«Die Pflegeheime geraten langfristig in einen personellen Engpass», sagt Zeller, «wir müssen uns in der Ausbildung engagieren, da führt kein Weg vorbei.» Gegenwärtig absolvieren in Schöftland elf junge Leute ihre pflegerische Grundausbildung. Zusätzlich können sich auch ältere Pflegepersonen mit Zusatzausbildungen weiterbilden.

Der Aufwand sei gross für einen Lehrbetrieb, sagt Zeller, aber es lohne sich in jedem Fall, «ja es ist ein Geben und Nehmen, wir als Betrieb profitieren auch». Die Lernenden und ihre Berufsausbilder seien am Puls, sie brächten Neues in den Betrieb. Kurz gesagt: «Sie halten das Rad am Drehen und machen unsern Betrieb fit.»

Nach der Schule ins Altersheim

Das heutige Ausbildungskonzept bietet Schulabgängern die Lehre als FaGe (Fachangestellte Gesundheit) an. Die Lehre dauert drei Jahre. Die jungen Leute erwerben die praktischen Kenntnisse in Pflege, Aktivierung, im Umgang mit betagten Menschen auf den Abteilungen im Betrieb. Zwei Tage pro Woche besuchen sie die Berufsschule und erarbeiten sich das nötige theoretische und praktische Wissen.

In Schöftland ist Florian Koch, der Pflegedienstleiter, zuständig für die Ausbildung. FaGe sei ein anspruchsvoller Beruf. «Die Lernenden werden in Theorie und Praxis sehr gefordert», erklärt Koch. In Schöftland arbeiten die angehenden FaGe jeweils ein Jahr auf einer Abteilung, bis sie wechseln. Zusätzlich besuchen sie an der Berufsschule Gesundheit und
Soziales in Brugg überbetriebliche Kurse.

Damit sie sich nicht allein auf die Arbeit im Pflegeheim fokussieren, erhalten die Lernenden Einblick in die Arbeit in einem Akutspital oder bei der Spitex. «Das funktioniert auch umgekehrt», sagt Koch, «wir streben eine Vernetzung an, unsere Leute sollen wissen, was ihre Kolleginnen in andern Pflegebereichen tun.»

Als Ausbildner ist Koch immer wieder überrascht, wie gut sich die jungen Menschen in die Arbeit einbringen. «Wir führen sie behutsam in die Pflege ein», sagt er, «wir lehren sie einen respektvollen Umgang mit den Bewohnern.» Dazu gehöre auch ein verantwortungsbewusstes Handeln mit Nähe und Distanz. Der Umgang mit dem Sterbenden, mit dem Tod gehört ebenfalls zu diesem Beruf. «Da ist Sorgfalt von den Ausbildnern und den Teams verlangt, damit die jungen Menschen nicht emotional überfordert werden», sagt Koch.

Schliessen alle diese Ausbildung auch ab? Zeller erklärt, dass in den letzten acht Jahren nur drei Lehrverhältnisse abgebrochen wurden. «Das aufwändige Auswahlverfahren bringt uns da Sicherheit.» Die Interessenten absolvieren in der Regel ein Praktikum und werden aufgrund ihrer Bewerbung zu einer Selektionswoche aufgeboten. Während einer Woche erkenne man, ob ein junger Mensch geeignet sei, sagt Koch, «Und die Bewohner selber geben auch rasch einmal ein Feedback ab.»

Zeller und Koch äussern beide, dass sie mit einer engen Führung der Lernenden gute Erfahrungen machen. Manchmal komme es in der Mitte der strengen Ausbildung zu einem Durchhängen, da müssten sie einerseits Unterstützung bieten, auch im schulischen Bereich, andererseits aber klare Forderungen stellen. «Das geht bis zur schriftlichen Zielvereinbarung», so Zeller.

Attestausbildung als Chance

Bei der FaGe-Ausbildung kommt es vor, dass schwächere Schulabgänger oder ausländische Jugendliche mit noch ungenügenden Sprachkenntnissen die Berufsschule nicht bewältigen. «Aber häufig sind sie praktisch stark und gerade Ausländer haben oft einen sehr guten Umgang mit den alten Leuten.»

Da bietet sich jetzt die zweijährige Attestausbildung zum Praktiker Gesundheit an. Möglichkeiten für eine gezielte Weiterausbildung stehen beiden Berufsgruppen offen. «Wir bilden gern aus» sagt Zeller, «und wir freuen uns, wenn ehemalige Lernende später wieder einmal zu uns zurückkehren.»