Oberkulm
In Oberkulm wird Tempo 30 schon bei der Vorstellung bekämpft

An der Juni-Gmeind stimmen die Einwohner über einen Kredit für die Einführung von Tempo 30 ab. Weil der Kanton ein Konzept für das ganze Dorf verlangt, wirft die Diskussion hohe Wellen.

Peter Siegrist
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Die Neudorfstrasse vor den Schulanlagen: Die Fussgängerstreifen sollen auch bei Tempo 30 bleiben.

Die Neudorfstrasse vor den Schulanlagen: Die Fussgängerstreifen sollen auch bei Tempo 30 bleiben.

Peter Siegrist

Wer die Orientierungsversammlung zur Einführung von Tempo 30 in Oberkulm miterlebte, hats rasch gespürt. Die engagierten, teils gar leicht aggressiven Voten von Einwohnern deuteten darauf hin, dass der Gemeinderat hier ein heisses Eisen zur Abstimmung bringt. Tempo 30 flächendeckend einzuführen, findet genauso überzeugte Gegner wie Befürworter.

«Der Anstoss zu dem Geschäft, welches der Gemeinderat jetzt vorlegt, kam vor über sechs Jahren von Einwohnern», erklärte Gemeindeammann Edmund Studiger. Diverse Vorstösse aus der Bevölkerung, von Eltern von Schulkindern, hätten die Behörde dazu bewogen, die Sache abzuklären. Klar im Vordergrund steht für die Gemeinde die Sicherung der Schulwege. «Dazu sind wir auch verpflichtet», erklärte der Ammann.

Und er ergänzte, dass das Baugesetz verlange, auf Strassen, die der Erschliessung dienten, Auto-, Fahrrad und Fussgängerverkehr zu mischen, zum Beispiel mit «Zone 30». Auf überregionalen Verbindungen und Strassen, welche den Verkehr sammeln jedoch, sollen Fussgänger und übriger Verkehr möglichst getrennt werden.

Oberkulm hat in Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro alle Abklärungen vorgenommen, die zur Ausarbeitung einer Vorlage nötig sind. Verkehrszählungen und Geschwindigkeitsmessungen lieferten die Grundlagen. «Unser Dorf ist eng, und wir wollen, dass die Strassen vom motorisierten Verkehr und von den Fussgängern gleichwertig benutzt werden können», sagte Studiger.

Abklärungen und Analysen hätten für Oberkulm ergeben, dass es sinnvoll sei, Tempo 30 flächendeckend einzuführen, erklärte Studiger. Es ist vorgesehen, die Zoneneingänge klar zu bezeichnen und teils mit Einengungen, Signaltafeln und Markierungen zu verdeutlichen. Zusätzlich werde in der ganzen «Zone 30» der Rechtsvortritt am Boden markiert. Nicht vorgesehen sind in Oberkulm die als «Berlinerkissen» bekannten Hindernisse, wie auch die seitlich versetzten künstlichen Engnisse zur Verlangsamung des Verkehrs.

Ausgenommen von der «Zone 30» bleiben nach dem Vorschlag die Hauptstrasse (Kantonsstrasse), das Industrie- und Gewerbegebiet im südlichen Teil der Gemeinde sowie die gut abgesicherte Ortsverbindungsstrasse nach Gontenschwil.

«Das ist doch nicht Oberkulm»

152 000 Franken beträgt der verlangte Kredit für die Baukosten (90 000 Fr.), die Planung, die Nachkontrolle und die Auflage und Absteckung. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat Unterlagen geprüft und genehmigt.

In der Diskussion zeigte sich, das Argument der Schulwegsicherung sticht bei den Gegnern von Tempo 30 kaum. «Es ist übertrieben und viel zu teuer», wurde gesagt, «wir brauchen keine Begegnungszonen, das ist doch nicht Oberkulm.»

Auf den Vorschlag hin, man solle nur Tempo 30 einführen, wo es nötig sei, antwortete Studiger: «Der Kanton gibt klare Weisungen und verlangt ein Konzept übers ganze Dorf.» Deshalb bringe der Gemeinderat ganz bewusst kein Teilkonzept.

Schlecht kam zum Beispiel der Projektvorschlag an, bei einer Strasse den Verkehr mit versetztem Parkieren zu beruhigen. Dies sei eine absolute Schikane, man solle auch an die Lastwagenschauffeure denken, wurde argumentiert.

Es gäbe in Oberkulm kaum Unfälle wurde gesagt. Dass ein einzelner Unfall schnell über 150 000 Franken kosten kann, war an diesem Abend kein Argument. Hans Jörg Elsasser brachte es auf den Punkt. Es brauche ein Gesamtkonzept, eine isolierte Betrachtung bringe nichts. «Wenn die Leute Kinder haben, wünschen sie den Schutz vor der Haustüre, wenn ihre Kinder selber Auto fahren, zählt das offenbar alles nichts mehr.»