«Die Hauptprotagonisten des Buches sind die Talbewohner», sagte Autor Rolf Bolliger über den Fokus der von ihm und Co-Autor Markus Widmer-Dean verfassten «Talgeschichte Rued». Nicht die Adligen oben im Schloss, sondern die gewöhnlichen Menschen, ihre Handwerke, ihre Freuden und Sorgen stehen im Werk im Vordergrund.


Damit hatte sich das Autorenteam, das über drei Jahre Arbeit hinter sich hat, keine leichte Aufgabe gesetzt. Während die Schlossherren für ausreichend biografische Literatur für die Nachwelt sorgten, sind Quellen über das Leben der gewöhnlichen Talbewohner erst ab dem 19. Jahrhundert zureichend vorhanden.

Als Beispiel einer solchen zitierte Rolf Bolliger einen Brief des Gemeinderats Schmiedrued von 1872 an die Kantonsregierung. Weil die Korrektion der Talstrasse seit langem aufgeschoben würde, verliessen manche Einwohner bereits die Gemeinde. Andere wiederum «wünschten, bald katholisch zu werden».


Regierungsrat Urs Hofmann, der oft  im Ruedertal zu Gast ist, lobte dessen Entwicklung: «Das Ruedertal hat nicht nur eine imposante Geschichte hinter sich, sondern auch eine vielversprechende Zukunft vor sich.» Aus einst abgelegenen Bauernweilern, wo lange Zeit Armut und Hunger geherrscht habe, seien moderne Wohngemeinden entstanden.


Gänzlich in den Hintergrund treten die Herrschaft Rued und das Schloss im Buch aber nicht. Bereits seine Erwähnung gefunden hat auch der heutige Schlossbesitzer Hans Hediger, Inhaber der Reinacher Firma Erowa. Indem er das vom Zerfall bedrohte Anwesen in den vergangenen Jahren aufwendigst renoviert und kürzlich als Seminarzentrum wiedereröffnet hatte, habe er selber Geschichte geschrieben, sagte die Schmiedrueder Frau Ammann Marliese Loosli.

Noch nicht im Geschichtsbuch steht, dass Hediger eines der letzten Symbole der Berner Herrschaft mit der Neugestaltung der Wetterfahne auf dem Schloss verschwinden liess: «Wir haben so lange gegen die Berner gekämpft, also entschied ich, dass jetzt das Aargauer Wappen auf