Uerkner Wald

Jagdaufseher sah noch nie so viele kranke Füchse – auch Hunde gefährdet

Jagdaufseher Kurt Lüscher spricht von einem Epizentrum von Fuchsräude um Uerkheim und Holziken – Hunde sind ebenfalls gefährdet. Hundehalter sollten ihre Lieblinge im Wald nicht von der Leine lassen, rät Lüscher.

Der Schnee knirscht unter den Schuhen, sonst ist an diesem Nachmittag kein Geräusch im Uerkner Wald zu vernehmen. Dank seinen scharfen Jägeraugen aber weiss Kurt Lüscher: Die Stille trügt, zurzeit treiben es manche Tiere ganz schön bunt im Wald. «Dort am Wegrand sind Pfotenabdrücke: Zwei Füchse sind hintereinander hergelaufen, dann haben sie die Wegseite gewechselt und sind weiter bergaufwärts gerannt», sagt der 67-jährige Jagdaufseher des Reviers Schöftland-West (Schöftland, Holziken, Uerkheim, Wittwil und Bottenwil unter Präsident Ueli Stucky). Es ist Ranzzeit. Die Füchse sind auf Partnersuche zwecks Fortpflanzung.

Der intensive Körperkontakt, den die Rotpelze gerade pflegen, bedeutet paradiesische Verhältnisse für ein weiteres Tierchen – und das bereitet Lüscher Sorgen. In den Wäldern um Uerkheim und Holziken leiden zahlreiche Füchse an Fuchsräude, ausgelöst durch die Grabmilbe. «Ein solches Ausmass an kranken Tieren habe ich in meiner Zeit als Jäger noch nie erlebt», sagt Lüscher, der auf 37 Jahre Erfahrung zurückblickt. Auch an anderen Stellen seines neun Quadratkilometer grossen Jagdreviers habe er vereinzelte infizierte Tiere erspäht, aber «der Wald von Uerkheim und Holziken ist klar das Epizentrum». Das Gebiet scheint weit und breit das einzige zu sein, in dem die Seuche wütet. Der kantonalen Abteilung Wald liegen zurzeit keine weiteren, aktuellen Meldungen zur Fuchsräude vor, wie Abteilungsleiter Alain Morier mitteilt.

Füchse kratzen sich Fell kahl

Der Jäger kennt jeden Fuchsbau in seinem Revier. Dass der Schnee im Wald länger liegen bleibt als anderswo, kommt ihm momentan zugute; zeigt Lüscher, wo noch Füchse im Revier sind. «Der Fuchsbau hier ist bestimmt bewohnt», sagt er und zeigt auf die braunen Pfotenabdrücke im Schnee. «Die Füchse kommen mit Erde an den Pfoten aus dem Bau und zeichnen so braune Strassen in den Schnee.»

Doch auch diese Füchse könnten schon infiziert sein, die Inkubationszeit liegt bei drei bis sechs Wochen. Die Parasiten, die kaum einen halben Millimeter gross werden, bohren sich in die Tierhaut, wo sie sich Gänge erfressen und darin Eier ablegen. Räude kann den Wirt innert weniger Monate töten. Die Füchse spüren starken Juckreiz und kratzen sich derart heftig, dass ihr Fell innert kurzer Zeit lauter kahle Stellen und verkrustete Haut aufweist. Dann erst sieht ihnen Kurt Lüscher an, dass sie krank sind, wenn er ihnen im Wald begegnet. «In diesem Stadium ist die Krankheit bereits derart fortgeschritten, dass dem Fuchs nichts mehr helfen würde. Ich kann ihn nur noch mit der Flinte von seinem Leid erlösen», sagt er.

Es war Ende 2017, als der Jagdaufseher einen beunruhigenden Anstieg an Räudebefall beobachtete. Dann, im Frühling 2018, habe sich der Milbenbefall geradezu explosionsartig verbreitet. Der Grund: Während der Ranzzeit konnten die Parasiten problemlos von einem Wirt auf den anderen hüpfen.

Dasselbe droht sich jetzt zu wiederholen. Präventiv dagegen vorgehen kann der Jäger nicht; einzig abwarten, bis die Krankheitsfälle abnehmen. «Seit Beginn des Ausbruchs habe ich bereits 46 Füchse schiessen müssen», sagt Lüscher. Und die Milben befallen nicht etwa nur Füchse, sie könnten theoretisch auf allen Warmblütlern überleben, so Lüscher. Für Menschen ist der Parasit kaum gefährlich, für seinen besten Freund an der Leine allerdings schon. Dabei müssen Hunde nicht einmal mit Füchsen in Kontakt kommen, um angesteckt zu werden: «Der Fuchs nützt Stämme und Äste, um sich zu kratzen, schliesslich kommt er mit der Pfote nicht überall hin», sagt Lüscher, «und der Hund fängt sich die dort abgelagerten Milben ein, wenn er durch den Wald rennt.»

Deshalb der Appell des Jagdaufsehers: «Den Hund lässt man momentan im Wald besser nicht von der Leine.» Bei Anzeichen von intensivem Kratzen sollten Hundehalter den Tierarzt aufsuchen. In frühen Stadien kann dieser die Räude problemlos mittels Medikamenten heilen. Dasselbe gilt übrigens für Katzen, die ebenfalls mit Milben von ihren Streifzügen heimkehren könnten.

Ursache ist dichte Population

Wie ist es zu dieser epidemieartigen Ausbreitung gekommen? «Ein wichtiger Grund ist die Dichte der Fuchspopulation», sagt Kantonstierärztin Barbara Thür. Je mehr Füchse (und je mehr Junge diese haben), desto eher die Ausbreitung der Räude. «Die Krankheit reduziert die Tierpopulation und geht danach zurück», so Thür. Mit anderen Worten: Wo den Milben die Wirte wegsterben, haben sie weniger Gelegenheit, Füchse zu befallen.

Wie aber soll der Mensch reagieren, wenn ihm ein kranker Fuchs über den Weg läuft? «Das Tier muss mir umgehend gemeldet und darf auf keinen Fall angefasst werden», sagt Lüscher. Auch der Jäger fasst den geschossenen Fuchs nur mit Einweghandschuhen an. Aggressiv mache die Krankheit nicht, sagt er, es bestehe also keine höhere Gefahr, gebissen zu werden.

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