Uerkheim
In der Osterwoche verkauft sie sechs Mal mehr Bio-Forellen

In der 50 Jahre alten Bio-Forellen-Zucht von Susanne Flückiger ist in der Osterwoche Hochbetrieb. Die Züchterin ist auf viele helfende Hände angewiesen. Selbst wird sie aber keinen Fisch am Karfreitag essen.

Christine Fürst
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Susanne Flückiger zeigt eine Regenbogenforelle, die an ihrem rötlich gefärbten Bauch und am hohen Körperbau zu erkennen ist.

Susanne Flückiger zeigt eine Regenbogenforelle, die an ihrem rötlich gefärbten Bauch und am hohen Körperbau zu erkennen ist.

Emanuel Freudiger

Beinahe pausenlos klingelt am Montagmorgen in der Osterwoche das Telefon von Susanne Flückiger. Ein Anrufer bestellt sechs Forellen für Karfreitag, ein anderer erkundigt sich nach den Öffnungszeiten. In dieser Woche verkauft die Forellenzüchterin rund sechs Mal mehr Fische als in einer normalen Woche.

In diesen Tagen ist sie auf ihren fest angestellten Mitarbeiter und viele Heinzelmännchen, wie sie ihre Helfer nennt, angewiesen. Von morgens bis abends ist sie auf den Beinen, fängt Forellen aus dem Weiher, filetiert und verpackt sie.

«Vor dem Verarbeiten werden die Fische zwei bis drei Tage nicht mehr gefüttert, damit das Fleisch fester ist», sagt Flückiger. Sie sei froh, wenn an Karfreitag alle Fisch essen, egal aus welchem Grund (siehe Kasten). Und sie sagt: «Ja, für mich ist der Fisch auch Fleisch.» Sie weiss bereits jetzt, dass sie am Karfreitag sicher keinen Fisch essen wird, «lieber ein ‹Rädli› Salami».

Weshalb essen viele am Karfreitag Fisch?

In der christlichen Tradition wird vielerorts am Karfreitag auf Fleisch nicht aber auf Fisch auf dem Speiseplan verzichtet. Der Fisch ist eines der ältesten Symbole im Christentum.
Das Symbol aus zwei gekrümmten Linien, die einen Fisch darstellen steht für das griechische Wort I·Ch·Th·Y·S» (Fisch) und ist ein Akronym, eine Abkürzung. Es bedeutet: Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser.
Es ist historisch zwar nicht belegt, dass es bereits von den Urchristen als Geheimzeichen verwendet wurde. - Verschiedene Bibelstellen weisen auch auf Christentum und Fische hin, so zum Beispiel Lukas 5,11, wo es heisst, dass Jesus den Fischer Simon Petrus mit der Nachfolge beauftrage und ihm zusagte, er werde künftig Menschen fischen. (psi)

Meist wollen ihre Kunden die Forellen filetiert. Für Flückiger ist das kein Problem, auch eigens nach überlieferten Rezepten traditionell geräucherte Filets und Rauchlachsforellen hat sie im Angebot. Und wer nicht selbst kochen will, kann am Freitag in ihrem Hofbeizli in Uerkheim auch Forellenknusperli oder ein Filet vom Holzgrill geniessen.

Edle Regenbogenforellen

Doch von vorne: In der Bio-Forellen-Zucht in Uerkheim werden die Fische von der Geburt bis zum Tod begleitet. Susanne Flückiger streift bei den Muttertieren den Laich selbst ab, dann werden die Eier in einem Brutschrank ausgebrütet. Bei einer Temperatur von 10 Grad dauert es rund 36 Tage, bis die jungen Fische schlüpfen. In einem Becken werden sie aufgezogen, lernen zu fressen, bevor sie in den ersten Naturteich entlassen werden.

Neben Bachforellen züchtet Flückiger eine edle Regenbogenforellenart. Als ihr Schwiegervater vor 50 Jahren die Zucht in Betrieb nahm, bekam er vom Forschungsinstitut Starnberg 5000 Eier dieser Art. Susanne Flückiger ist stolz, dass ihre Tiere noch heute von dieser Linie abstammen. «Das sind einfach super Tiere», sagt sie und lacht.

Sind die Forellen gross genug, kommen sie in die Naturteiche. Diese werden mit Netzen geschützt, zu gerne würde sich das Eisvogelpaar sonst dort Nahrung holen. Werden die Fische grösser, versucht man mit Elektrodrähten, den Fischreiher vom Fischen abzuhalten.

Immer wieder muss Flückiger die Fische nach Grösse sortieren. 18 Monate leben die Forellen in Flückigers Teichen, bevor sie mit Strom getötet werden. «Zu einem Fisch hat man nicht dasselbe Verhältnis wie zu einem Säugetier», sagt Flückiger. Sie lebe von der Forellenzucht und sie wisse, dass ihre Fische ein schönes Leben hatten.

Forellen sind biozertifiziert

Vor 13 Jahren lernte Susanne Flückiger ihren Mann Roland kennen. Dieser hatte in den 80er Jahren die Zucht von seinem Vater übernommen. «Vorher habe ich Fische nur auf dem Teller gekannt», sagt sie und lacht. Doch sie packte in der Zucht mit an, lernte viel. Das Paar begann, ihre Forellen direkt zu vermarkten. «Ich bin eine leidenschaftliche Marktfrau, schon als Kind liebte ich das ‹Verkäuferlis›-Spielen», sagt sie. Mittlerweile sind die Flückiger-Forellen am Zofinger Wochenmarkt, am Markt in Schöftland und an weiteren regionalen Märkten nicht mehr wegzudenken.

Auch die Umstellung auf Bio wurde in dieser Zeit vollzogen. «An der Anlage mussten wir nichts ändern, wir haben ja bereits Naturweiher», sagt sie. Und zwar neun an der Zahl. Die Weiher haben einen Lehmboden und die Seitenwände sind mit Holz verstärkt. Das Label «Bio Suisse» schreibt beispielsweise vor, dass pro Kubikmeter Wasser nicht mehr als 20 Kilogramm Fisch schwimmen dürfen.

In konventionellen Anlagen seien es manchmal über 100 Kilogramm. «Weniger Fische pro Kubikmeter heisst auch, dass sie weniger Stress haben und dadurch stabiler sind», sagt Flückiger. Zudem haben die Fische 18 Monate Zeit zum Wachsen. Den Satz, dass Bio-Fische nach Algen und Moos riechen, quittiert Flückiger mit einem Lachen.

«Der Geschmack hat nichts mit Bio zu tun, sondern mit der Wasserqualität.» Die Forellen brauchen fliessendes Wasser, haben sie das nicht, könnten sie schon so duften. «Meine Fische riechen sicher nicht nach Algen und Moos», sagt sie.

Seit dem Tod ihres Mannes führt Susanne Flückiger die Zucht alleine weiter. «Ich wollte es einfach versuchen», sagt sie heute. Ihr Plan scheint aufgegangen zu sein, die Uerkner Bio-Forellen landen morgen auf vielen Tellern.

Hofladen, Oster-Öffnungszeiten Do: 10 Uhr bis 21 Uhr, Fr: 10 Uhr bis 15 Uhr (Hofbeizli in Betrieb), Sa 13 Uhr bis 18 Uhr (wie jeden Samstag). Tag der offenen Tür zum 50-Jahr-Jubliäum der Forellenzucht am Pfingstmontag, 9. Juni.

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