Als «Glück im Unglück» bezeichnet Karin Eisenlohr die Umstände, die sie nach Muhen geführt haben. Die 58-jährige Vollblutköchin war die vergangenen drei Jahre glücklich im Schlossrueder «Schmette-Beizli», ihre Leidenschaft konnte sie jedoch nicht ganz ausleben. Dafür war die Kochstelle hinter der Theke zu klein. Trotzdem. Ans Aufhören hatte sie nie gedacht – bis zu jenem Tag, als der Besitzer Eigenbedarf anmeldete und sie auf einmal ohne Restaurant dastand. Als sie durch Zufall erfuhr, dass die beiden langjährigen Wirtepaare Anni und Walter Lüscher sowie Priska und Jürg Lüscher vom «Schnägg», wie die Müheler ihr Restaurant Bahnhof liebevoll nennen, aufhören, musste sie nicht lange überlegen. Das war ihre Beiz, da war sie sich schnell sicher. Hier fühlte sie sich willkommen und hier wartete eine grosse Küche, wo sie sich hinter dem Herd endlich wieder austoben kann – Glück im Unglück eben.

Jetzt gibts wieder Cordon bleu

Vor einer Woche hat Karin Eisenlohr das Restaurant wieder eröffnet. Auch die Müheler dürften glücklich sein, ihren «Schnägg» wieder zu haben. Sie hiessen die neue Wirtin schliesslich mit einem Grossaufgebot willkommen. «Alle wollten Cordon bleu haben», sagt die Gastgeberin und schlägt sich lachend die Hände vors Gesicht. Für ihre Cordon bleu war sie bekannt. Früher jedenfalls. In Schlossrued konnte sie aus Platzgründen nur eine kleine Karte anbieten. Cordon bleu waren nicht dabei. Aber jetzt macht sie sie wieder. Vorderhand erst mal nach ihrem klassischen Rezept. «Die Variationen werden nach und nach dazu kommen, wenn ich ein bisschen warmgelaufen bin», sagt die erfahrene Wirtin.

Karin Eisenlohr hatte von 2005 bis 2009 in Erlinsbach den «Freihof» geführt, davor wirtete sie sieben Jahre lang im Küttiger «Kreuz». Sie ist mit Leib und Seele Gastgeberin. Am Freitag hat sie deshalb ihre Gäste bei der Antrinkete mit einem kalten Buffet überrascht. «Wenn ich in der Küche stehe, kann ich die Leute ja nicht kennenlernen», sagt sie. Und das sei ihr wichtig. Schliesslich lebe sie ja jetzt auch im Dorf. Eisenlohr hat nämlich die Wirte-Wohnung über der Gaststube bezogen. «Wobei», fügt sie nach einer kleinen Pause an und schmunzelt, «ich bin normalerweise schnell bekannt – allein schon wegen Joe.» Wer ist Joe? «Mein Dackel.» Der sei überall mit dabei. Auf dem Spaziergang, beim Einkauf, bei den Gästen auf der Terrasse. Dort am liebsten. «Er hat halt alle Menschen gern.»

Das Koch-Gen vom Grossvater

Die Tische sind frühlingshaft grün gedeckt, überall stehen frische Blumen. Karin Eisenlohr kann auf die Unterstützung ihrer Vorgänger zählen – nicht nur bei der Dekoration. So erfährt sie etwa, was gewisse Gästegruppen gerne mögen, was sich bewährt hat und was weniger. Auch beim Einkauf führt die neue Wirtin das Konzept ihrer Vorgänger weiter. Brot gibts vom Bäcker nebenan, Fleisch grösstenteils vom Metzger im Dorf. Auch sonst achtet sie auf regionale Produkte. Ob sie allerdings wieder Metzgete anbieten wird, weiss sie heute noch nicht. «Zuerst muss ich die neue Karte im Griff haben.» Wenn man die Köchin so von ihrem Handwerk erzählen hört, hat man allerdings keine Zweifel daran, dass das sehr bald sein wird.

Pläne hat Karin Eisenlohr viele. Saisonale Spezialitäten soll es geben, Cordon bleu in verschiedenen Variationen. Und dann sicher auch wieder ihre selbst gemachten Burger. «Meine Gäste haben schon danach gefragt», sagt sie. «Das Rezept ist von meinem Grossvater.» Er sei seinerzeit selbst Wirt und Koch gewesen – im «Löwen» in Baden. «Von ihm habe ich wohl diese Gene geerbt.» Karin Eisenlohr lacht. Sie lacht gern. Nur nicht auf Kommando, nicht fürs Foto. «Ich könnte nie Model werden», scherzt sie, während sie etwas widerwillig in der momentan leeren Küche posiert. Hier herrscht Ruhe vor dem Sturm. Die Sachen liegen zum Rüsten parat. Neu ist der «Schnägg» jeweils erst abends ab 17 Uhr geöffnet, ausser sonntags. Dann gibts ab 10 Uhr Frühschoppen.

Auf Anmeldung macht Karin Eisenlohr für Gruppen aber auch tagsüber auf. «Es geht nicht anders, wenn man alleine wirtet», sagt sie. Vormittags erledige sie die Einkäufe, die Bestellungen und Reinigungsarbeiten. Dann gehe es los mit Vorbereiten, Rüsten und Kochen. Vieles macht sie mit frischen Zutaten selber. Fertigsaucen kommen bei ihr nicht auf den Tisch. Fünf Angestellte unterstützen sie bei ihrer Arbeit, zwei in der Küche, drei im Service. Und Karin Eisenlohr kann sich in der «Schnägg»-Küche so richtig austoben. «Das habe ich vermisst. Ich freue mich, wieder mal einen schönen Hackbraten oder ein gutes Geschnetzeltes zu machen.» Die Köchin strahlt und die Journalistin knipst das Foto.

Die Aargauer Gastro-Karte: