Die Reisezeit auf der WSB-Strecke (S14) zwischen Menziken und Aarau beträgt 37, respektive 39 Minuten. Eine gefühlte Ewigkeit. EVP-Grossrat Uriel Seibert (Schöftland) will die Fahrt in die Kantonshauptstadt und in das Tal hinauf beschleunigen. In einem parlamentarischen Vorstoss regt er die Schaffung von Schnellzügen im Wynental an. «Es stellt sich die Frage, ob eine Reisezeit unter 30 Minuten erreicht werden könnte, wenn Schnellzüge eingeführt würden, die nicht an allen Haltestellen hielten», so Seibert. Seine Idee stösst, wie eine Umfrage der AZ ergeben hat, auf viel Sympathie– vor allem auch, weil es im Wynental früher bereits Eilzüge gab. Ob sich diese wieder einführen lassen? Die Befragten sind skeptisch, wollen aber die Abklärungen des Kantons abwarten. Und einer wünscht sich explizit die Eliminierung des nervigen Ewig-Halts in Suhr.

«5 bis 7 Minuten Einsparung»

«Eine Schnellkurs-Variante durchs Wynental würde ich sehr begrüssen», sagt SVP-Grossrätin Karin Bertschi (28, Leimbach). Eine gute öffentliche Verkehrsanbindung sei für das Tal zentral und wichtig. Die vielen Streckenabschnitte, die im Einspurbetrieb bestünden, würden aber das Kreuzen erschweren. CDie zeitliche Einsparung wären fünf bis sieben Minuten. Der Kanton müsste den Auftrag erteilen sowie die Mehrkosten berappen», so Bertschi weiter. «Der Vorteil des marginalen Zeitgewinns würde in meinen Augen nicht im Verhältnis zum Aufwand stehen.»

Auch der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz (FDP) fände eine Schnellzugverbindung Menziken-Reinach-Unterkulm-Aarau toll. «Aber ob und wie das bahntechnisch möglich ist mit der heutigen Infrastruktur, müssen die Fachleute sagen», gibt Heiz zu bedenken. Bertschi und Heiz sind sich darin einig, dass Aufwand und Ertrag wohl in keinem Verhältnis stünden, beziehungsweise schnell beantworten würden, ob Investitionen sinnvoll wären.

Es gab schon mal Schnellzüge

Dass es eine Zeit lang auf der Strecke Menziken-Aarau zu Stosszeiten eine Schnellzugverbindung gab, daran können sich der Menziker Autor Karl Gautschi («Musteraargauer») und auch der Präsident des Touring Club Schweiz, Sektion Kulm, Hans Nöthiger erinnern.

«Ob solche allerdings beim heutigen dichten Fahrplan überhaupt realisierbar wären, beurteile ich skeptisch», sagt Karl Gautschi. Als Halte würde er Reinach, Unterkulm, Gränichen und Suhr vorsehen. «Die Zeitersparnis wäre wohl eher gering», so Gautschi.

TCS-Kulm-Präsident Nöthiger fährt selber täglich mit der WSB von Unterkulm nach Aarau. Die Fahrtzeit betrage knapp 20 Minuten und habe sich seit der Inbetriebnahme der Haltestelle «Aarau Torfeld» noch leicht verlängert. «Mit der zusätzlichen Verdichtung des Fahrplans in den vergangenen Jahren finde ich die Wiedereinführung von Schnellzügen unrealistisch», sagt Nöthiger. Einzig ein Ausbau auf zwei Gleise an verschiedenen Stellen würde ein Kreuzen überhaupt möglich machen. Das sei mit einem enormen Kostenaufwand verbunden und die Zeitersparnis von ein paar wenigen Minuten würden dies kaum rechtfertigen, ist Nöthiger überzeugt.

Mehr Parkplätze wären nötig

«Da aus meiner Sicht die WSB die Menschen aus allen Dörfern des Wynentals nach Aarau bringt und umgekehrt, macht es nicht unbedingt Sinn, einen Schnellzug einzuplanen», sagt die Oberkulmer Gemeinderätin Denise Geiser. Das einstige Mitglied der Acapickels denkt dabei an die Fahrgäste, die nicht an möglichen Schnellzug-Stopps wohnen: «Angenommen, es gebe Haltestellen in Reinach, Unterkulm, Suhr und Aarau, müssten ja alle Fahrgäste, die nicht in diesen Orten wohnen, irgendwie an die Haltestellen kommen. Es müssten also Parkplätze zur Verfügung gestellt werden.» Geiser stellt die Frage in den Raum, wo das überhaupt möglich wäre.

Ärgernis Ewig-Halt in Suhr

«Dass der ‹Wynentaler› nicht schon ein schneller Zug ist, ärgert mich eigentlich immer nur in Suhr, wo das Stehenbleiben zuweilen schweisstreibend wird», sagt der Schriftsteller Klaus Merz. «Ob sich vielleicht da etwas ändern liesse?»