Reinach
Jetzt können und sollen die Reinacher mitreden

Die Revision der Nutzungsplanung und der Gesamtplan Verkehr stehen an. Die Bevölkerung wird einbezogen: Am Donnerstag findet eine Orientierung über die Projekte statt.

Peter Siegrist
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Gemeindeammann Martin Heiz: «Jetzt ist Zeit für Meinungen, bevor alles definitiv geschrieben ist.»

Gemeindeammann Martin Heiz: «Jetzt ist Zeit für Meinungen, bevor alles definitiv geschrieben ist.»

AZ

Reinach plant seine Zukunft: «Die Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland» und der «Kommunale Gesamtplan Verkehr» werden neu erstellt. «Die Revision der Nutzungsplanung mit Überprüfen von Bauzonen und Kulturland ist gesetzlich vorgeschrieben und hat alle 10 bis 15 Jahre zu erfolgen», erklärt der Reinach Gemeindeammann Martin Heiz.

Am Donnerstag, 18.Oktober, 19.30 Uhr, lädt die Gemeinde zur Orientierung über die beiden Projekte in den Saalbau ein.

In die neuen Planungsgrundlagen fliessen Überlegungen zur bisherigen und künftigen Gemeindeentwicklung ein. Die Gemeinden müssen ihre Planungsinstrumente mit dem übergeordneten Bau- und Planungsrecht des Kantons abstimmen.

Zwei Arbeitsgruppen am Tun

In Reinach sind zwei Arbeitsgruppen am Werk. Eine für die Nutzungsplanung und eine für die Verkehrsplanung. Geleitet werden die beiden Gremien von Gemeinderat Rudolf Lanz, Bauverwalter Philipp Rüber und den beiden externen Planern Paul Keller und Stefan Ballmer.

Die Nutzungsplanung zielt darauf, Reinach erstens als Standort - Wohn- und Arbeitsgemeinde - attraktiv zu erhalten. Weiter seien, so die Zielsetzung, die «publikumsorientierten Nutzungen und die öffentliche Infrastruktur» zu erhalten. Da spielen auch die Ziele mit hinein, auf die Natur- und Kulturlandschaft zu achten inklusive einem breiten Freizeit- und Erholungsangebot.

Die «qualitative innere Siedlungsentwicklung» ist abhängig von der Bevölkerungsentwicklung und muss auf den Verkehr abgestimmt werden. Deshalb sei es sinnvoll und nötig, die beiden Revisionen zu koordinieren und parallel durchzuführen, so Heiz.

Hochhauskreuzung bleibt: «ein teurer Kreisel bringt zu wenig»

Man staunt, aber Reinach-Menziken hat wenig Durchgangsverkehr. Die meisten Autos fahren ins Dorf und wieder hinaus, oder dann ist es Binnenverkehr, also hausgemacht, und dies auf hohem Niveau. Ein neuralgischer Punkt ist die Hochhauskreuzung im Norden, wo die Nord-Süd-Fahrer auf die Ost-West-Fahrer treffen. Der Verkehr wird mit einer Lichtsignalanlage geregelt, wobei zusätzlich die WSB-Bahnschranke mitspielt. Diese ist alle Viertelstunden für zwei Züge geschlossen, eine Achse blockiert. Dieser Knoten wäre aus Platzgründen (Bahnlinie, Gebäude) nur sehr schwer und mit teuren Umbauten zu realisieren. «Die Verbesserung läge bei 10 Prozent», sagt Gemeindeammann Martin Heiz, «ein sündhaft teurer Kreisel bringt zu wenig.» Eine andere Idee ist die Realisierung von Umfahrungen der Kreuzung (Illustration oben). Der Verkehr aus Beinwil in Richtung Aarau und aus Gontenschwil in Richtung Aarau und Seetal könnte an der Kreuzung vorbeigeschleust werden. Solche Fragen und Ideen werden in den kommunalen Gesamtplan Verkehr einfliessen.(psi)

Gesetze und Regelungen zuhauf

Beide Verfahren unterliegen genauen gesetzlichen Vorgaben. Der Handlungsspielraum für die Gemeinde ist eng. So ist die Nutzungsplanung grundeigentümerverbindlich, wird vom Kanton vorgeprüft, bevor sie der Gmeind zum Beschluss vorgelegt werden kann. Und am Schluss hat noch der Grosse Rat seinen Segen zu geben.

Wichtig sind im Verfahren die Grundlagen aus dem kantonalen Richtplan: Etwa Ortsbild, Entwicklungsschwerpunkt Moos und Landschaften von kantonaler Bedeutung. Daran haben die Planer und am Schluss die Bürger zu halten.

Reinach rechnet bis 2025 mit einem Bevölkerungszuwachs von 700 bis 1300 Einwohnern. Die Arbeitsplatzzahlen sind seit 2001 konstant geblieben. An rund 450 Arbeitsstätten werden rund 3200 Personen beschäftigt. Reinach verfügt über 48 Hektaren Wohn- und Mischzonen und 20 Hektaren Gewerbe- und Industriezonen. Viel Land ist in Privat- oder Firmenbesitz und nicht frei verfügbar zum Überbauen. Eine erste Analyse sagt aus, dass es in Reinach ein zufälliges Nebeneinander von Wohnen, Gewerbe und Verkauf gebe, dass historische Ortsteile mit neuen Strukturen vermischt seien. Das wird von den Planern als Defizit gewertet.

Der Verkehr ist ganz zentral

Ebenso als Defizit wird die Verkehrsbelastung an der Hochhauskreuzung bewertet. Hier braucht es Lösungen, auch für die Erschliessung des Entwicklungsschwerpunktes Moos. «Die Vorgabe ist klar, möglich ist nur was der Verkehr bringen kann», sagt Martin Heiz, «ein grosses Einkaufszentrum, wie auch schon erwähnt, ist gar nicht möglich.» Gewerbebauten ohne grosses Verkehrsaufkommen hingegen schon. Die Verkehrsplaner müssen sich auch mit dem Langsamverkehr, den Parkmöglichkeiten und der Sicherheit beschäftigen.

Bei beiden Konzepten ist die Bevölkerung eingeladen, ihre Meinung kundzutun und Anträge zu stellen. «Jetzt ist die Zeit dafür, bevor alles definitiv geschrieben ist», sagt Heiz. Liegen die Entwürfe im Februar 2013 vor, dann laufen die Fristen für das Mitwirken und die Vorprüfungen bis im Mai, nachher folgen die öffentliche Auflage und die Beschlussfassung.