Darts, Pfeile auf eine Scheibe werfen: Zeitvertreib von Beizen- und Pub-Besuchern? Spuntensport? Für Sharita Dätwyler, 35, hats mal so angefangen, vor fast 20 Jahren. «Wir haben im Bahnhöfli Pub in Boswil verkehrt, da hatte es solche Darts-Kästen», erinnert sie sich.

Und jetzt ist sie die amtierende Schweizer Meisterin und trägt das Dress der Nationalmannschaft mit Stolz. Man habe im Pub erkannt, dass sie «nicht ganz untalentiert» sei. Understatement. Britisch? England gilt als Mutterland dieses Sports; dort ist er so populär, dass man damit Geld verdienen kann.

Nichts verlernt

«Es ist vielleicht ähnlich wie mit dem Velofahren: Wenn man’s einmal kann, verlernt man es nicht mehr», sagt Sharita und spielt auf ihren Karriere-Unterbruch an. Bereits vor 14 Jahren, 2004, wurde sie Vize-Schweizer-Meisterin und feierte ein Jahr später ihr Debüt in der Nationalmannschaft. Dann war für neun Jahre Schluss mit Pfeilwerfen. «Andere Interessen, das Umfeld muss stimmen», kommentiert sie diesen Rückzug. Neun Jahre später lernte sie ihren Partner kennen, einen leidenschaftlichen Darts-Spieler. Seither ist sie wieder dabei, in ihrem Stammverein, den «Leue-Darter Boswil». Sie hilft auch bei Vereinen in Menziken und Merenschwand aus: «Für mich willkommenes Training unter Wettkampfbedingungen.» Im Gegensatz zum Boswiler Verein, wo die Elektronik jeweils den Stand anzeigt, wirft man in Menziken Stahlpfeile auf Korkscheiben. Und muss selber rechnen.

Geist und Körper

«Darts ist für mich ein Sport, körperlich und mental anstrengend», sagt sie. Das erfordert auch Training: Gleichgewicht, Stabilitätsübungen, Fitness. «Kondition hilft der Konzentration», sagt sie. Man muss fähig sein, sechs, sieben Stunden zu stehen, an Turnieren mit über 30 Sätzen, obwohl man nur ein paar Schritte gehen müsse, jeweils 2,37 Meter und zurück: «Das kann in den Rücken gehen.»

Ebenso wichtig ist die Konzentrationsfähigkeit. Sich voll fokussieren, wenn man an der Linie steht. Bei den ersten Spielen in der Nationalmannschaft sei sie natürlich nervös gewesen, sagt Sharita. Erfahrung helfe da, gebe Sicherheit und Selbstvertrauen. Und Intervalltraining: fokussieren – entspannen. Das sei die grosse Herausforderung, gerade im Wettkampf, wenn noch geredet wird, Musik läuft, die Gegnerin womöglich noch zu verunsichern, den Rhythmus zu brechen versucht.

Perfektion anstreben

«Darts wäre eigentlich ein Sport, in dem Frauen und Männer gleich stark sein könnten», sagt Sharita Dätwyler. Doch den Männern gelinge es besser, sich auf eine Sache zu fokussieren. «Ich möchte hinter dieses Geheimnis kommen», lacht sie. Weibliches Multitasking gegen männliches Singletasking?

Darts ist kein Glückspiel. Das hat 1908 ein Gericht in Leeds, England, festgestellt, indem es einen Dartsspieler sein Können zeigen liess. «Aber natürlich brauchte es auch etwas Glück», sagt Sharita. Das grösste Ziel eines Darts-Spielers, also auch Sharitas, ist es, in einem Wettkampf mit möglichst wenig Würfen zu siegen. Es siegt, wer zuerst von 501 auf 0 kommt. Das heisst: Die geworfenen Punkte werden von 501 abgezogen; die Null muss genau erreicht werden. Mit neun Würfen ist das im besten Fall möglich (9-Darter). «Das Wissen um diese Möglichkeit motiviert!», sagt Sharita Dätwyler.

Randsportart

Die Sarmenstorferin, Direktionsassistentin bei einer Sicherheitsfirma, ist begeistert von ihrem Sport: «Lässig, auch das Gesellschaftliche, obwohl es ein Ego-Sport ist; du willst das Spiel gewinnen.» Gezählt wird wie im Tennis: Wer drei von fünf Sätzen für sich entscheidet, hat gewonnen. Das gilt bei der Schweizer Meisterschaft sowie den Nationalmannschafts-Qualifikationsturnieren. Bei den normalen Turnieren oder der Liga spielt man Best of 3, also auf zwei Gewinnsätze.

Sie wünschte sich britannische Verhältnisse, wo seit Jahrzehnten ein Hype bestehe. Wäre gut fürs Sponsoring, denn hierzulande fristet der Sport ein Randdasein, obwohl es etwa 2400 lizenzierte Spielerinnen und Spieler gibt. Auch wer in der Nationalmannschaft ist, muss einen Teil der Reisekosten und Startgelder jeweils übernehmen.

Es gibt auch Turniere in Lokalen der Region: Aarau, Wohlen, Aarwangen, Sempach-Station, Deitingen. Juniorenförderung? «Mager. In Russland beispielsweise gibt es Sport-Schulen, wo Talente gefördert werden», sagt Sharita.

Bald olympisch?

Immerhin existieren Bestrebungen, den Sport olympisch zu machen, zumal er auch in Deutschland boomt. Kneipensport? Die Finals finden jeweils in Sport- oder Mehrzweckhallen statt, beispielsweise in Zofingen. Wobei Sharita Dätwyler ihr Talent im Pub entdeckt hat.

Und wie zeigt sich Talent? «Die Pfeile waren nicht auf der ganzen Scheibe verteilt», sagt sie. Man müsse dranbleiben, damit die Pfeile dorthin fliegen, wo sie stecken sollen, in der Mitte, Bull’s Eye, oder in den Ringen, die doppelt oder dreifach zählen.