Menziken
In dieser alten Alu-Halle entsteht eines der modernsten Datacenter der Schweiz

Im Oberwynental entsteht im ehemaligen Werk der Alu-Menziken eines der modernsten Datacenter der Schweiz. Das Besondere daran: der Datenverkehr ist unsichtbar

Rahel Plüss
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Alu-Halle Menziken

Alu-Halle Menziken

Rahel Plüss
Die Hülle bleibt, innen entsteht ein kompletter Neubau.

Die Hülle bleibt, innen entsteht ein kompletter Neubau.

Rahel Plüss

Ins ehemalige Werk der Alu-Menziken hinter dem Hochhaus kommt ein Datacenter: Bis 1400 Grossrechner könnten hier bald laufen. Die Gemeinde hat die Baubewilligung erteilt. Das Basler Immobilienunternehmen Hiag investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in den Standort. Gleichzeitig werden in Biberist und Lugano zwei weitere Anlagen realisiert. Was steckt hinter diesem Vorhaben?

«Bis jetzt haben wir uns auf das Anbieten analoger Infrastrukturen konzentriert», sagt Hanspeter Tinner, COO Hiag Data AG. Hiag ist auf die Entwicklung ehemaliger Industrieareale spezialisiert (vgl. Box). «Neu wollen wir nun auch digitale Infrastruktur anbieten», so Tinner. Denn für ihn sei mehr als nur denkbar, dass in ein paar Jahren zur Büromiete auch gleich eine virtualisierte IT-Infrastruktur gehöre, «ganz nach dem Motto: die Cloud aus der Steckdose».

Was genau bietet Hiag Data an? Vereinfacht gesagt, mietet der Kunde, zum Beispiel ein IT-Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich, diejenige Rechner- und Speicherleistung, die er gerade braucht. «Das ist flexibler und billiger, als diese Infrastruktur in Eigenregie zu betreiben.»

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Millionen Franken Liegenschaftserträge erwirtschaftet die Hiag Gruppe aktuell jährlich. Hiag besitzt Areale an rund 40 Standorten mit einer Gesamtfläche von 2,6 Millionen Quadratmetern Land.
Hiag Data ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Hiag Immobilien Holding AG. (az)

Schweizweites Glasfasernetz

Was aber ist neu daran? Hiag Data beansprucht für sich, die erste Firma in der Schweiz zu sein, die solche Wege geht. Ist das Deponieren von Daten in einem virtuellen Speicher (Cloud) nicht längst Usus? «Die Neuerung liegt in der durchgängigen Sicherheit», sagt Tinner. Hiag Data arbeitet über ein schweizweites privates und damit internetunabhängiges Glasfasernetz, das die Ankerstandorte Zürich, Biberist, Menziken und Lugano verbindet. «Im Gegensatz zu Clouds, die über das Internet laufen, ist unser Datenverkehr unsichtbar – als hätten Sie den Rechner unter dem Pult.» Somit sei der Zugang zu den Anwendungen und Daten jederzeit sichergestellt, ohne das Risiko, durch Hacker-Attacken blockiert zu werden.

Ein Geschäftsmodell, dem Tinner grosse Zukunftschancen prophezeit. Vergleichbar mit der Attraktivität, die die Schweiz für Geldanleger hat, könnte sie (aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Stabilität sowie der klaren Gesetzgebung in dem Bereich) auch als Datenspeicher-Hochburg an Bedeutung gewinnen. Jedenfalls sei das Interesse auch von internationalen Unternehmen gross. «Eben hat ein Kunde aus Lateinamerika 120 virtuelle Server bei uns bestellt.»

Was aber bedeutet das alles für Menziken? «Heute und Morgen werden im Oberwynental noch keine Bagger auffahren», sagt Michele Muccioli, Arealentwickler bei Hiag. Das Datacenter in Biberist wird, weil sich das Menziker Projekt aufgrund von Einsprachen zeitlich verzögert hatte, als erstes «ans Netz gehen». In Menziken werde man jetzt die bauliche Detailplanung beginnen. Vorgesehen ist, die Aussenhülle der ehemaligen Alu-Halle stehen zu lassen. Der Innenbereich wird komplett ausgehöhlt oder «entkernt», wie der Fachmann sagt und so im Endausbau rund 4400 Quadratmeter Platz für etwa 1400 Racks (Serverschränke) geschaffen. Die historische Fassade des Bürotraktes wird restauriert.

Infrastruktur macht attraktiv

Was bringt das Datacenter der Region wirtschaftlich, sind doch für den Betrieb der hochautomatisierten Anlage nicht mehr als eine Handvoll gut ausgebildeter Handwerker nötig? «Zum einen planen wir im Alten Bürogebäude der Alu-Menziken Arbeitsplätze, die zum Beispiel an Unternehmen vermietet werden können, welche unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen», sagt Muccioli. Weiter sehe er im Datacenter durchaus auch einen Benefit für Standortgemeinde und Region, «sofern sie es denn zu vermarkten wissen». Das Datacenter, respektive die Tatsache, dass die Region im Zuge dieses Projekts an ein solches Netz angebunden sei, könne – in Zusammenarbeit mit dem regionalen Elektrizitätswerk – für die Ansiedelung weiterer Unternehmen attraktiv sein.

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