Menziken
Kampf ums Ammann-Amt: die FDP macht aus dem Duell einen Dreikampf

Die FDP zaubert Erich Bruderer als Gemeindeammann-Kandidaten aus dem Hut. Wer die parteilose Annette Heuberger beerben wird, ist offener denn je.

Ann-Kathrin Amstutz
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Erich Bruderer (FDP) will Gemeindeammann werden. Er ist Chef des IT-Unternehmens ebcom AG mit 14 Mitarbeitern.

Erich Bruderer (FDP) will Gemeindeammann werden. Er ist Chef des IT-Unternehmens ebcom AG mit 14 Mitarbeitern.

Ann-Kathrin Amstutz

In Menziken ist das Rennen lanciert – das Rennen um das Amt des Gemeindeammanns. Annette Heuberger (parteilos) tritt im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl an. Wer die 56-Jährige beerben wird, ist offener denn je: Gestern wurde bekannt, dass es nicht nur zum Duell, sondern sogar zum Dreikampf um Heubergers Nachfolge kommt.

Drei profilierte Herren stehen in den Startlöchern. Der erste ist Vizeammann Alfred Merz (SP). Dass er sich eine Kandidatur überlegt, ist seit längerem bekannt. Jetzt aber ist es amtlich: Merz ist von seiner Partei nominiert worden (az von gestern).

Gerüchte um eine Kandidatur gab es auch bei Hans Heinrich Leuzinger (SVP). Der 60-Jährige sitzt seit 2014 im Gemeinderat. Gestern wurde bekannt, dass er definitiv antreten wird und von der SVP nominiert ist.

Überraschend kommt die dritte Kandidatur. Nach Jürg Rubins Rücktritt verlor die FDP ihren einzigen Gemeinderatssitz in Menziken. Nun wollen die Freisinnigen nach kurzer Absenz nicht nur ihren Sitz zurück, sondern gleich das Ammann-Amt erobern – mit ITUnternehmer Erich Bruderer (45).

Nach der Scheidung zügelte er

Zwei Ringe im linken Ohr, Smartwatch am Handgelenk, ein unauffälliges Tattoo am rechten Unterarm – äusserlich verkörpert Erich Bruderer die Verjüngung, die er in die Menziker Politik bringen will. Er ist in Menziken aufgewachsen und zur Schule gegangen, zügelte später nach Leimbach – hier sass er vier Jahre lang im Gemeinderat. «Meine Lehrjahre» nennt Bruderer diese Zeit. Vor gut einem Jahr zügelte er zurück nach Menziken – nach der Scheidung von seiner Ehefrau, mit der er zwei Kinder hat.

Erich Bruderer ist ein typischer Selfmademan. Vor 20 Jahren gründete er die ebcom AG, ein IT-Unternehmen. Was als Einmannbetrieb startete, ist heute ein KMU mit 14 Mitarbeitern – oder «die grösste IT-Firma zwischen Sursee und Aarau», wie Bruderer sagt. Das bedeutet aber nicht, dass er hier voll eingespannt wäre. «Wenn ich nicht anwesend bin, läuft die Firma auch ohne mich», sagt Bruderer.

SVP will sich das Hallenbad leisten

Die SVP, die sich Sorgen macht wegen der angespannten finanziellen Lage der Gemeinde Menziken (Steuerfuss 120 Prozent), unterstützt die fünf Millionen Franken teure Sanierung des Hallenbads. Die Parteiversammlung beschloss die Ja-Parole. Begründung: «Die SVP ist überzeugt, mit diesem Projekt die Attraktivität der Gemeinde zu steigern.» Beim Entscheid eine Rolle gespielt haben dürfte, dass der für die BadSanierung zuständige Gemeinderat Hans Heinrich Leuzinger der SVP angehört. Er hat das Projekt an der Versammlung auch vertreten. Die Gemeindeversammlung wird am kommenden Mittwoch über den 5-Millionen-Kredit befinden. Das Projekt mit dem Namen «Badewelt AT» beinhaltet nebst der Sanierung Extras wie ein Planschbecken für Kleinkinder sowie eine Rutschbahn.

Das Hallenbad stammt aus dem Jahr 1971. Es ist weit und breit das Einzige. Das nächste Hallenbad befindet sich in Seon. Für die Gemeinde Menziken ist das Bad eine grosse Belastung. Sein Betrieb wird auch nach der Sanierung weiterhin einen Betrag in der Grössenordnung von acht Steuerprozenten kosten. (asa)

Gute Voraussetzungen für das Amt als Gemeindeammann. Bruderer, der sich als Liberalen mit grünem Einschlag und als Zahlenmensch bezeichnet, möchte wirtschaftliches Denken ins Amt einbringen. Pragmatische Lösungen und Kompromissbereitschaft seien seine Stärken. Lange Sitzungen mag er dafür gar nicht: «Nach zwei Stunden Sitzung, draussen ist schönes Wetter, gefalle ich mir gar nicht mehr», sagt Bruderer. Er setzt auf Effizienz: Seine Teamsitzungen dauern höchstens dreissig Minuten.

Im Gemeinderat wäre Bruderer kein Fremdkörper. «Ich kenne alle Mitglieder sehr gut», sagt der 45-Jährige. Aus Kommissionen, von der Feuerwehr oder vom Zivilschutz – und Res Mäder (SVP) vom Restaurant Homberg.

Es kommt also zum Dreikampf ums Ammann-Amt. Für den Gemeinderat fehlt aber nach den Rücktritten von Heuberger und Ulrich Rindlisbacher noch ein Kandidat. Oder eine Kandidatin – sonst wäre der Menziker Gemeinderat bald ein reines Männergremium.

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