prinzessin und kritisierte Bundesrat Alain Berset (SP), der gesagt hatte: «Wenn diese Reform nicht angenommen wird, können die Jungen nicht sicher sein, dass sie noch eine AHV erhalten.» Das empfinde sie, so Karin Bertschi, als Drohung, als Angstmacherei.

Karin Bertschi ist in Thun durch einen anständigen Ton aufgefallen – an SVP-Delegiertenversammlungen ist man sich von Referenten aggressivere und provozierende Ansprachen gewohnt. Bertschi hat der Auftritt vor 355 SVP-Delegierten in der Panzerhalle gefallen. Ihre Bilanz: «Alles ist prima gelaufen, ich freue mich riesig. Die Versammlung in Thun war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Ich habe die angeregten Diskussionen und die familiäre Stimmung genossen.»

Die Wynentalerin wird in diesem Jahr noch verschiedentlich im Rampenlicht stehen. So produziert das Schweizer Fernsehen SRF eine «Reporter»-Sendung über die Grossrätin. Diese wird an einem Sonntagabend ausgestrahlt. Vorher ist sie Mitte September in «ready, steady, golf» zu sehen.