Als «Jahrhundertprojekt» wird es bezeichnet, und die Kosten von 23 Millionen Franken sowie die Einbettung in die bestehenden Schul- und Sportanlagen dürften den Ausdruck rechtfertigen. Muhens Schule bekommt, wenn die Gemeindeversammlung am 18. November den entsprechenden Kredit spricht, im Süden ein neues Gesicht.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen. Für 20,7 Millionen soll an die Stelle des abzubrechenden Schulhauses Süd, etwas gegen den Sportplatz verschoben, ein neues Gebäude entstehen. Es enthält eine Doppelturnhalle, deren unterer Teil im Boden drinsteht, aber über die Fenster nicht nur Licht einlässt, sondern auch Blicke von aussen in die Hallen ermöglicht.

Darüber, also im ersten Geschoss, kommen die Schulräume zu liegen. Das sind neun Klassenzimmer, ein Musikzimmer und ein Lehrerzimmer, die den Fassaden entlang stehen. Der breite Mittelteil, etwas erhöht, um Tageslicht eindringen zu lassen, umfasst neben vier Gruppenräumen Garderoben, WC-Anlagen und freie Arbeitsplätze zur flexiblen Nutzung.

«Die Klassenzimmer können dank Leichtbauwänden den Bedürfnissen angepasst werden», sagte Architekt Jann Stoos an der Orientierungsversammlung am Donnerstag. Im Neubau soll die Unterstufe – maximal 225 Kinder – Platz finden, während die Mittelstufe im denkmalgeschützten Schulhaus bahnseits bleibt und die Oberstufe weiterhin im Schulhaus Nord Platz findet. Der breite zweistöckige Neubau soll die optische Dominanz des alten Schulhauses nicht brechen.

Der Doppelturnhalle im Untergeschoss angegliedert sind eine Bühne und eine Gastronomieküche. «In der Halle haben 750 Personen Platz», sagte Gemeindeammann Andreas Urech. Also ein Ort auch für Grossanlässe. Die neueren Küchengeräte der bestehenden Küche können übernommen werden.

Neubau unwesentlich teurer

Die Schulreformen (sechs Jahre Primar – drei Jahre Oberstufe, Zweijahreskindergarten) haben Muhen ab März 2012 zu Überlegungen gezwungen, wie genügend Schulraum zur Verfügung gestellt werden kann. Dabei sei es auch um die Grundsatzfrage gegangen: Sanierung der bestehenden Anlage plus Ergänzungsbauten oder Abbruch und Ersatzneubauten?

Die erste Variante wäre 7 Prozent günstiger gewesen, so Andreas Urech. Ein Neubau habe aber erhebliche Vorteile: Betrieb, Unterhalt. Die Verschiebung des Schulhauses ermöglicht nun zudem neue Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten beim geplanten «Lindendach» zwischen Schulhaus und Bahn/Strasse.

Der zweite Teil des Projekts, ein neuer Doppelkindergarten mit Nebenräumen, schlägt mit Kosten von 2,3 Millionen Franken zu Buche. Er kommt neben den bestehenden Doppelkindergarten zu stehen und wurde bewusst nicht in den Schulhausneubau integriert. Er bietet den Kindern einen geschützten Rahmen mit Rückzugsorten und vielfältigen Spielmöglichkeiten im Freien.

In der Diskussion war der Standort der Kindergärten grundsätzlich ein Thema: Müsste man sie nicht dezentral anlegen? Nach dem Motto: «Die Kindergärten zu Kindern» statt umgekehrt? Andreas Urech verteidigte die zentrale Lösung unter Verweis auf die Betriebskosten, aber auch auf die sich verändernde Altersstruktur in den Quartieren: «Den zentralen Standort halten wir für die zukunftsträchtigste Lösung.»

Von 110 auf 115 Prozent

Kein Diskussionspunkt war die Steuererhöhung von 110 auf 115 Prozent, die mit dem Neubau einhergeht. Verschuldung und Selbstfinanzierungsgrad verlangten dies, zumal noch andere Investitionen (Strassenbauprojekte) anstünden. Urech verwies darauf, dass der Neubau mehr als ein Schulhaus sei, sondern ein «neues Zentrum für Kultur und Sport», auch mit attraktiven Aussenräumen.

Die Bauten sind mehrheitlich Betonbauten. Dazu wird aber auch «vorbewittertes» Eichenholz aus dem Müheler Wald verwendet. «Hat man die Hochbauten in Holz evaluiert?», wollte ein Besucher der Versammlung wissen. Jann Stoos verwies auf die grossen Spannweiten des Baus und Bedenken des Bauingenieurs, aber auch die Vorteile des Massivbaus.

Bei optimalem Verlauf – der 18. November stellt die Weichen – kann im Sommer 2017 mit dem Bau begonnen werden. Gleichzeitig werden, so Stoos, auch vier Provisoriums-Einheiten aufgestellt. Auf Beginn des Schuljahres 2019/20 sollen die neuen Bauten bezugsbereit sein.