Es war am 29. Juni 2016 gegen 21 Uhr. Vier junge Leute aus dem Wynental wollten sich nach der Schulschlussfeier noch eine Pizza genehmigen. Zuvor stand aber noch Sonnenuntergangsromatik auf dem Böhlerpass auf dem Programm. Doch dort kamen die beiden Pärchen nie an. Stattdessen landeten sie im Spital – nur leicht verletzt, was angesichts dessen, was ihnen passierte, ein Wunder war. Peter (Name geändert), damals 18-jährig, war derart schnell die Passstrasse hinaufgerast, dass er die Kontrolle verlor. Sein Auto geriet in der Kurve ins Schleudern und flog – sich mehrfach überschlagend – über die Böschung.

«Wir hatten einen Schutzengel», sagt Peter. Es ist Dienstagmorgen. Der unterdessen 20-jährige Schweizer hat sich für seinen Selbstunfall vor dem Bezirksgericht Kulm zu verantworten. Ihm werden für sein «rücksichtsloses Fahrverhalten», wie Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs sagt, «Gefährdung des Lebens» sowie diverse Verkehrsregelverletzungen zur Last gelegt.

Mit 120 bis 130 km/h innerorts

Im Auto sassen neben Peters damaligen Freundin auch ihre Kollegin und deren Schulschatz. Alle drei waren zu der Zeit 16 Jahre alt. Peter als Ältester war stolz. Seit knapp drei Monaten besass er einen Fahrausweis und ein Auto – einen Opel Kadett, 150 PS. Gemäss Anklageschrift war Peter bereits innerorts mit 120 bis 130 Stundenkilometern unterwegs. Die erste leichte Kurve konnte er noch nehmen, in der Doppelkurve verlor er dann endgültig die Beherrschung über das Fahrzeug. «Das Auto hat geschlingert», Peter stockt. «Ich habe vorne rechts einen Knall gehört, dann hats uns überschlagen.» Das Auto hatte einen Randleitpfosten samt Betonsockel umgerissen und mehrere Bäume nur knapp verfehlt. «Konnten Sie alle alleine aussteigen?», will die Gerichtspräsidentin wissen. Der junge Mann nickt nur.

Viel zu sagen gibt es nicht. Peter bestreitet nichts. «Was denken Sie heute über Ihre Tat?», hakt die Gerichtspräsidentin nach. «Dass es Irrsinn war.» Peter will die Sache hinter sich bringen. Das ist unverkennbar. Auch Staatsanwalt und Verteidigung verzichten auf ein Plädoyer. Ein Richter will wissen, ob Peter denn heute noch Kontakt zu den damaligen Mitfahrern habe. Der junge Mann verneint. Er habe sich bei ihnen noch entschuldigt und nach ihrem Befinden erkundigt. Seither sei Funkstille.

Zwei Jahre Probezeit

Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Peter wird zu 24 Monaten bedingter Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von 2000 Franken verurteilt. Thöny Fäs betonte bei der Urteilseröffnung, dass dem Gericht die Dauer der Probezeit zwar «zu kurz» erscheine, dass man aber das Verfahren alleine wegen dieses Punktes nicht zurückweisen wolle.

«Das mache ich sicher nie mehr», sagt Peter im Anschluss an die Verhandlung. Eins ist sicher: Der Wynentaler im zweiten Lehrjahr wird die Folgen seines Selbstunfalls auch nach Ablauf der Probezeit noch lange spüren. Schliesslich hat er die Kosten aus dem Verfahren, die die Gerichtspräsidentin auf gegen 20'000 Franken schätzt, zu tragen. Ist er finanziell einmal bessergestellt, muss er auch die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzahlen.