Raumplanung
Kanton streicht Bauzonen: Das Wynental verliert 10,5 Hektaren Bauland

Der Kanton sagt der Zersiedelung den Kampf an: Sechs Gemeinden müssen Bauland zurückzonen. Mit Reinach, Menziken, Burg und Gontenschwil liegen vier dieser Gemeinden im Wynental. Einige Gemeinderäte sind wenig erfreut.

Pascal Meier
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Der Kanton will den Bauboom lenken und die Zersiedlung stoppen. (Symbolbild)

Der Kanton will den Bauboom lenken und die Zersiedlung stoppen. (Symbolbild)

Keystone

Die Pläne des Kantons im Detail

Der Kanton führt derzeit die Vernehmlassung zum neuen Richplan durch. Alle offiziellen Informationen zum Thema finden Sie hier.

Betroffen ist vor allem das Obere Wynental, wo mit Reinach, Menziken, Burg und Gontenschwil vier der sechs Gemeinden liegen. In diesen gibt es laut Baudepartement zu grosse unüberbaute Bauzonen. Die Flächen von total 10,5 Hektaren sollen deshalb zurückgezont werden, um die zunehmende Zersiedelung zu stoppen.

Das Ziel: Im Aargau sollen bis 2040 die Bauzonen nur um ein Prozent zunehmen. Baudirektor Stephan Attiger rechnet mit geringem Widerstand der Gemeinden, wie er bei der Präsentation der Pläne sagte (die az berichtete).

Gemeinden sagen «ja, aber»

Im Oberen Wynental regt sich trotzdem Widerstand. Dass es in den vier Gemeinden überdimensionierte Bauzonen gibt, ist zwar unbestritten. Diskutieren wollen die Gemeinderäte jedoch mit dem Kanton, welche Flächen konkret ausgezont werden sollen.

«Die vorliegenden Pläne sind für uns eine Diskussionsgrundlage», sagt der Menziker Gemeinderat Jürg Rubin. Die auf zwei Flächen aufgeteilten 3,6 Hektar Bauland, die Menziken gemäss Kanton zurückzonen soll, seien aber bezüglich Grösse verkraftbar. «Wir haben genug Baulandreserven.»

In Menziken habe es noch Platz für 8500 zusätzliche Einwohner, was ein theoretisches Wachstum von knapp 30 Prozent bedeuten würde. «Davon sind wir bis zum Stichdatum 2040 weit entfernt.» Raumplanerisch sei die Auszonung zudem sinnvoll: «Das fördert die Verdichtung.»

Ähnlich tönt es aus Gontenschwil, wo der Kanton an zwei Orten insgesamt 2,3 Hektar Bauland auszonen will. «Das macht Sinn und ist verkraftbar», sagt Gemeindeammann Renate Gautschy. «Die Wahl der Grundstücke müssen wir aber mit dem Kanton noch diskutieren» Der Gemeinderat sehe die Pläne des Baudepartements als Vorschlag.

Grosse Last für das kleine Burg

In Reinach wurde man von dem Plänen des Kantons etwas überrascht. «Wir wussten, dass wir kein neues Bauland einzonen können. Dass wir nun drei Flächen mit total 1,8 Hektaren auszonen müssen, kam überraschend», sagt Gemeindeammann Martin Heiz. Für Reinach sei dies tragbar, aber nicht wünschenswert.

«Wir haben zwar noch Bauland, doch gehört dieses vor allem Erbgemeinschaften, die sich uneinig sind über die Verwendung.» Die vom Kanton ausgewählten Grundstücke würden zudem nicht mit den Vorstellungen des Gemeinderates übereinstimmen. Das letzte Wort sei deshalb noch nicht gesprochen. «Für uns ist das eine Diskussionsgrundlage.»

Auch die kleine Gemeinde Burg muss Bauland auszonen, und mit 2,8 Hektaren nicht zu knapp. Das ist für Gemeindeammann Marcel Schuller nicht akzeptabel. «Natürlich respektieren wir den Volksentscheid zum Raumplanungsgesetz und werden mithelfen, diesen umzusetzen. Aber nicht im geforderten Umfang.»

Das zur Auszonung vorgesehene Areal sei die einzige zusammenhängende und verfügbare Baulandfläche, die für die Entwicklung und Selbstständigkeit für Burg existenziell sei. «Deshalb werden wir unsere Vorschläge im Rahmen der Vernehmlassung einbringen und Varianten aufzeigen.»

Bauland verliert massiv an Wert

Was die Gemeindeammänner zudem betonen: Die Frage der Entschädigung für das zurückgezonte Bauland muss fair geregelt werden. Denn dessen Wert fällt dadurch auf einen Schlag in den Keller. «Es ist nicht optimal, wenn Bauland durch den Kanton ausgezont wird und die Frage der Entschädigung erst später geregelt wird», gibt der Menziker Gemeinderat Jürg Rubin zu Bedenken.

In Stein gemeisselt sind die Pläne des Kantons noch nicht. Bis 20. September läuft die Vernehmlassung. Parteien, Verbände und Privatpersonen können bis dann Stellung beziehen. Anfang 2015 geht das Geschäft an den Grossen Rat, am Schluss muss die Siedlungsplanung vom Bundesrat genehmigt werden.