Jubiläumsfeier
Das Strohdachhaus wird 300 Jahre alt

Das historische Bauernhaus in Muhen gilt als eines der bedeutendsten im Kanton. Nach langer Arbeit schrieb Kurt Rey dessen Geschichte nieder.

Natasha Hähni
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Der ehemalige Gemeindeammann Kurt Rey schrieb das Buch «Strohdachhaus Muhen». Dieses wurde an der Feier vom Freitagabend vorgestellt.

Der ehemalige Gemeindeammann Kurt Rey schrieb das Buch «Strohdachhaus Muhen». Dieses wurde an der Feier vom Freitagabend vorgestellt.

Valentin Hehli / WYS

Eigentlich hätte es eine einfache Jubiläumsschrift zum Müheler Strohdachhaus werden sollen. Herausgekommen sind 90 Seiten. Der Anlass: sein 300-jähriges Bestehen. «Das Buch liest sich fast wie ein Krimi», sagte Isabel Haupt, Stellvertreterin der Kantonalen Denkmalpflege, zu Beginn ihrer Ansprache beim Jubiläumsfest vor Ort.

Eine Feier, die erst seit dem Jahr 2000 überhaupt möglich ist: Damals konnte das Baujahr des Müheler Wahrzeichens mittels Holzalterbestimmung auf 1721 ausgemacht werden. Der Erbauer des Strohdachdachhauses wird mit der Veröffentlichung des Buches erstmals bekannt gegeben.

«Als Kind fand ich dieses Hausetwasunheimlich»

«Kurt Rey hat mit der Taschenlampe jeden Winkel dieses Hauses beleuchtet», sagte Gemeinderat Hans Peter Brunner vor rund 100 Gästen über den ehemaligen Gemeindeammann und nun Buchautor.

Dieser erinnert sich gut an den Ursprung seiner Motivation für das Buch. «Als Kind bin ich jede Woche an diesem Haus vorbeigefahren. Damals fand ich es etwas unheimlich. Ich fragte mich immer, wer wohl in diesem Haus wohnen würde», sagte Kurt Rey, heute 88 Jahre alt. Im Laufe der Jahre seien immer mehr Fragen dazugekommen. Diesen nachzugehen, sei eine Herkulesaufgabe gewesen.

Oft seien beispielsweise nur Grundstückbesitzer in Register aufgeführt und nicht die Kaufverträge oder die jeweiligen Hausbesitzer. «Erst nach etwa 80 Jahren konnte ich alle Fragen beantworten», so Kurt Rey.

Mit 240 Jahren brannte die Hälfte des Hauses ab

Zum Dank für seine Arbeit erhielt er eine Zeichnung des Strohdachhauses, das als eine der wichtigsten historischen Bauernhäuser des Kantons gilt. Die Zeichnung entstand laut Cecilie Gut, Bauforscherin der Kantonsarchäologie, nur einen Tag bevor das Haus 1961 zur Hälfte abbrannte.

Rund 100 Menschen besuchten die Jubiläumsfeier der Strohdachhauses.

Rund 100 Menschen besuchten die Jubiläumsfeier der Strohdachhauses.

Valentin Hehli / WYS

Dass das Haus heute immer noch dort steht,wo es erbaut wurde und nicht, wie die meisten Strohdachhäuser, ins Freilichtmuseum Ballenberg verfrachtet wurde, macht es laut Cecilie Gut zu einem der letzten seiner Art. Dazu gebe der Standort Auskunft über die Umstände der Erbauung, wie Kurt Rey darlegte: «Das Haus liegt an der Hardstrasse und nicht an der Hauptstrasse, weil die Hardstrasse zu Berner Zeiten auf dem direkten Weg vom Schloss Lenzburg zur Obrigkeit in Bern lag.»

Zu Beginn des 19. Jahrhundert gab es im Aargau über 20'000 Strohdachhäuser, heute sind es noch fünf.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert gab es im Aargau über 20'000 Strohdachhäuser, heute sind es noch fünf.

Britta Gut

Nebst der Lobrede an Rey richtete Hans Peter Brunner auch eine Lobrede an Anna und Hansruedi Moser. Das Ehepaar kümmert sich seit bald 25 Jahren intensiv um das Strohdachhaus, das inzwischen auch das Dorfmuseum ist. «Die beiden machen dieses Haus zum Bijou», sagte Brunner und überreichte ihnen einen Gutschein für eine Ballonfahrt. «Damit ihr das Haus auch mal von oben betrachten könnt», sagte er.

Anna und Hansrudolf Moser hüten und hegen seit fast 25 Jahren das Strohdachhaus.

Anna und Hansrudolf Moser hüten und hegen seit fast 25 Jahren das Strohdachhaus.



Chris Iseli / AAR

Veredelt wurde der Anlass von Auftritten des Jodlerchörlis Suhrental. Beim Hof nebenan spielen die Kinder der Gäste mit den Kühen, die meisten Reden wurden deshalb von den Kuhglocken musikalisch begleitet.

Das Jodlerchörli Suhrental begleitete die Feier musikalisch.

Das Jodlerchörli Suhrental begleitete die Feier musikalisch.

Valentin Hehli / WYS

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