Dürrenäsch
Jassen hilft auch über Schicksalsschläge hinweg

Wie Ruth Greder eine kleine Wohnung in ein Jass-Stübli verwandelte und dabei ein neues Glück fand.

Alice Sager
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Ruth Greder (r.) brauchte für ihr Jass-Stübli sogar eine Baubewilligung.

Ruth Greder (r.) brauchte für ihr Jass-Stübli sogar eine Baubewilligung.

Alice Sager

«Wollen wir anfangen?» – «Ja klar, spielen wir Schaufel, Dreiblatt und Bueb?» In Ruth›s Jass-Stübli läuft gerade das monatliche Vollmondjassen warm. An drei Tischen sitzen je vier Jasser. Man spielt über das Kreuz. «Hey, ich sehe dir noch in die Karten!», sagt eine ältere Dame und lacht – sie ist erst das zweite Mal dabei, aber die Jass-Runde gefällt ihr. Ruth Greder (69), die das Jass-Stübli betreibt, geht geschäftig umher und bringt Kaffee und andere Getränke.

Diesen Frühling hat sie die Baubewilligung erhalten, um die Stube in der Dreizimmerwohnung in ihrem Wohnhaus in Dürrenäsch in ein Jass-Stübli umzunutzen. Im gleichen Haus betreibt ihr Mann eine Carosserie-Werkstatt. Seit 39 Jahren wohnt die gebürtige Teufenthalerin dort. Die kleine Frau mit kurzen grauen Haaren hat ein grosses strahlendes Lächeln. Ihre Augen schweifen vergnügt umher, später offenbart sie dann auch: «Ich habe ein sonniges Gemüt.»

«Wie ein Sechser im Lotto»

Das sonnige Gemüt ist Ruth Greder geblieben, auch wenn sie es nicht immer einfach hatte im Leben. Viele Schicksalsschläge haben sie getroffen. Vor neun Jahren starben ihre beiden Söhne innert dreieinhalb Monaten. Nur wenige Jahre später musste sie um ihren Ehemann bangen, der einen Hirnschlag hatte. Es ging jedoch alles gut: «Ich habe ihn sehr schwach aufgefunden und sofort in den Spital gefahren, das war sein Glück, so hatte er keinen wesentlichen Schäden davongetragen.»

Auch sie selbst blieb nicht verschont, 2014 musste sie sich einer schweren Lungenoperation unterziehen. «Heute geht es mir wieder gut, ich hatte grosses Glück, es ist wie ein Sechser im Lotto.» Ihr Vater pflegte zu sagen, dass das Leben wie ein Karussell sei, ein ständiges auf und ab. Auch sie sieht das so: «Man muss das Leben nehmen, wie es kommt.»

Der Wunsch vom Wirten

Alle diese Ereignisse waren sehr schwer für Ruth Greder. Schliesslich kam sie auf die Idee, das Jass-Stübli zu eröffnen: «Ich wollte etwas machen, das mir Freude bereitet und das auch anderen Freude bereitet.» In Ruth Greder schlummerte schon immer der Wunsch vom Wirten, dies kann sie jetzt in kleinem Rahmen ausleben. Die Dreizimmerwohnung, in welcher einer der verstorbenen Söhne gelebt hatte, hat sie in ein gemütliches Jass-Stübli verwandelt.

Interessantes Projekt mit Kindern

Gejasst hat Ruth schon als Kind: «Man hatte noch keinen Fernseher und so haben wir an regnerischen Sonntagen immer stundenlang Karten gespielt.» Das Gesellschaftsspiel war für sie immer eine grosse Leidenschaft. Diese will sie nun auch an kommende Generationen weitergeben: «Ich möchte im nächsten Jahr ein Jassen für Kinder organisieren, damit unser Nationalspiel nicht vergessen geht.», sagt sie und strahlt.

Dann geht sie wieder zu den Tischen in ihrem Stübli, schaut ein paar Spielern über die Schultern, lacht, macht witzige Kommentare. «Ich finde es spannend, den Leuten beim Spielen zuzuschauen, verrate aber nie etwas.», meint sie schelmisch. Immer dienstag- und donnerstagsnachmittags kommen die Jasser und einmal im Monat findet das Vollmondjassen statt. Dieses ist jeweils am Abend damit auch Leute, die im Berufsleben stehen, mitmachen können. Für den Jass-Spass müssen sich die Spieler jeweils im Voraus anmelden. Ruth Greder ist glücklich: «Es ist so gesellig, wenn ich das Jass-Stübli voll habe, ich liebe die Menschen und habe viel Freude!»