Krank fühlt sich die Aargauer Wirtschaft offenbar nicht. Das zeigen die Resultate einer Umfrage bei den Unternehmen, die der Aargauische Gewerbeverband am Mittwoch präsentierte. Trotz anhaltender Euroschwäche beurteilen die Unternehmen etwa die aktuelle Auftragslage als fast gleich gut wie kurz vor der Aufhebung der Euro-Untergrenze Anfang 2015 .

Doch ist, was für den Kanton im Durchschnitt gilt, auch auf das Wynental anwendbar? Ist hier ein ähnlicher Optimismus spürbar, obwohl die Region Aargau Süd punkto Wirtschaftskraft, bei der Wertschöpfung pro Arbeitsplatz, unterdurchschnittlich abschneidet?

Ja, sagt Thomas Huber. Der Wynentaler Unternehmer ist Mitglied der Regionalgruppe Wynental der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK). Die letzte durch die Regionalgruppe lancierte Umfrage bei einer repräsentativen Anzahl Unternehmen in der Region Aargau Süd zeichne ein ähnliches Bild: Die meisten Unternehmen gaben an, im 2016 mit einer gleichbleibenden Ertragslage wie im vergangenen Jahr zu rechnen.

Firmen leben noch vom Vorrat

Als «zu optimistisch» beurteilt Thomas Huber dieses Resultat. Gründe dafür sieht er verschiedene: «Die Auftragsbücher sind noch voll, viele Firmen leben noch vom Arbeitsvorrat, aufgrund der Margenprobleme, die sich aus der Frankenstärke ergeben, mit schlechtem Ertrag.» Aus Reserven könnten noch Löcher in der Rechnung 2015 gestopft werden.

Sicherlich werde auch ein bisschen «geblufft», schliesslich wolle jeder ein guter Arbeitgeber sein. «Manche haben wohl auch noch nicht realisiert, dass die Gewinnung von neuen Aufträgen durch die Frankenstärke drastisch erschwert wird.»

Denn die meisten KMU in der Region seien stark exportorientiert oder abhängig von Unternehmen, die exportabhängig seien. Die Metallverarbeiterin Fischer Reinach AG etwa exportiert über 90 Prozent der Güter (vgl. Interview nebenan).

Eine Frage des Branchenmixes

Während die Wirtschaft etwa in der Region Aarau in den vergangenen zehn Jahren um gut 20 Prozent gewachsen ist, hat die Region Aargau Süd an Wirtschaftskraft eingebüsst. «Das hängt hauptsächlich mit dem Branchenmix zusammen», sagt Damian Misteli, Projektmitarbeiter bei Aargau Services Standortförderung.

«Im Wynental sind eher unterdurchschnittlich wertschöpfungsintensive Unternehmen angesiedelt.» Zwar ist die Wirtschaft in der Region Aargau Süd längst nicht mehr so industriegeprägt, wie sie das einmal war, doch sind gemäss Erhebungen des Bundesamts für Statistik immer noch überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze der Industrie und dem zuliefernden Gewerbe zuzuordnen.

Deutlich über dem Kantonsmittel sind die Branchen Metallerzeugung und -bearbeitung oder Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe vertreten. Die Wirtschaftsregion Aarau derweil ist geprägt vom Finanz-, Gesundheits- und Energiesektor.

Auch das Wynental werde mehr und mehr Zentrum für das Gesundheitswesen und soziale Betriebe. Davon ist Thomas Huber überzeugt. Grösster Arbeitgeber im Tal ist nämlich unterdessen die Stiftung Schürmatt mit über 400 Arbeitsplätzen.

Viele Arbeitsplätze generieren auch das Asana Spital Menziken, die beiden Alterszentren Falkenstein in Menziken und Mittleres Wynental in Oberkulm oder die Stiftung Lebenshilfe in Reinach.

Es ist aber nicht nur der Branchenmix, es sind auch strukturelle Unterschiede, die die wirtschaftliche Entwicklung in Stadt und Land prägen. Vergleicht man die Einwohnerzahlen mit den Arbeitsplätzen, wird deutlich: Die Stadt ist der eigentliche Wirtschaftsmotor.

Aarau hat etwas mehr als 20 000 Einwohner und zählt 32 000 Beschäftigte. Für die Region Aargau Süd ist das Verhältnis umgekehrt. Auf rund 30 000 Einwohner kommen gut 11 000 Arbeitsplätze.