Kölliken

Kabarettistisches Feuerwerk von Parodien mit «Kurt & Daisy»

Gitte und Martin Deubelbeiss alias Kurt & Daisy mit dem Programm «Fly Emmital». kpl

Gitte und Martin Deubelbeiss alias Kurt & Daisy mit dem Programm «Fly Emmital». kpl

Der Kirchgemeindehaus-Saal war bis zum Bersten voll, als die beiden Stewardessen «Kurt & Daisy» (Gitte und Martin Deubelbeiss) das Publikum als Reisegesellschaft mit dem turbulenten Programm «Fly Emmital» ins Resort Schattegibeleggtäli entführte.

Da wurde wortreich und musikalisch praktisch alles auf die Schippe genommen, was mit Ferienrummel, Befreiung vom Stress, Loslass-Therapien, Entspannungs-Kursen, esoterischen Zeremonien, Fitnesstrainings, Bio-Kult und Natur als pantheistisch aufgefasste Erleuchtungskulisse zu tun hat. Für die Feriengäste mit oder ohne Tier («Ferien auf dem Bauernhof»), hatte Kurt in jeder Situation den passenden Rat, während Daisy ein feines Gespür dafür hatte, welche inneren Hürden ihre Gäste zu überwinden wünschten.

Popsongs toll umfunktioniert

Das Programm «Fly Emmital» wimmelt nicht nur von amüsanten Wortspielen und exzessiver Situationskomik, sondern wird auch musikalisch mit Gitarre (Kurt) und Gesang (Daisy) unterlegt und bereichert. Dabei gelingt es ausgezeichnet, bekannte Popsongs situationsadäquat mit neuen Inhalten zu füllen, was wirklich zum Lachen reizte und mit Szenenapplaus sowie Mitklatschen immer wieder honoriert wurde.

Ganz köstlich dabei ist der halb englische, halb schweizerdeutsche Dialekt von Daisy, was den Wortspielereien eine zusätzliche Qualität verleiht. Mit dem Publikumskontakt haben «Kurt & Daisy» keinerlei Schwierigkeiten: Sie bewegen sich aus der Menge heraus Richtung Bühne, er in voller Lotsen-Montur, heftig winkend und das Flugzeug weisend, sie mit der überfreundlichen Stimme einer Stewardess, ebenso einlullend wie bestimmt.

Sie schreitet zum Bodycheck, er zum Bombencheck. Noch ein paar Tips für die mitgebrachten Tiere – Katze, Ameise und Elefant – und schon erklingt der erste Popsong.

Nachdem der Steigflug bis auf 380 Meter Höhe erfolgreich beendet ist und ein paar deftige Sprüche geklopft sind, intonieren die beiden einen rassigen Blues, bei dem das bereits gelöste Publikum rhythmisch mitklatscht.

Kühe, Priester und Russen

Man erfährt, nicht ohne Hohn, dass heutzutage selbst die Kühe auf der Weide emanzipiert sind. Zur Erfrischung sollen den Fluggästen nun Sandwiches serviert werden, doch schon bei der Bestellung wird der komplex differenzierte Vegi-Kult der Stressfreien von «Kurt & Daisy» köstlich parodiert.

Natürlich darf auch jener Stallknecht nicht fehlen, der eine Frau sucht. «Daisy» dreht dazu einen Werbespot mit «Kurt», doch als der seine Vorzüge und Wünsche anpreist, kommt es vor lauter Aufgeregtheit zu skurilen Wortverwechslungen, über die sich das Publikum bestens amüsiert. Dazwischen immer wieder bluesige Popsongs, die gut ankommen. Die Fluggäste können nun ihre Speisereste zur Biogas-Verwertung abgeben, mit dem der Hürlimann-Traktor betrieben wird.

Ganz toll wird’s im «Beauty Free Shop», wo das Angebot an Schönheitssalben und Essenzen unermesslich ist. Auf der Schattegibelegg wird denn auch in der Scheune zwecks Selbstfindung ein Spiegelsaal eingerichtet. Ausserdem gibt es dort eine reiche Auswahl an Therapien und Kursen, die für äussere und innere Schönheit sorgen und zum wahren Ich führen. Life Styl noch und noch, aber auch pseudoreligiöse Zeremonien mit priesterlichen Gewändern, Kultgegenständen und monotonem, asiatisch klingendem Gemurmel, aber auch Nacktwandern oder russische Sauna mit viel Wodka.

«Daisy» kündigt den «Stinkflug» an, doch die Landung verzögert sich, weil noch Kühe auf der Piste sind. Schliesslich stellt sich heraus, dass alle nur ein One-Way-Ticket haben: «Lass dich gehen auf der Schattegibelegg».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1