Wynental
Jugendarbeiterin Vanessa Soland hört auf und hofft auf Inspiration als Rapperin

Nach drei Jahren und drei Monaten gibt Vanessa Soland ihre Stelle als Jugendarbeiterin auf. Drei Jahre seien genug, findet sie. Jetzt hat sie genügend Zeit, sich wieder ihrem Hobby, dem Rap zu widmen. Sie will die Weichen in ihrem Leben neu stellen.

Janine Müller
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Vanessa Soland und Hund Sky wagen einen Neuanfang und ziehen weg aus dem Wynental.

Vanessa Soland und Hund Sky wagen einen Neuanfang und ziehen weg aus dem Wynental.

Janine Müller

Vanessa Soland wartet mit Hund Sky am Bahnhof in Gontenschwil. Sie will das Gespräch hier führen. Das passe so gut zu ihrer Lebenssituation, findet sie. Sie stelle gerade die Weichen neu in ihrem Leben.

Sie reicht die linke Hand zur Begrüssung. Die rechte ist eingebunden. Im November hat sie sich an einer Hotdog-Maschine die Hand verbrannt. Verbrennungen zweiten und dritten Grades zog sie sich davon, kam knapp an einer Hauttransplantation vorbei. Die Blasen sind noch zu sehen. Seit zwei Wochen kann sie die Hand immerhin wieder bewegen.

Die letzten Monate als Jugendarbeiterin musste Vanessa Soland zu Hause verbringen. Wegen des Unfalls ist sie krankgeschrieben. Keine einfache Zeit für die 27-Jährige, die viel Herzblut in die Arbeit mit den Jugendlichen gesteckt hat. Diese haben es ihr mit viel Vertrauen gedankt.

An der Überraschungs-Abschiedsparty in der Kulturkantine «KK13» in Menziken schenkten ihr die Jugendlichen der Betriebsgruppe eine Holzbank. Darauf eingraviert Vanessa Solands Lebensmotto: «Le temps passé» – die vergangene Zeit.

Stolz auf die Jugendlichen

«Die Jugendlichen haben mich gefragt, ob es an ihnen liegt, dass ich gehe. Das ist aber sicher nicht der Grund», sagt sie. Im Gegenteil: «Ich werde sie sehr vermissen.» Vanessa Soland hat schon vor längerer Zeit gekündigt. Drei Jahre und drei Monate waren genug, sagt sie. Gekündigt hat sie aus persönlichen Gründen, mehr sagt sie nicht dazu.

Viel lieber spricht sie von den Jugendlichen, die sie begleitet hat. Sie sei stolz auf die rund 17 Jugendlichen, die der Betriebsgruppe angehören. «Sie haben sich zu eigenständigen Menschen entwickelt», sagt sie.

Den Jugendlichen habe sie gesagt, dass jeder Mensch ersetzbar sei. Ein 16-Jähriger antwortete darauf: «Nein Vanessa, nur die Arbeit eines Menschen ist ersetzbar, er selber nicht.» Das habe sie sehr gerührt, erzählt Vanessa Soland.

Studium wieder aufnehmen

Vergangen ist ihre Zeit als Jugendarbeiterin. Ende Februar ist fertig. Dann will Vanessa Soland einen Neustart wagen. Was genau, weiss sie noch nicht. Klar ist nur, dass sie aus Gontenschwil wegzieht und sich in Beinwil am See niederlässt. Und in Reinach wird sie vorübergehend als Fachfrau Betreuung in der Lebenshilfe arbeiten.

Dann möchte sie ihr unterbrochenes Studium in Sozialpädagogik an der Fachhochschule wieder aufnehmen. Und vor allem erhofft sie sich durch die gewonnene Zeit wieder etwas mehr Inspiration für ihre Musikkarriere. Die Rapperin ist unter dem Künstlernamen «SheVnS» bekannt. «Jetzt habe ich wieder mehr Zeit für mich. Wer weiss, vielleicht kommt SheVnS back.»