Wie ein grosser Webstuhl tönt er, der Mahlautomat in der Schlossmühle in Schlossrued. Es rattert und knattert, und wenn man sich konzentriert, hört man, wie die Dinkelkörner gesiebt und dann in den Mahlautomaten geleitet werden. Die verschiedenen Säcke werden langsam mit Zopfmehl, Weissmehl oder Halbweissmehl aufgefüllt.

Ruedi Schlatter betreibt in der Mühle zwei grosse Steinmühlen. Sein grosser Stolz ist aber der Mahlautomat mit einem Walzenstuhl der Firma Bühler, den er aus dem Engadin nach Schlossrued hat transportieren lassen. Dank des Automaten konnte Ruedi Schlatter die Mühle wieder in Betrieb nehmen und in der vierten Generation weiterführen.

Rückblick: Im Jahr 1995 musste sein Vater den Mühlebetrieb aus gesundheitlichen Gründen einstellen. Von da an stand die Mühle still, sie wurde einzig zu Schauzwecken in Betrieb genommen.

Unter anderem für die 950-Jahr-Feier der Gemeinde Schlossrued. Vor fünf Jahren ging dann auch noch das Stauwehr und damit der Wasserantrieb der Mühle kaputt. Die Turbine ist deshalb nicht mehr im Einsatz und die Mühlen werden heute mit Strom angetrieben.

Zwei Jahre Arbeit für Montage

Für Ruedi Schlatter, gelernter Müller, war aber immer klar, dass er die Mühle wieder in Betrieb nehmen wird. Irgendwann. Bis er dann den Mehlautomaten aus den 40er-Jahren in einer stillgelegten Mühle in Savognin entdeckte.

1000 Franken musste er dafür bezahlen – und den Transport organisieren. «Der Transport mit dem Lastwagen hat mich mehr gekostet als die ganze Mühle», sagt Schlatter. Der Walzenstuhl alleine wiegt rund 2,6 Tonnen. Andere Einzelteile konnte er in verschiedenen stillgelegten Mühlen demontierten und bei sich einbauen.

Zwei Jahre brauchte er, bis er die Mühle im letzten Jahr zum ersten Mal starten konnte. «Ich habe in jeder freien Minute an der Mühle gearbeitet», sagt Schlatter, der Abwart im Schloss Rued sowie im Kornhaus in Schlossrued ist. Immer sei er unterstützt worden von seiner Familie, seinen Freunden und vom Schlossrueder Mühle-Verein.

Noch nicht auf Hochtouren

Im Mahlautomaten wird das Getreide so lange zerkleinert oder in der Fachsprache geschrotet, bis es Mehl ist. Ruedi Schlatter verarbeitet in der Schlossmühle vor allem Dinkel von Bauern aus der Region.

Im Mahlautomaten könnte er 120 bis 140 Kilogramm Getreide pro Stunde zu Mehl verarbeiten. Momentan läuft der Automat noch nicht auf Hochtouren, Ruedi Schlatter möchte es langsam angehen lassen. «Es sind noch einige bauliche Massnahmen nötig», sagt er. Doch die Nachfrage nach seinem Mehl ist gross.

«Lebensmittel aus der Region sind im Trend, die Leute wollen wissen, woher ihr Mehl kommt», sagt Schlatter. Seine Frau Käthi Schlatter ergänzt: «Unser Mehl ist rein und hat keine Zusatzstoffe drin.»

In der Schlossmühle wird das Getreide wie Gold behandelt, so, wie es auch ein Zitat beim Eingang besagt: «Das Stücklein Brot, das dich ernährt, ist mehr als Gold und Silber wert.»

Und beim Abfüllen packt auch Ruedi Schlatters Mutter Hedi Schlatter mit an. Die Freude, dass die Schlossmühle wieder mahlt, ist ihr ins Gesicht geschrieben. Trotz ihres Alters – sie ist 85 Jahre alt – hilft sie noch mit, wo sie kann.

Gekauft werden können das steingemahlene Dinkel-Ruchmehl und das Dinkel-Weissmehl in der Chäsi in Schlossrued. Im Spar in Schöftland steht das steingemahlene Ruchmehl ebenfalls im Regal.

Auch direkt in der Schlossmühle liegen die 1-Kilo-Mehlsäcke sowie Backmischungen für Schoggi- und Zimtschnitten bereit zum Kauf – wer Glück hat, hört dann auch den Mehlautomaten rattern und knattern.

Mehlverkauf sowie Besichtigungen in der Schlossmühle nach Vereinbarung bei Käthi Schlatter: 079 231 13 25