Schöftland
Junge sollen im Treff nicht nur chillen

Der Jugendtreff braucht ein neues Lokal — die offene Jugendarbeit soll fokussiert werden.

Christine Wullschleger
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Der Schöftler Jugendtreff wird noch bis Ende Oktober an der Luzernerstrasse 13 zu finden sein. Rahel Plüss

Der Schöftler Jugendtreff wird noch bis Ende Oktober an der Luzernerstrasse 13 zu finden sein. Rahel Plüss

Rahel Plüss

Der Jugendtreff sucht neue Räume. «Die Lokalitäten vermögen die Bedürfnisse eines Jugendlokals in verschiedener Hinsicht nicht zu befriedigen», sagt Gertrud Müller, Gemeinderätin und Präsidentin der Jugendkommission. Deshalb hat die Gemeinde Schöftland auf Ende Oktober den Mietvertrag für den Treff «Fifty Forty» an der Luzernerstrasse gekündigt – mitten in der Pilotphase.

Das «Fifty Forty» befinde sich in einem Wohnhaus neben einem Restaurant direkt an einer Strasse, es gebe keinen Platz zum Verweilen draussen. «Die Restaurantgäste und Nachbarn stören sich an der lauten Musik, dies obwohl die Abklärungen dazu bereits vor Einzug ins Lokal getroffen worden sind», sagt sie. Die Jugendkommission müsse nun dem Gemeinderat einen Vorschlag für eine geeignetere, bedarfsgerechte Ersatzlösung vorschlagen. Die neue Lösung müsse bis mindestens zum Ablauf der Pilotphase gelten. Diese dauert bis Ende April 2017.

Rückblick: Nachdem die Gemeindeversammlung Ja sagte zum Jugendtreff (s. Box), eröffnete er Mitte 2014. Schnell wurde er zu einem wichtigen Aufenthaltsort, Jugendarbeiter Oliver Braunschweiger sagte damals: «Ich könnte den Treff jeden Tag öffnen und er wäre immer voll.» Doch nach nur einem Jahr reichte er seine Kündigung ein. Er wollte sich neu orientieren.

Ziel: Offene Jugendarbeit

Schnell konnte jedoch Ersatz gefunden werden. Eveline Kohler, die Leiterin der Sozialen Dienste, übernahm die Leitung des Jugendtreffs in einem
40-Prozent-Pensum. Zehn Prozent übernahm zudem Arbeitskollegin Sandra di Fronzo. «Wir haben nun sogar die Öffnungszeiten von einem auf zwei Nachmittage ausgebaut», sagt Gertrud Müller. Sollte sich die Nachfrage steigern, käme auch wieder ein Zivildienstleistender infrage. Denn mittlerweile habe sich der Ansturm gelegt, zwischen zehn und zwölf Jugendliche kommen jeweils in den Treff. «Dafür gibt es auch einen Grund: Wir haben bewusst die Angebote von Videospielen und passivem Konsum reduziert. Die offene Jugendarbeit soll gefördert werden», sagt Gertrud Müller. Also mehr Projektarbeiten statt chillen und gamen. «Das hat natürlich auch dazu geführt, dass sich die Nachfrage verändert hat.» Bei den Projektarbeiten denkt Gertrud Müller etwa an die Zusammenarbeit mit Senioren oder auch Asylsuchenden. Dazu wolle man sich vermehrt mit anderen regionalen Jugendarbeiten vernetzen.

Das Jugendtreff-Leitungsteam hat erst kürzlich einen Zwischenbericht abgegeben. Darin ist die Rede von den Aktivitäten und deren teilweise eher durchzogenen Erfolgen bei den Jugendlichen. «Die Jugendlichen melden sich für Events an und kommen dann leider nicht», sagt Gertrud Müller, «somit können keine Verbindlichkeiten geregelt werden, obwohl das Angebot von der Leitung vorhanden ist.» Der Treff solle ein Ort sein, an dem sich die Jugendlichen wohlfühlen, ihre Wünsche und Bedürfnisse mitteilen können. Und ein Ort mit klaren Strukturen.

Was passiert nach der Pilotphase? «Der Jugendtreff muss weitergeführt werden, die Nachfrage ist vorhanden», sagt Müller. Der Entscheid über die Zukunft des Treffs liegt beim Gemeinderat. Doch zuerst muss eine neue Lokalität gefunden werden. Gertrud Müller: «Es gibt einige mögliche Lösungen, die Abklärungen sind noch im Gange.»

Rückblick: Der Jugendtreff ist ein Pilotprojekt

Nachdem ein gemeinsames Projekt regionale Jugendarbeit vor einigen Jahren scheiterte, weil viele Suhrentaler Gemeinden aus finanziellen Gründen nicht mitmachen wollten, wählte Schöftland den Alleingang. Im November 2013 wurde das Projekt offene Jugendarbeit in Schöftland lanciert, ein Raum an der Picardiestrasse 2 war schon gefunden worden. Ende des Monats sagte auch die Gemeindeversammlung – zwar nach einigen Diskussionen – Ja zum Projekt. Damit wurde einem dreijährigen Pilotprojekt zugestimmt, dessen Kosten von 343 000 Franken die Gemeinde zu tragen hat.

Der Kanton beteiligt sich mit rund 80 000 Franken daran. Gegründet wurde auch eine Jugendkommission, die das Controlling übernahm und mit Oliver Braunschweiger wurde ein Jugendarbeiter in einem 60-Prozent-Pensum angestellt. Doch noch vor der Eröffnung wurde der Raum an der Picardiestrasse verworfen und die Gemeinde mietete Räumlichkeiten an der Luzernerstrasse 13. Der Jugendtreff bekam den Namen «Fifty Forty», in Anlehnung an die Postleitzahl von Schöftland. (cwu)