Coronakrise

Karin Bertschi musste Indienreise abbrechen: «Jetzt bin ich froh, dass ich zurück bin»

Karin Bertschi über ihre verkürzten Ferien und die Veränderungen in den Recycling-Paradiesen.

Sie ist von Corona mehrfach betroffen, musste eine Indien-Reise vorzeitig abbrechen, kämpft im Recycling-Unternehmen mit ganz neuen Herausforderungen. Für Karin Bertschi (29) ist klar: «Man muss die Sache mit grossem Respekt angehen.» Sie sagt aber auch: «Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Ich geniesse die Entschleunigung. Man hat kaum mehr Termine, dafür viel mehr Zeit.» Das sei auch eine grosse Chance. Und dann betont sie: «Ich spüre aktuell viel Solidarität.» Die ehemalige SVP-Grossrätin betreibt mit ihren drei Geschwistern in Hunzenschwil, Reinach, Muri und Spreitenbach ein Recycling-Paradies. Ein fünfter Standort ist in Gränichen geplant, die Erteilung der Baubewilligung in Griffweite.

«Jetzt bin ich froh, dass ich zurück bin»

Karin Bertschi befand sich mit ihrer Mutter auf einer 15-tägigen Indienreise, als Corona in der Schweiz so richtig zum Thema wurde. «Es war eine Kulturreise organisiert von einer Agentur», erklärt die Wynentalerin, die seit einem knappen Jahr in Wettingen lebt. «Die lieben Menschen, das schöne Land – Indien hat mir gefallen. Aber die Gegensätze mit der extremen Armut machen nachdenklich.» Corona sei dort noch kaum ein Thema gewesen.

Doch dann kam in der Mitte der Ferien die Aufforderung des Reisebüros, sofort nach Hause zu kehren. Der Rückflug sei gebucht, eine Weiterreise nur auf eigene Verantwortung möglich. Karin Bertschi sagt, sie habe anfänglich eigentlich gar nicht heimgehen wollen. «Aber jetzt bin ich froh, dass ich zurück bin.»

In der Schweiz musste das Unternehmen coronabedingt neu organisiert werden. «Wir haben alles durchdiskutiert. Sogar eine Totalschliessung der Recycling-Paradiese war ein Thema», sagt Bertschi. Eine elementare Rolle spielten die Empfehlungen des Bundes: Die Entsorgung von Abfällen gehört zur Grundversorgung der Bevölkerung. Betriebe haben einen Auftrag, die Recycling-Paradiese Verträge mit Gemeinden. Von gewissen Gemeindevertretern wurden Bertschis aufgefordert, auf keinen Fall zu schliessen – das hätte für die Bevölkerung fatale Folgen.

Die Öffnungszeiten sind geblieben, der Betrieb ist aber angepasst worden. So ist beispielsweise in Hunzenschwil die Einfahrt ins Recycling-Paradies verengt; ein Einweiser sorgt dafür, dass nicht zu viele Autos aufs Areal fahren. Und die Bertschis fordern die Leute auf, die Sammelstellen währen Randzeiten aufzusuchen: ganz früh oder nach 16 Uhr. «Samstage sind, wenn möglich, zu meiden.» Damit das Social Distancing eingehalten werden kann, gibt es kaum noch persönliche Abladeunterstützung.

«Wir bekommen 30 Prozent weniger Material»

Nutzen die Leute die freie Zeit zum Räumen? Teilweise bestimmt. Aber viele Kunden bleiben – wie das die Bertschis aktiv kommunizieren – zu Hause. «Wir bekommen zurzeit etwa 30 Prozent weniger Material», erklärt Bertschi. Es kämen deutlich weniger Kunden. «Aber die, die kommen, bringen mehr.» Die Zügel- und Frühlingsputzwochen sind neben den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr die wichtigsten im Recycling-Geschäft der Bertschis.

Karin Bertschi macht sich Mut: «Ich hoffe, die Auswirkungen wegen Corona flachen bald ab. Aber wir rechnen noch mit einigen Wochen Spezialbetrieb.»

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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