Vordemwald
Junger Aargauer Fahrzeugschlosser holt Gold an Schweizer Meisterschaft

Pascal Fürst gewinnt den Schweizer-Meister-Titel als Fahrzeugschlosser. 16½ Stunden lang war dafür volle Konzentration gefordert.

Katrin Freiburghaus
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Volle Konzentration: Pascal Fürst hat an den Schweizer Meisterschaften seinKönnen unter Beweis gestellt. Pipo Stranieri

Volle Konzentration: Pascal Fürst hat an den Schweizer Meisterschaften seinKönnen unter Beweis gestellt. Pipo Stranieri

Eine viertägige Reise nach Finnland, ein Auto für ein Jahr und eine Auszeichnung fürs Leben – das sind nicht irgendwelche Preise aus einem Gewinnspiel, sondern es ist der hart erarbeitete Lohn, welcher Pascal Fürst als bester Fahrzeugschlosser der Schweiz am Wochenende erhalten hat. An der Schweizer Meisterschaft der Carrosserieberufe hat der 21-Jährige in Langenthal sein Können unter Beweis gestellt und seine acht Konkurrenten hinter sich gelassen. «Ich habe wahrscheinlich genauer gearbeitet als die anderen», vermutet er rückblickend.

Aufgrund von Plänen mussten Pascal Fürst und seine acht Konkurrenten einen Anhänger – aus Aluminium und Stahl – mit den Massen 80 auf 120 Zentimeter selber herstellen. Während insgesamt 16,5 Stunden war dabei nicht nur volle Konzentration angesagt, sondern auch eine ruhige Hand beim Schneiden, Schweissen und Bohren gefragt. Und das alles unter Zeitdruck und Beobachtung der Zuschauer. «Man muss schon Vollgas geben», betont er und bemerkt, dass es bei ihm gerade aufgegangen sei. Dass die Leute vor ihm stehen geblieben seien und durch die Glasscheibe genau zugeschaut hätten, habe ihn zeitweise verunsichert – doch seine Angst war unbegründet.

Ausgleich beim Rudern

Vor rund zwei Monaten wurde den neun Teilnehmenden eröffnet, welche Arbeit sie an den Meisterschaften ausführen dürfen. «Einzelne Arbeitsschritte konnte ich bei meinem Arbeitgeber in dieser Zeit immer wieder üben», sagt Pascal Fürst, der seine Lehre bei der David Wiederkehr AG in Zofingen absolviert und seit gut einem Jahr bei der Lanz + Marti AG in Sursee tätig ist.

Bei seinem aktuellen Arbeitgeber erstelle er je nach Kundenwunsch Lastwagenaufbauten, wie beispielsweise Anhänger oder Aufleger, erklärt er und betont: «Die Tätigkeiten sind sehr vielseitig, das gefällt mir.» Herausforderung sei jeweils, dass am Ende alles funktioniere und dem Kunden innert Frist ein fertiges Fahrzeug übergeben werden könne, erklärt Pascal Fürst, der in seiner Freizeit gerne an Autos und Töfflis «herumschraubt». Einen guten Ausgleich zu seinem Beruf finde er beim Rudern. Doch in letzter Zeit habe er diese Leidenschaft nicht pflegen können. Die Schweizer Meisterschaft stand im Fokus.

Anders als bei anderen Berufen ist bei den Fahrzeugschlossern nicht die Note der Lehrabschlussprüfung für eine Teilnahme an den Berufsmeisterschaften relevant, sondern das Resultat der Zwischenprüfung, Erfahrungsnoten und die Leistungen aus dem überbetrieblichen Kurs. Mit seinen guten Ergebnissen hat sich Pascal Fürst bereits für die Regionalmeisterschaften, welche im März stattgefunden haben, qualifiziert. Auch dort stand der Vordemwälder zuoberst auf dem Podest. «Es ist eine gute Erfahrung und ich habe viele Leute kennen gelernt, die ich sonst nicht getroffen hätte», sagt der Fahrzeugschlosser, der mit zwei Geschwistern in Vordemwald aufgewachsen ist.

Auf die Frage, ob er als Schweizer Meister nun an den Berufsweltmeisterschaften teilnehmen könne, meint er: «Nein, eine Weltmeisterschaft gibt es bei den Fahrzeugschlossern nicht.» Sein Beruf könne in vielen Ländern gar nicht erst erlernt werden. Auch ohne WM hat sich Pascal Fürst Ziele für die Zukunft gesteckt: «Nächsten Sommer möchte ich die Technikerschule in Kaiserslautern beginnen.» Diese sei auf den Fahrzeugbau spezialisiert. Eine vergleichbare Ausbildung gäbe es in der Schweiz nicht. Doch vorerst wird Pascal Fürst neben seiner Arbeit für ein Jahr als Botschafter des Verbandes mit dem neuen Opel den Beruf des Fahrzeugschlossers repräsentieren, vier Tage in die Werke des finnischen Schleifmittelherstellers Mirka einblicken und vor allem aber seinen Erfolg geniessen.