Im Oberwynental leben 15 000 Menschen, 6000 von ihnen sind Ausländer. Der grösste Teil dieser Bevölkerungsgruppe spricht Albanisch. Das Netzwerk Integration Oberwynental, welches sich seit rund zehn Jahren bemüht, die Einbindung der ausländischen Bevölkerung in unseren Alltag zu fördern, schreibt: «Von schweizerischer Seite werden viele integrationsfördernde Projekte angeboten», aber sie werden von den Albanern sehr wenig oder gar nicht benutzt. Sorgen macht den Vertretern des Netzwerkes, «dass der Zugang zu dieser Bevölkerungsgruppe und deren Erreichbarkeit schwierig ist.»

Mit dem neuen Angebot einer öffentlichen Informationsstelle wollen die Leute vom Netzwerk dieser unbefriedigenden Situation entgegentreten. So startet heute Dienstag, die «Wyn-Info Shqip», eine unentgeltliche Infostelle mit albanischen Beratungspersonen. Der Gemeindeverband aargauSüd impuls stellt dem Netzwerk unentgeltlich einen Büroraum zur Verfügung.

Sprachkundige Berater

Jeden Dienstagabend können albanisch sprechende Personen mit ihren Anliegen und Fragen vorbeikommen. Die Info-Stelle ist auch eine Vermittlungsstelle, die bei Problemen auch die entsprechenden Fachstellen und Fachpersonen beiziehen kann. Ob Erziehungsprobleme, Fragen zum Schulsystem, ob die Übersetzung eines kurzen Textes gewünscht ist oder die Hilfe beim Umgang mit Behörden und Formularen, hier finden die Albaner auf einfache Art jemanden, der ihnen weiterhelfen kann.

Die jungen Leute, die mithalfen dieses Projekt zu organisieren, und die jetzt als Berater handeln werden, sind alle vier Secondos. Sie sind als Schulkinder mit ihren Eltern in die Schweiz eingewandert und haben selber erlebt, was Integration verlangt.

Für Nikolla Gjolleshaj ist klar, dass der Weg zur Integration über die Sprache und Ausbildung führt. Er hat sich zum Pflegefachmann DNII ausgebildet, Fachkurse besucht und arbeitet heute in einem Alterszentrum. Jozef Perkola ist erst im Oberstufenalter in die Schweiz gekommen. Nach dem Abschluss der Bezirksschule hat er das Gymnasium besucht und Pharmazie studiert. Martin Qunaj bildete sich nach Bezirks- und Kantonsschule zum Oberstufenlehrer aus und unterrichtet heute im Aargau. Auch die vierte im Bunde, Burbuqe Ibishi, ist eine Seconda, sie arbeitet als Pflegefachfrau.

Alle vier sind bereit, ihre albanisch sprechenden Landsleute zu unterstützen. Heute hätte die zweite Generation der Einwanderer Kinder, und da sei es wichtig, dass diese nicht nochmals den Anschluss an die Gesellschaft verpassten. Darin sind sich die Berater einig.

Bestehende Chancen nutzen

Dass ausländische Kinder in unserem Bildungssystem intakte Chancen haben und in den Schulen die nötige Unterstützung finden, dafür geben die vier selber ein Beispiel. «Wichtig ist, dass wir als Vertrauenspersonen auftreten können», sagt Gjollesjai, «die Schwelle in unser Büro muss niedrig sein.»

Die Info-Stelle will erreichen, dass die albanisch sprechende Bevölkerung die bestehenden Angebote in der Region besser kennt und nutzt. «Beratungsstellen, Kursangebote, Spielgruppen, Treffen für Mütter mit kleinen Kindern wären vorhanden», sagt Marianne Eichenberger. Sie hat vor dreizehn Jahren mit anderen das Netzwerk Integration ins Leben gerufen.

In den drei Gemeinden Reinach, Menziken und Burg wohnen über 170 albanisch sprechende Familien mit Kindern im Vorkindergartenalter. Einige dieser Familien seien zum Teil kaum integriert, sagen die Leute von Wyn-Info, sie fänden sich in unserem System nicht gut zurecht.

Oft sei Schulbildung der Eltern mangelhaft. Eltern, wie auch Grosseltern lebten isoliert vom Schweizer Alltag in einer Art Parallelgesellschaft. Meistens würden Menschen ihrer Zielgruppe im niedrigen Lohnbereich arbeiten. Viele fänden auch keine Arbeit, weil sie die Sprache nicht beherrschten und schlecht ausgebildet seien.

Diese Situation dürfe nicht zementiert werden, sagen die Wyn-Info-Leute. Diese Menschen, die ja meistens hier bleiben wollen, müssten ihre Zukunft selber in die Hand nehmen, die Kinder müssten in Schule und Berufsausbildung unterstützt werden.

Kantonale Integrationsverantwortliche und eine Gruppe gut gebildeter albanischer Schlüsselpersonen aus der ganzen Schweiz haben das Problem erkannt und stehen ebenfalls hinter dem Projekt Wyn-Info Shqip. Träger der Stelle ist das Netzwerk Integration, welches auch die Projektkosten übernimmt.

Läuft das Projekt gut an und wird es genutzt, dann wird das Netzwerk für 2014 beim Kanton ein Gesuch zur Mitfinanzierung stellen.

Wyn-Info Shqio: Information und Beratung für albanisch sprechende Personen, jeweils Dienstag, 19 bis 21 Uhr, Hauptstrasse 65, 5734 Reinach, 076 528 66 34; www.netzwerk-integration.ch