Reinach

Jungbauern-Paar führt Spittel als Biohof weiter

Alois Müller und Melanie Beglinger haben sich fürs Bewerbungsfoto herausgeputzt. Mit dabei: Kuh Atacama (Brown Swiss) aus dem elterlichen Stall.

Alois Müller und Melanie Beglinger haben sich fürs Bewerbungsfoto herausgeputzt. Mit dabei: Kuh Atacama (Brown Swiss) aus dem elterlichen Stall.

Das Bürgerheim ist neu verpachtet. Alois Müller (28) und Melanie Beglinger (26) haben den Zuschlag erhalten.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Bürgerheim neu verpachtet wird. Trotzdem ist erstaunlich: Bei der Gemeinde gingen über 40 Bewerbungen aus der ganzen Schweiz ein. Alle wollten sie in Reinach bauern – oder zumindest die 20 Hektar Land bewirtschaften.

Das Rennen gemacht hat ein junges Reinacher Paar: Alois Müller (28) und Melanie Beglinger (26). «Ein Traum geht in Erfüllung», freut sich der Jungpächter. Das Bauern hat er im Blut. Schon als Kind stapfte er mit viel zu grossen Gummistiefeln durch den Stall auf dem Homberg und half Vater Xaver beim Misten und Melken. Heute führt er den Hof zeitweise allein – in den Sommermonaten, wenn der Vater auf der Alp ist. Nebenbei.

Alois Müller arbeitet aktuell 80 Prozent als Zimmermann. Sein Erstberuf. «Als es um die Berufswahl ging, rieten mir meine Eltern davon ab, Landwirt zu werden», sagt er. «Es war immer klar, dass unser Höfli zu klein ist, um in Zukunft davon leben zu können.» Trotzdem, Alois Müller liess sich nicht entmutigen und wurde doch noch Bauer – Biobauer, um genau zu sein. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt EFZ auf der «Liebegg» erlangte er nämlich kürzlich auch das «Knospen-Zertifikat». Damit ist er berechtigt, einen Hof biologisch zu führen und unter dem Knospenlabel zu produzieren.

Anfang nächstes Jahr werden die jungen Pächter das Bürgerheim übernehmen.

Anfang nächstes Jahr werden die jungen Pächter das Bürgerheim übernehmen.

Neuer Stall für Milchkühe

Genau das hat er vor auf dem Bürgerheim-Hof. Wie seine Vorgänger, Jakob und Marlies Andermatt, die Ende Jahr nach über 30 Jahren in Pension gehen, will Alois Müller auf dem Sonnenberg biologische Landwirtschaft betreiben. Er plant, neben dem alten Hof im Baurecht einen modernen Stall für Milchkühe zu bauen. «Es war unser Traum, von der Landwirtschaft und für die Landwirtschaft leben zu können», sagt er. Mit der Pacht des ehemaligen Spittels könnte es nun klappen. Der junge Landwirt will den elterlichen Betrieb in den Bürgerheim-Hof integrieren. Aus familiärer Sicht kein Problem: Von den vier Geschwistern hat keins Interesse am Hof.

Kräftig auf dem neuen «Heimet» mit anpacken wird auch Partnerin Melanie Beglinger. Wenn man es der zierlichen Frau auch nicht ansieht, der Bauernhof ist ihre Welt. Die gelernte Pharma-Assistentin aus Schafisheim ist unterdessen nicht nur eine tüchtige Reinacher «Landfrau» geworden, sie wird nächsten Monat auch den Fachkurs Bäuerin abschliessen.

Enttäuschte Reinacher Bauern

«Das kommt gut», ist der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz überzeugt. «Wir freuen uns, dass wir dem jungen Paar diese Chance geben können.» Zentrales Anliegen des Gemeinderats sei gewesen, dass der Hof weiterbetrieben werde. Man habe sich da eingehend von einem Fachmann beraten lassen, sagt Heiz. «Wir Gemeinderäte verstehen ja nichts vom Bauern.» Dass die beiden einheimisch, jung und gut ausgebildet sind, waren wichtige Auswahlkriterien. Dass sie aber den elterlichen Betrieb ins Bürgerheim integrieren und somit eine existenzsichernde Grösse erlangen können, «das war ihr Bonus», so Martin Heiz.

Es hatten sich diverse weitere Reinacher Landwirte beworben. Einige sind sehr enttäuscht, wie die az weiss. Mit dem Argument, das «Heimet» sei zu klein, um eigenständig bewirtschaftet werden zu können, hat sich eine Gruppe zusammengetan, die das Land pachten und unter sich aufteilen wollte. «Für den Gemeinderat keine Option», wie Heiz sagt, «schon gar nicht, wenn sich eine so gute Lösung mit jungen Leuten aus dem Dorf anbietet.»

Vor Wochenfrist haben die beiden unterschrieben. Anfang Jahr werden sie in die Bürgerheim-Wohnung einziehen, die zwischenzeitlich noch ein sanftes Lifting erfahren wird. Den Betrieb von Andermatts werden sie ab Neujahr sukzessive übernehmen.

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