Oberes Suhrental
Ist für Bauer Hunziker bald Schluss mit dem Mähen von Minifeldern?

Das Hochwasserschutzprojekt gibt Anstoss für eine sinnvollere Verteilung des Landwirtschaftslandes. Statt einzelnen Miniparzellen könnten die Bauern im oberen Suhrental schon bald grossflächige und zusammenhängende Felder bekommen.

Aline Wüst
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Landwirt Urs Hunziker aus Staffelbach ist dafür, die Landneuverteilung jetzt anzupacken. Emanuel Freudiger

Landwirt Urs Hunziker aus Staffelbach ist dafür, die Landneuverteilung jetzt anzupacken. Emanuel Freudiger

Mäht Landwirt Urs Hunziker seine Wiesen, ist das ein mühsames Unterfangen. Insgesamt 15 Parzellen Land besitzt der Staffelbacher Bauer. Etwa die Hälfte davon sind Kleinstparzellen. Mähen auf solch zerstückelten Feldern ist zeitaufwendig.

Luftaufnahmen offenbaren, was das Problem von Landwirt Hunziker ist: Während in Reitnau die Felder geometrischen Mustern folgen, gleichen die Parzellen in Attelwil und im angrenzenden Staffelbach einem Puzzle – Kleinstparzellen, teilweise sogar mit runden Grenzen winden sich hier ineinander.

In Attelwil erreichen gewisse Bauern ihre Felder nur, wenn sie einem anderen Bauer durch die Wiese fahren. Die Chance, das zu ändern, ist nun da. Anstoss dazu gibt ein Hochwasserschutzprojekt des Kantons (siehe Artikel Hochwasser).

Weit weg von den Dörfern, die sich an die Seiten des breiten Tals schmiegen, fliesst im Talboden die Suhre durch die Gemeinden. Bei Hochwasser richtet sie dort wenig Schaden an. Ganz anders sieht es weiter unten im Tal aus: In Schöftland, Hirschthal aber vor allem in Oberentfelden flutet der Bach regelmässig die Keller der Häuser. Für den Kanton ist klar, dass dagegen endlich etwas unternommen werden muss. In Oberentfelden allerdings kann man nichts machen – dort fliesst die Suhre mitten durchs Dorf. Das Problem muss darum weiter oben im Tal angepackt werden.

Verlorenes Land wird wettgemacht

Um die baulichen Massnahmen für den Hochwasserschutz umzusetzen, braucht der Kanton Land. Eine Möglichkeit an dieses Land zu kommen, wäre eine Gesamtmelioration durchzuführen. Thomas Hersche von Landwirtschaft Aargau erklärt es so: «Wir werfen alles Land in einen Topf und jeder Bauer bekommt seinen Anteil wieder minus einen kleinen Teil, der für den Hochwasserschutz und die übrigen gemeinschaftlichen Bauten und Anlagen gebraucht wird.» Das würde dem Kanton dienen – aber auch den Bauern. Denn Kanton und Bund würden die Umsetzung einer solchen Landneuverteilung finanziell unterstützen. Und Bauern wie Urs Hunziker hätten dadurch bald weniger zerstückeltes Land und könnten es effizienter bewirtschaften. «Die Parzellen sind nachher besser geformt, das würde den Landverlust wettmachen», ist Hersche überzeugt. Ausserdem könnte das veraltete Drainagesystem, sowie das Flurwegnetz saniert werden.

Landwirt Hunziker ist in jedem Fall für diese Güterregulierung. «Es wäre zum Bewirtschaften viel einfacher.» Da ohnehin bauliche Massnahmen zum Hochwasserschutz geplant sind, sei es sinnvoll die Güterregulierung jetzt anzupacken. «Wenn man alles auf den Kopf stellt, kann man das auch gleich anpacken», sagt Hunziker. Wenn das Hochwasserschutzprojekt nicht wäre, hätte aber niemand eine Güterregulierung initiiert, meint Hunziker. Nun sei er aber dafür, obwohl er Land hergeben muss und es ihn etwas kostet.

Ähnlich sieht es Martin Baumann aus Attelwil. Auch er hat 15 zerstückelte Landparzellen. «Ich bin grundsätzlich für eine Güterregulierung», sagt er. Es komme aber sehr auf die Auflagen an, die der Kanton macht.

«Eine komplizierte Sache»

Zurzeit prüft der Kanton die Durchführung einer solchen Gesamtmelioration in den Gemeinden Reitnau, Attelwil, Staffelbach, Moosleerau und Kirchleerau. Thomas Hersche von Landwirtschaft Aargau hält fest: «Entschieden ist noch gar nichts.» Aktuell laufe die Phase der Vorplanung. Wenn diese abgeschlossen ist, sei eine Diskussionsgrundlage geschaffen, zu der sich alle betroffenen Parteien äussern können. Auch das finanzielle Engagement von Bund, Kanton, Gemeinden und Grundeigentümerschaft soll dann bekannt sein.

Bauer Baumann prophezeit, dass es «eine sehr komplizierte Sache gebe». Für Thomas Hersche vom Kanton ist klar, dass es eine Herausforderung ist, ein Projekt dieser Grössenordnung und mit so vielen Beteiligten durchzuführen. Hersche ist aber überzeugt, dass die Landwirte davon profitieren könnten.