Kölliken

Kanton verbietet intelligente Solaranlage in seinem Garten

Rudolf Lüthi will in seinem Garten einen Photovoltaik-Tracker aufstellen.

Der Kölliker Rudolf Lüthi will eine moderne Photovoltaikanlage im Garten aufstellen. Das Problem: Sein Haus steht in der Landwirtschaftszone, doch Lüthi ist kein Bauer.

Rudolf Lüthi liebt die Natur. Umweltschutz ist dem 70-jährigen Kölliker wichtig, und dazu gehören für ihn alternative Energien. Lüthi will deshalb den Strom für sein Einfamilienhaus und ein Elektroauto selber produzieren. Die überschüssige Energie fliesst ins Stromnetz. Das ist der Plan.

Rudolf Lüthi möchte dazu im Garten einen sogenannten Tracker aufstellen: eine freistehende, rund 23 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage, deren Solarpanels auf einem Sockel rotieren und der Sonne folgen. Ein solcher Tracker liefert rund 40 Prozent mehr Energie als eine gleich grosse, statische Photovoltaikanlage, die nur einige Stunden pro Tag Sonnenlicht aufnimmt. Mit knapp 12'000 Franken ist dieser Tracker mit einer Leistung von 4,3 kW zudem günstig.

Die perfekte Lösung also – doch es gibt ein Problem: Rudolf Lüthis Haus steht in der Landwirtschaftszone. Dort darf gemäss Raumplanungsgesetz nur gebaut werden, was der Landwirtschaft dient. Doch Lüthi ist kein Bauer und sein Haus kein Bauernhof. Und er möchte den Strom für Haus und Auto nutzen, nicht für eine Stallbeleuchtung. Unter anderem deshalb hat der Kanton das Baugesuch abgelehnt.

Der Tracker soll nun auf die Garage

Doch Lüthi gab nicht auf. Es folgen diverse Besprechungen mit dem Kanton und der Gemeinde Kölliken. Das kantonale Baudepartement, die das Projekt bewilligen muss, beharrte jedoch auf seinem Standpunkt: Solaranlagen gehören wenn immer möglich auf Hausdächer, denn in der Landwirtschaft gibt es laut Kanton genügend geeignete Dächer. Eine Tracker-Photovoltaikanlage dagegen sei eine «auffällige, nicht zonenkonforme Baute».

Rudolf Lüthi will jedoch keine Photovoltaikanlage auf seinem Dach – auch wenn er für diese nicht mal eine Bewilligung braucht. «Mein Dach hat nur wenige zusammenhängende Flächen. Eine Anlage wäre teuer und die Solarzellen im Gegensatz zum Tracker nur einige Stunden am Tag von der Sonne beleuchtet.»

Lüthi wählte deshalb einen Mittelweg: Er reichte ein Wiedererwägungsgesuch mit einem abgeänderten Projekt ein: Der Tracker wird verkleinert und soll aufs Garagendach statt auf den Boden des Landwirtschaftslandes. Doch auch hier sagte der Kanton Nein: «Der Tracker ausserhalb des Baugebiets ist nicht bewilligungsfähig», hielt das Baudepartement erneut fest.

Ist eine Kuh die Lösung?

Rudolf Lüthi versteht die Welt nicht mehr. «Für eine auffällige, unästhetische Photovoltaikanlage auf dem Dach brauche ich keine Baubewilligung, ein kleiner Tracker im Garten aber ist verboten – obwohl dieser kaum jemand sieht und die Ausbeute viel höher ist.» Er wolle etwas zur Energiewende beitragen, werde aber daran gehindert. «Die Gesetze hinken der Realität hinterher», sagt Lüthi, und hofft, dass in der Politik ein Umdenken stattfindet. «Früher brauchte es für jede Satellitenschüssel eine Bewilligung. Das wurde auch teilweise aufgehoben.

Gibt Rudolf Lüthi jetzt auf? «Ich weiss es noch nicht», sagt er – und ergänzt mehr ironisch als ernsthaft: «Am besten kaufe ich eine Kuh und tue so, als sei ich Bauer. Dann kann ich einen Photovoltaik-Tracker in meinem Garten aufstellen.»

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